Montag, 11. Mai 2015

Sterzing bleibt Messner treu

Der Name des Sterzinger Bürgermeisters bleibt derselbe: Fritz Karl Messner. Und doch ist heuer in Sterzing alles irgendwie anders. Messner wechselte im Vorfeld der Gemeinderatswahlen auf die Bürgerliste. Und die Bürger wechselten mit.

Bis halb 4 Uhr früh harrten sie im Gasthaus aus: Fritz Karl Messner und seine Kollegen von der Bürgerliste „Für Sterzing Wipptal“. Sie blieben wach, bis jede Vorzugsstimme ausgezählt war. „Jenen, die nicht mit uns die Auszählung live verfolgen konnten, habe ich am Ende noch eine SMS geschickt“, erzählt Messner. Dann ging der Bürgermeister schlafen – und wachte als Bürgermeister wieder auf. Alles wie immer. Und doch vollkommen anders. Fritz Karl Messner ist Sterzings erster Bürgerliste-Bürgermeister.

Südtirol Online: Herr Messner, zuallererst Gratulation zum Wahlsieg.

Fritz Karl Messner, Bürgermeister von Sterzing: Herzlichen Dank.

STOL: Eine erste Reaktion auf Ihre Wiederwahl?

Messner: Zuallererst möchte ich mich bei den Wählern recht herzlich bedanken. Ich hätte gedacht, ich würde es schaffen, mit einem kleinen Vorsprung von 60 bis 70 Stimmen gewählt zu werden. Einmal hab‘ ich auch gesagt, 200 Stimmen wären ein Traum. Jetzt sind’s fast 300 geworden – mit so viel habe ich nicht gerechnet. Dafür bedanke ich mich. Ich werde versuchen, so wie in der Vergangenheit, das Vertrauen nicht zu missbrauchen und gemeinsam mit den Gemeinderäten und dem Stadtrat gut zu arbeiten.

STOL: Das Ergebnis ist für Sie also keine Überraschung.

Messner: Ich habe damit gerechnet, dass es knapp ausgeht. Wenn man neue Wege bestreitet, weiß man nie, wie die Bevölkerung reagiert. Ich glaube, sie hat sehr positiv reagiert und ist froh, dass wir ein klares Zeichen in Richtung Bozen gesetzt haben.

STOL: Fühlt man sich als Bürgerliste-Bürgermeister nun anders als als Bürgermeister der SVP?

Messner: Ich bin immer derselbe, und auch viele der Gewählten sind immer dieselben. Nur wollten wir ein klares Zeichen setzen – gegen die Zentralisierung und für die Strukturen in den kleinen Bezirken.

STOL: Im Gemeinderat wird man nun mit der SVP zusammenarbeiten müssen.

Messner: Wir haben genau 50 Prozent der Mandate erreicht, müssen einen italienischen Koalitionspartner mit ins Boot nehmen und werden dann eine solide Mehrheit haben. Eine Koalition ohne die SVP ist also durchaus möglich. Aber im Gemeinderat geht’s um Sachthemen. Da wird quer durch die Parteien für Projekte und Entscheidungen gestimmt.

STOL: Eine Koalition mit der SVP ist ausgeschlossen?

Messner: Ich glaube, es wird sehr wenig Spielraum geben. Zumal auch einige Leute gewählt worden sind, die viel Schmutz geworfen haben. Und wenn man daran denkt, dass einer der sechs im Stadtrat der Bürgermeister ist, dazu noch drei Frauen, einer muss Italiener sein… dann wird’s relativ wenig Spielraum geben. Und: Auch der bestgewählte SVP-Gemeinderat hat weniger Stimmen als der Letztgewählte der Liste „Für Sterzing Wipptal“.

Interview: Petra Gasslitter

stol