Donnerstag, 14. Januar 2016

Stocker und Schael machen Werbung und Druck

Das Ziel ist ein Informationssystem nicht nur für den Sanitätsbetrieb, sondern für das ganze Gesundheitswesen. Der Weg dahin ist weit, die beschrittenen Pfade sind umstritten. Und: Das alles kostet. Der Aufbau des neuen EDV-Systems war am Donnerstag Gegenstand einer Anhörung im Landtag, bei der Martha Stocker die Werbekeule auspackte, Thomas Schael die Rechtfertigungsschiene fuhr.

Die Vorstellung des Masterplans im Landtag.
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Die Vorstellung des Masterplans im Landtag. - Foto: © LPA

"Es gilt nun eine strategische Entscheidung zu treffen, die auch in den nächsten zehn bis 15 Jahren noch Gültigkeit hat", unterstrich Landesrätin Martha Stocker. Es sei eine große Herausforderung, die auch zu Kritik geführt habe, weiß Stocker und bezieht sich auf zahlreiche Polemiken rund um das neue Informationssystem des Sanitätsbetriebes.

Auskunft für die Abgeordneten

Dennoch: Die Informatisierung sei eine der zentralen Herausforderungen bei der Reform des Gesundheitswesens, erklärte Stocker. Um so wichtiger ist es, auch die Entscheidungsträger in Sachen Geldmittel, die Abgeordneten, über die einzelnen Schritte beim Aufbau des neuen EDV-Systems zu informieren. 

Daher hatte Sabes-Chef Thomas Schael am Donnerstag seinen Auftritt im Landtag, um die Eckpfeiler des IT-Masterplans 2016-2018 vorzustellen. STOL hatte über den Stand der Vereinheitlichung und Vernetzung des Informatiksystems, den Masterplan, unter dem Titel "Mal ehrlich, was ist Sache, Herr Schael?" berichtet.

Digitale Patientenakten also größte Herausforderung

Die Personalisierung der Medizin werde immer wichtiger, so Schael. 

Zum Status: Derzeit gibt es drei verschiedene Systeme, die nicht miteinander vernetzt sind und es gibt keine landesweite, digitale Patientenakte. "Letztere ist für eine bestmögliche medizinische Betreuung unumgänglich", erklärte Stocker - und machte Werbung für das neue, vielfach umstrittene System. 
Mit dem jetzigen Gesamtvorschlag gelinge es, die Vorzüge der verschiedenen Möglichkeiten herauszupicken und somit die optimale Lösung für unser Land umzusetzen.

Warum die hausinterne Lösung? 

Unabhängigen Experten hätten die verschiedenen Lösungsansätze für das IT-System detailliert unter die Lupe genommen. Diese haben dabei unter anderem die Vor- und Nachteile analysiert.
Zur Diskussion standen eine Ausweitung des bestehenden Systems der Gesundheitsbezirke Brixen und Bruneck IKIS, eine Wiederverwendung der Technik des benachbarten Trentino, eine europäischen Ausschreibung des Gesamtsystems und eine Modullösung bestehend aus der Zusammenarbeit mit der Südtiroler Informatik AG (SIAG), dem Ankauf von bewährten Marktlösungen und der Kooperation mit der Südtirol Alto Adige Informatik und Medizin GmbH (SAIM).

Die SAIM sei 2003 als Public Private Partnership gegründet worden, erklärte Thomas Schael, Mehrheitseigentümer sei der Sanitätsbetrieb. Man wolle die SAIM dazu benutzen, wofür die begründet wurde. 

Druck für ein schnelle Umsetzung - um 75 Millionen Euro

Nun wolle man der SAIM den klaren Auftrag geben, die einheitliche Patientenakte endlich zu entwickeln. Alle anderen Komponenten würden über andere Schienen entwickelt oder eingekauft. Man werde nun Druck machen, da man ziemlich schnell eine Lösung brauche.

Auch die Kosten von veranschlagten 75 Mio. Euro versuchte Schael zu rechtfertigen: Im europäischen Vergleich gebe Südtirol 28 Euro pro Bürger für IT in der Sanität aus, was zu den niedrigsten Werten Europas gehöre. Dänemark z.B. gebe 70 Euro aus.

Alle sollen mitreden - im März soll das Gesamtkonzept stehen

Trotz des Zeitdrucks sollen aber alle mitreden dürfen. Nach der Vorstellung des IT-Masterplans sollen die Rückmeldungen der Mitarbeiter des Betriebes, der Interessensvertretungen und Patientenorganisationen sowie der politischen Vertreter gesammelt und eingearbeitet werden, um im März das Gesamtkonzept für die nächsten Jahre verabschieden zu können, erläuterte Gesundheitslandesrätin Stocker die weitere Vorgehensweise.

In der politischen Diskussion solle es dabei nicht um einzelne operative Fragen und kleine Verbesserungen des bestehenden krankenhausorientierten Systems, sondern um die große strategische Entscheidung für die zukunftsfähige Vernetzung aller Nutzer gehen.

stol/lpa/ker

stol