Donnerstag, 19. Dezember 2019

Strache lässt offenbar FPÖ-Kollegen ausspionieren

Die Ibiza-Affäre um Ex-Parteichef Heinz-Christian Strache wirft weiterhin lange Schatten auf die FPÖ und beschäftigt die Partei auch nach dem Ausschluss des einstigen Frontmanns. Am Donnerstag tauchten Vorwürfe auf, Strache habe nach der Veröffentlichung des Ibiza-Videos einen Detektiv auf mindestens 2 seiner FPÖ-Kollegen angesetzt - auf Parteikosten. Strache selbst wies die Vorwürfe zurück.

Strache glaubte offenbar an eine freiheitliche Verschwörung gegen ihn.
Strache glaubte offenbar an eine freiheitliche Verschwörung gegen ihn. - Foto: © APA (Archiv) / HANS KLAUS TECHT

Einem Bericht der „Kronen Zeitung“ zufolge glaubte der ehemalige FPÖ-Chef nach der Veröffentlichung des Ibiza-Videos an eine freiheitliche Verschwörung gegen ihn. Aus diesem Grund soll er einen Detektiv beauftragt haben, um unter anderem seinen Parteifreund Johann Gudenus zu bespitzeln. Auf den veröffentlichten Fotos ist Gudenus etwa neben seinem Wagen und beim Verlassen eines Restaurants gemeinsam mit seinem Anwalt zu sehen. Die schwarz-weißen Überwachungsfotos von Juni wurden bei der Hausdurchsuchung in Straches Klosterneuburger Villa im Zusammenhang mit der Causa Casinos durch die Soko Ibiza sichergestellt.

Bespitzelt wurde auch Straches Nachfolger als Wiener FPÖ-Chef, Dominik Nepp. Das Landesamt für Verfassungsschutz- und Terrorismusbekämpfung (LVT) soll in dieser Angelegenheit ermittelt haben, schrieb die „Krone“. Nepp zeigte sich nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Strache menschlich enttäuscht. „Ich dachte wir wären Freunde gewesen“, schrieb der Landesparteiobmann auf Facebook. Seiner Frau sei bereits im Sommer eine verdächtige Person aufgefallen, berichtete er. Mitte September habe er den Verdacht, ausspioniert zu werden, bei den Behörden gemeldet. Diese hätten eine „private Überwachungsaktion meiner Person und offenbar auch meiner Familie“, bestätigt. Wer dahinter steckte, wurde Nepp offenbar erst am Donnerstag klar.

Strache dementiert die Vorwürfe

Der hauptsächlich ins Visier des Detektivs geratene Gudenus ließ seinen Anwalt für sich sprechen. Strache sollte mittlerweile erkannt haben, dass Gudenus selbst Opfer einer Videofalle geworden ist, richtete Heinz-Dietmar Schimanko im Ö1-„Mittagsjournal“ aus und zeigte wenig Verständnis für die kolportierten Spionage-Aktivitäten.

Brisant ist auch, dass der jetzige FPÖ-Chef Norbert Hofer behauptete, Strache hätte die Kosten für die Aktion über die Partei abgerechnet. Er bestätigte, dass eine Rechnung für einen Detektiv bei der Partei eingelangt, aber noch nicht bezahlt worden sei. Deshalb wolle er die Rechnung einfach „an den Auftraggeber“ weiterleiten, kündigte er an. Gewusst habe er von den „seltsamen“ Spionage-Aktivitäten nichts, so Hofer. Er sei jedenfalls „not amused“ darüber.

Strache selbst dementierte die Vorwürfe gegen ihn einer knappen Stellungnahme. Auf Facebook schrieb er, dass es von ihm keinen Auftrag an einen Detektiv gegeben habe und daher auch keine Rechnung an die Partei. Die Herkunft der Überwachungsfotos erklärte er folgendermaßen: „Es gab nach der Aktion des kriminellen Ibiza-Netzwerks engagierte Bürger, welche Hintermänner und Akteure der Ibiza Causa unter Zuhilfenahme von Privat-Detekteien ausfindig machen und zur Aufklärung beitragen wollten“, schrieb Strache. „Mit manchen war ich in Kontakt und diese teilten ihre Ermittlungsergebnisse mit mir.“

apa