Freitag, 15. Januar 2021

Südtirol geht weiter eigenen Weg

Die Leitungen zwischen Rom und Südtirol liefen heiß, nachdem die italienische Regierung angekündigt hatte, Südtirol zur roten Zone erklären zu wollen. Nun ist die Entscheidung gefallen: Südtirol beschreitet weiter einen eigenen Weg.

Es gelte weiter sehr wachsam zu sein, aber bis auf weiteres will Landeshauptmann Arno Kompatscher an den bestehenden Maßnahmen festhalten.
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Es gelte weiter sehr wachsam zu sein, aber bis auf weiteres will Landeshauptmann Arno Kompatscher an den bestehenden Maßnahmen festhalten. - Foto: © LPA/GNews
Nach der Ankündigung der Regierung in Rom, Südtirol zur roten Zone zu erklären, ist die Landesregierung am Freitagnachmittag zu einer außerordentlichen Sitzung zusammengetreten. Man sei „sehr überrascht“ von der Entscheidung in Rom gewesen, hieß es bei der Pressekonferenz der Landesregierung am Freitagabend.

Gestützt auf die Zahlen des Sanitätsbetriebes will die Landesregierung bis auf weiteres an den bestehenden Regeln weitgehend festhalten: Bars, Restaurants und auch der Handel bleiben offen. Einzig die Skigebiete bleiben geschlossen, wie bereits berichtet wurde.

Nur wenige Änderungen der aktuellen Regeln

Die neue Verordnung sehe nur wenige Änderungen vor, wie Landeshauptmann Arno Kompatscher mitteilte. So ist der Verkauf von Speisen und Getränken zum Mitnehmen in Bars nur bis 18 Uhr erlaubt.

Die Schutzhütten und Gastbetriebe in Skigebieten, an Rodelpisten oder im Bereich von Talstationen der Aufstiegsanlagen dürfen – mit einer Reihe von einschränkenden Regeln – von 8 bis 16 Uhr geöffnet haben. So dürfen Gäste im Innen- und Außenbereich nur auf Vormerkung mit Speisen und Getränken bewirtet werden – mit maximal 4 Personen pro Tisch, außer es handelt sich bei allen um zusammenlebende Personen. Untersagt ist dort auch die Verabreichung von superalkoholischen Getränken sowie von Speisen und Getränken zum Mitnehmen. Verboten ist auch jegliche Form von musikalischer und multimedialer Unterhaltung.

Die Bildungseinrichtungen bleiben – nach den bisher geltenden Regeln in den unterschiedlichen Schulstufen – weiterhin für den Präsenzunterricht geöffnet.

„Bei Verschlechterung der Lage wird reagiert“

„Die Situation ist in ganz Europa aktuell sehr angespannt. Deswegen ist es klar, dass wir auch weiterhin sehr wachsam sein werden: Aufgrund der Empfehlungen unserer Experten bestätigen wir die derzeitigen Regeln. Wenn sich die Lage ändert, wird der Sanitätsbetrieb zeitnah mitteilen, dass neue Maßnahmen gesetzt werden müssen“, erklärte Landeshauptmann Kompatscher auf der Pressekonferenz.

Diese Entscheidung habe man getroffen, weil die aktuelle Corona-Lage in Südtirol durch das römische Gesundheitsministerium nicht richtig bewertet werde, wie Gesundheitslandesrat Thomas Widmann betonte.

Laut Widmann habe Rom Südtirol bei 4 von 21 Faktoren falsch eingestuft beziehungsweise die Südtiroler Besonderheiten nicht berücksichtigt: bei den PCR-Tests, den Fallzahlen pro 100.000 Einwohnern und sowohl bei den Grenzwerten in den Intensivstationen als auch bei den Normalbetten. „Der Südtiroler Sanitätsbetrieb beobachtet die Daten ständig. Auf ihrer Grundlage kann Südtirol die aktuell geltenden Regeln beibehalten“, ist Widmann überzeugt.

Situation in Krankenhäusern „relativ“ unter Kontrolle

Widmann erklärte, dass die Situation in Südtirol „relativ“ unter Kontrolle sei: Die Auslastung in den Krankenhäusern und Intensivstationen sei stabil, ein Zusammenbruch des Gesundheitssystems sei nicht abzusehen. Die Belegung der Intensivbetten liege in Südtirol aktuell unter 30 Prozent.

Südtirol sei laut Widmann die einzige Region, die neben PCR-Tests massiv auch mittels Antigen-Test testet. „Das macht Südtirol nicht mit anderen Regionen vergleichbar“, so der Landesrat. Außerdem sei die Inzidenz von 320 Infizierten pro 100.000 Einwohner kein Indikator, um Südtirol als „rote Zone“ einzustufen. „Wer wenig testet, bleibt gelb; wer viel testet, wird rot - das kann es nicht sein“, kritisierte der Landesrat.

Gegen die Einstufung als rote Zone will sich die Landesregierung wehren. Mit einem vom Sanitätsbetrieb ausführlich begründeten Schreiben, in dem die zusätzlich erklärenden Daten vorlegt werden, wird eine Neubewertung gefordert. Bis die Antwort aus Rom vorliegt, gehe die Landesregierung nach Plan vor.

So hat Arno Kompatscher noch am Freitagabend die Verordnung unterzeichnet. Diese ist somit ab sofort gültig. „Damit bestätigen wir weitgehend die bisher geltende Regelung der Verordnung Nr. 1 und nehmen lediglich Korrekturen in kleinerem Rahmen vor“, erklärte der Landeshauptmann

Hier gibt es die Verordnung (Nr. 2/2021) im Detail.

pho/lpa

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