Donnerstag, 31. März 2016

Südtirol im „Guardian“: Von Grenzmanagement keine Ahnung

Seitdem Flüchtlinge am Outlet vorbei nach Innsbruck ziehen, ist der Brenner wieder zurück auf der internationalen Bühne. Am Donnerstag berichtet das renommierte Blatt „The Guardian“. Landesrätin Martha Stocker kommt zu Wort – und lässt mit einer Aussage aufhorchen.

Österreich will am Brenner ein "Grenzmanagement" einrichten. Wie das aussieht, weiß niemand, sagt Martha Stocker. Weder sie selbst noch Österreich.
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Österreich will am Brenner ein "Grenzmanagement" einrichten. Wie das aussieht, weiß niemand, sagt Martha Stocker. Weder sie selbst noch Österreich. - Foto: © D

Träge und ratlos – so wirkt die Europäische Union in der Flüchtlingskrise. Österreichs Antwort darauf fällt harsch aus: verstärkte Kontrollen, Asyl-Schnellverfahren, Obergrenze. „Wiens Entscheidung“, schreibt Stephanie Kirchgaessner, „könnte dieses Gebiet (Südtirol; Anm.d.Red.), das einst als Symbol für Europas friedliche Einigung gesehen wurde, in etwas ganz anderes verwandeln: einem Wahrzeichen für das Auseinanderbröckeln des Kontinents.“

Kirchgaessner ist Journalistin des renommierten britischen „Guardian“. Am Donnerstag hat sie einen mehrseitigen Artikel auf die Internetseite gestellt. Darin zerpflückt sie das Dilemma am Brenner.

Kleines Südtirol ganz groß: Die Startseite des "Guardian" am Donnerstag - Foto: Screenshot

 

Südtirol als Modell – jetzt geht das nicht mehr

Heutzutage werde das Südtirol-Modell oft als Vorbild für andere Regionen hervorgehoben. Auch Matteo Renzi habe Russland und die Ukraine angehalten, davon zu lernen. „Das war wahr, solange die Südtiroler – die zwar die italienische Staatsbürgerschaft haben, doch sich selbst in erster Linie als Tiroler sehen – nicht täglich an ihre Trennung von Österreich erinnert wurden“, schreibt Kirchgaessner.

Die Soziallandesrätin sieht das genauso. Martha Stocker wird in dem „Guardian“-Artikel – neben dem Bürgermeister von Brenner Franz Kompatscher und Monika Weissensteiner von der Alexander-Langer-Stiftung – viel Platz eingeräumt. Platz, den Stocker unter anderem mit einer verunsicherten Aussage füllt.

"Grenzmanagement": Jeder redet, niemand weiß

„Als sie auf dem Rücksitz ihres schwarzen Mercedes mit Chauffeur von einem Termin zum nächsten eilt, gibt Stocker unumwunden zu, dass sie keine Ahnung davon hat, was die Österreicher meinen, wenn sie von ‚Grenzmanagement‘ sprechen“, heißt es im „Guardian“-Artikel. „Das sind die Ausdrücke, die sie verwenden. Das kann alles heißen, von Verkehrssperren bis hin zu einem Zaun“, wird Stocker zitiert. Doch, so habe die Landesrätin angefügt, sie zweifle daran, dass die Österreicher selbst einen konkreten Plan hätten (wie Stocker auf den Artikel reagiert, lesen Sie hier).

stol

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