Montag, 25. Januar 2021

Südtirol leuchtet laut EU „dunkelrot“

Um Hochrisikogebiete als solche einzustufen, führte die Kommission nun eine neue Farbkategorie ein: Regionen, in denen die Zahl der bestätigten Ansteckungen in den vergangenen 14 Tagen über 500 pro 100.000 Einwohnern lag, werden fortan dunkelrot markiert. Auch Südtirol riskiert, europäisches Hochrisikogebiet zu werden.

Die EU-Staats- und Regierungschefs hatten sich am Donnerstag bei einer Video-Konferenz auf striktere Reise-Beschränkungen zur Eindämmung der Pandemie verständigt. Zudem gibt es ab nun auch dunkelrote Zonen.
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Die EU-Staats- und Regierungschefs hatten sich am Donnerstag bei einer Video-Konferenz auf striktere Reise-Beschränkungen zur Eindämmung der Pandemie verständigt. Zudem gibt es ab nun auch dunkelrote Zonen. - Foto: © shutterstock
Und das hätte Folgen: Reisende aus Corona-Hochrisikogebieten innerhalb der EU sollten nämlich nach Ansicht der Europäischen Kommission vor Abreise immer einen Test machen und sich bei Ankunft in Quarantäne begeben müssen. Davon, eine dunkelrote Zone zu betreten oder zu verlassen, sollte dringend abgeraten werden.

Im Wortlaut: For people travelling from a „dark red area“, Member States should require them to: undergo a test prior to arrival;
AND undergo quarantine as recommended by the Health Security Committee and currently practiced by several Member States.


Ausnahmen könnte es demnach etwa für Grenzpendler oder für die Pflege von Angehörigen geben. Menschen, die aus einer dunkelroten Zone an ihren Wohnsitz zurückkehren, soll es nach Angaben der Kommission außerdem möglich sein, sich erst nach der Ankunft testen zu lassen.

„Diese Maßnahmen seien notwendig, um unsere Bürger zu schützen und das Funktionieren des Binnenmarktes zu gewährleisten“, sagte EU-Justizkommissar Didier Reynders Montag in Brüssel, der die neue Corona-Landkarte während einer Pressekonferenz erstmals gezeigt. Die Mitgliedstaaten sollten keinen Unterschied zwischen grenzüberschreitendem und inländischem Reiseverkehr machen.

Generell striktere Reisebeschränkungen innerhalb EU

Die EU-Staats- und Regierungschefs hatten sich am Donnerstag bei einer Video-Konferenz auf striktere Reise-Beschränkungen zur Eindämmung der Pandemie verständigt. Von nicht unbedingt notwendigen Reisen sollte demnach nachdrücklich abgeraten werden, die Grenzen aber grundsätzlich für Grenzpendler und den Warenverkehr offen bleiben. Der Gipfel beauftragte die Kommission damit, einen Vorschlag zu erarbeiten, wie dies umgesetzt werden kann.

Bisher teilte die EU-Krankheitsbekämpfungsbehörde ECDC die Regionen in grüne, orange und rote Zonen ein. Wegen der nahezu überall anhaltend hohen Ansteckungszahlen gibt es allerdings bereits seit Wochen keine grünen und nur noch sehr wenige orange Flecken auf der Europa-Karte. Deshalb nun die neue Farbkategorie.

Nach aktuellen Angaben der ECDC liegt die 14-Tage-Inzidenz derzeit in Spanien, den Niederlanden, Tschechien, Portugal, Schweden, Slowakei, Irland, Litauen, Slowenien, Lettland, Estland, Zypern und Malta im landesweiten Durchschnitt über 500. Einzelne dunkelrote Regionen gibt es aber in deutlich mehr Ländern, etwa auch im Osten Deutschlands und auch in Italien. Neben Südtirol riskieren auch Friaul-Julisch-Venetien, der Emilia-Romagna und Veneto „dunkelrot“ zu werden.


Das sagt Landeshauptmann Kompatscher zur „dunkelroten“ Einstufung

„Die Bewertung beruht leider im Besonderen auf der 7-Tages-Inzidenz, d.h. positiv getestete Personen je 100.000 Einwohner), ohne diese im Verhältnis zu den durchgeführten Tests (das heißt Tests pro 100.000 Einwohner) zu berechnen. In dieser Logik hätte ein Land das nicht testet automatisch kein Problem, weil Inzidenz Null wäre“, so Landeshauptmann Arno Kompatscher zur Aussage von EU-Kommissar Didier Reynders, der Südtirol zu den „dunkelroten“ Regionen in Italien zählt. Die Landesregierung wird sich auf ihrer morgigen Sitzung mit allfälligen Maßnahmen bzw. einer Empfehlungen zum Tragen von FFP2-Masken befassen.

EU-Bestimmungen für Einreisen aus Drittstaaten

Bei Einreisen aus Drittstaaten sollte laut EU- Kommission immer ein negativer PCR-Tests vorgeschrieben sein, der höchstens 72 Stunden vor Abflug erfolgt sein muss. EU-Bürger und deren Angehörige sollen sich erst bei Ankunft testen lassen können, „um zu verhindern, dass sie in einem Drittstaat festsitzen“, sagte Innenkommissarin Ylva Johansson. Brüssel rät bereits seit Monaten dazu, Einreisen aus den meisten Drittstaaten nur in „unbedingt notwendigen“ Fällen zuzulassen.

apa/ansa/vs