Der Trend zur Abwanderung kluger Köpfe aus Südtirol nimmt dramatische Formen an. „Südtirol verliert zunehmend junge, hervorragend ausgebildete Menschen – nicht weil sie wegwollen, sondern weil ihnen hier zu oft faire und stabile Arbeitsbedingungen fehlen“, kritisiert Gabi Morandell. Ein aktueller Beschlussantrag im Landtag soll nun gegensteuern, doch für Morandell ist klar: Die Politik allein kann das Problem nicht lösen.<h3> Drastischer Anstieg der Abwanderung</h3>Die Zahlen der aktuellen Arbeitsmarktstudie des Landes sind alarmierend. Während vor 15 Jahren innerhalb eines Fünfjahreszeitraums etwa 1.500 Südtiroler im Alter zwischen 20 und 49 Jahren in den deutschsprachigen Norden abwanderten, ist diese Zahl heute auf rund 7.000 Personen hochgeschnellt.<BR /><BR />Südtirol verliert damit netto jährlich etwa 800 Fachkräfte an Österreich, Deutschland oder die Schweiz. Dort locken oft bessere berufliche Möglichkeiten und attraktivere Rahmenbedingungen.<h3> Beispiel Architekten: Prekäre Zustände statt Karriere</h3>Besonders deutlich zeigt sich die Problematik laut Morandell im Bereich der Architektur. Viele junge Absolventen kehren motiviert nach dem Studium zurück, landen aber in einer Sackgasse aus: Prekären Honorarmodellen und projektbezogenen Aufträgen; Fehlenden Festanstellungen, was zu Unsicherheit bei der Zukunftsplanung führt; Hohen Sozialbeiträgen, die oft selbst getragen werden müssen; Einkommensverlust im Krankheitsfall, da keine soziale Absicherung besteht.<BR /><BR />„Dieses Risiko wollen und können viele junge Fachkräfte nicht mehr akzeptieren“, so Morandell.<h3> Aufruf an die Wirtschaft: „Spielräume nutzen“</h3>Morandell sieht die lokalen Unternehmen in der Verantwortung. „Können die lokalen Firmen nicht bessere Bedingungen für unsere klugen Köpfe anbieten?“, fragt sie provokant. Ihrer Ansicht nach gibt es Spielräume für angemessene Löhne und ordentliche Arbeitsverhältnisse ab dem ersten Arbeitstag.<BR /><BR />Südtirol investiere massiv in die Ausbildung seiner Jugend. Wenn diese Talente nach dem Studium keine stabilen Perspektiven vorfinden, sei dies eine verlorene Investition für das gesamte Land.<h3> </h3>Damit der Südtiroler Arbeitsmarkt konkurrenzfähig bleibt, fordert die Soziale Mitte: Faire Löhne, die ein leistbares Leben im Land ermöglichen; Klare Karrierewege und verlässliche Verträge; Bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie.<BR /><BR />„Wir brauchen diese Talente dringend“, betont Morandell abschließend. Es sei Zeit für konkrete Schritte von Arbeitgeberseite, um den Abwärtstrend zu stoppen.