Mittwoch, 18. Dezember 2019

Südtiroler verzocken täglich Millionen, ab nun aber mit weniger Gewinn

Schnelles Spiel, schnelle Sucht: Herr und Frau Südtiroler verzocken jeden Tag 2 Millionen Euro beim Glücksspiel. Künftig allerdings mit weniger Gewinn. Ab 1. Jänner wird am Spielautomat weniger ausbezahlt und bei Treffern bei Rubbellos & Co. eine höhere Glückspielsteuer eingehoben. „Ein Schritt in die richtige Richtung, der leider noch zu zahm ausgefallen ist“, sagt Primar Roger Pycha.

Auch beim Superenalotto wird das Gewinnen teuerer.
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Auch beim Superenalotto wird das Gewinnen teuerer. - Foto: © Z
Wer an Statistik glaubt, dürfte eigentlich nie einen Tippschein in die Hand nehmen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Asteroid Apophis 2036 auf die Erde stürzt und die gesamte Menschheit auslöscht, ist nämlich höher als jene, beim „Superenalotto“ die richtigen Zahlen zu tippen. Statistiken belegen aber leider auch, dass der Reiz des schnellen Spiels offenbar mehr wiegt. Spielautomaten (Slots genannt) schießen wie die Pilze aus dem Boden. Gab es in Italien vor 20 Jahren nur 3 Arten von Rubbellosen, so umfasst das Angebot jetzt über 40.

Wer gewinnt, streicht künftig allerdings deutlich weniger ein. Mit dem am Montagabend verabschiedeten Haushaltsgesetz wird die Auszahlung (Payout) bei Gewinnen an Spielautomaten mit Geldeinwurf bis zu einem Euro auf 65 Prozent gesenkt; bei Automaten mit telematischem System sinkt sie auf 83 Prozent.

„Wer also 100 Euro gewinnt, erhält nur 65 bzw. 83 Euro ausbezahlt“, so SVP-Senator Dieter Steger. Zudem steigt die Glücksspielsteuer: Von jedem Gewinn über 200 Euro im Video-Lotto und 500 Euro bei Losen wie „gratta e vinci“, „win for life“ und „Superenalotto“ behält sich der Staat 20 Prozent ein. Stärker zur Kasse gebeten werden auch die Betreiber: Die Steuer auf ihr Inkasso steigt von 23 auf 23,5 Prozent im Jahr 2020 und 24 Prozent im Jahr 2021.

Insgesamt spült der Staat damit 300 Millionen Euro in seine klammen Kassen. Das werden auch die Südtiroler spüren. Sie verzocken 2 Millionen Euro am Tag. Pro Jahr sind es 700 Millionen und damit so viel, wie Landesrätin Waltraud Deeg in ihrem Maxi-Ressort Wohnbau, Familie und Soziales zur Verfügung hat.

„Auch wenn die Maßnahmen der Regierung dazu dienen, Geld in die Kassen zu holen, sind sie doch ein richtiger und wichtiger Schritt, der in Zukunft noch stärker ausfallen soll“, meint Senator Steger. Italiens Bürger verzocken gleich viel Geld, wie der Staat für die gesamte Sanität ausgibt. „Da muss man sich schon fragen, wer da krank ist“, sagt Steger.

Auch Dr. Roger Pycha, Primar des psychiatrischen Dienstes am Krankenhaus Brixen, spricht von einem Schritt in die richtige Richtung. „Je kleiner der Gewinn, desto geringer die Anstachelung“, bringt er es auf den Punkt. Der Schritt hätte aber viel drastischer ausfallen sollen. „Wenn man am Ende um 3 Cent spielt, spielt man nur mehr des Spielens wegen“, so Pycha. Viele Menschen derzeit aber spielen, weil sie Schulden haben und sich der Illusion hingeben, sich mit einem Gewinn zu sanieren.

In Südtirol hat sich das „Netzwerk Spielsucht“ dem Kampf gegen die pathologische Glücksspielsucht verschrieben. Wie wichtig sein Einsatz ist, geht auch aus Erhebungen des Landesinstituts für Statistik hervor. 4000 bis 7000 Personen sind in Südtirol von Spielsucht betroffen, 12.000 haben einen problematischen Zugang zum Glücksspiel.

Besonders stark von der Suchtgefahr betroffen sind Männer zwischen 21 und 30 Jahren sowie Arbeitsuchende oder befristet Beschäftigte.

d

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