Ein Kommentar von Andreas Schwarz.<BR /><BR />Aber was Schröder in jüngeren Jahren legendär mit dem Rütteln an den Toren des Kanzleramtes signalisiert haben soll („Ich will da rein“), soll Alfred Gusenbauer laut seiner Mutter schon in der Sandkiste im heimatlichen Ybbs in Niederösterreich avisiert haben, Kanzler werden zu wollen. <BR /><BR /><BR />Und so wie die SPD den Ex-Kanzler mit seinen Millionengeschäften und Putin-Kontakten lieber heute als morgen los wäre, so formiert sich nun auch ein Aufstand gegen Gusenbauer in seiner SPÖ: Seine millionenschwere Rolle als Berater und Aufsichtsrat des Milliardenpleitiers René Benko, dessen international verschachteltes Immobilien- und Unternehmensimperium gerade Insolvenz um Insolvenz wie ein Kartenhaus zusammenkracht, stößt den Parteifreunden sauer auf – zumal in einem Wahljahr, in dem der neue SPÖ-Chef Andreas Babler zum Kampf gegen die Superreichen bläst, und einer in den eigenen Reihen ungeniert den Hals nicht voll kriegen kann.<BR /><BR /><BR />Alfred Gusenbauer ist’s einstweilen herzlich egal. Er dürfte auf dem Standpunkt stehen, der Partei nichts schuldig zu sein. Im Gegenteil.<BR />Der Bauarbeitersohn und studierte Politikwissenschafter und Philosoph gewann der SPÖ als Parteivorsitzender 2006 die Kanzlerschaft zurück – völlig überraschend nach den für die Sozialdemokraten traumatischen Jahren der Ära des ÖVP-Kanzlers Wolfgang Schüssel. Und Gusenbauer wurde keine 2 Jahre später „zum Dank“, in Wahrheit nach einer glücklosen und von Pannen gespickten Performance als Kanzler, in einer parteiinternen Intrige von Werner Faymann abgelöst.<BR /><BR /><BR />Gusenbauer rächte sich auf seine Weise. Der passionierte Rotweinliebhaber gründete eine Projektentwicklungsgesellschaft, trat in diverse lukrative Aufsichtsräte ein und beriet um ein „Schweinegeld“, wie man so sagt, Diktatoren wie den kasachischen Nursultan Nasarbajew. <BR />Und: Er heuerte beim damaligen Immobilien-Wunderkind René Benko an, dessen Signa-Imperium mit geborgtem Geld und dem Trick der überhöhten Immobilienbewertung wuchs und wuchs und dessen Glamour und Schiller Investoren anzog. Gusenbauer soll laut „Kronen Zeitung“ von 2009 an ein Beraterhonorar von 280.000 Euro jährlich (quasi ein Kanzlergehalt) bezogen haben, plus potenzielle Boni. Und er leitete die Aufsichtsräte diverser Signa-Gesellschaften, die so verschachtelt sind, dass heute im Insolvenzfall kaum noch jemand einen Durchblick hat.<BR /><BR /><BR />Mit dem Zusammenbruch des Signa-Imperiums geriet Gusenbauer zunächst in Kritik, weil er als Aufsichtsrat die Geschäftspraktiken nicht frühzeitig durchschaut bzw. aufgezeigt habe. Dann, weil er als Aufsichtsrat mit Signa-Firmen lukrative Beratungsgeschäfte getätigt habe, die eigentlich einer Berichtspflicht im Aufsichtsrat unterlägen. Und schließlich, weil Gusenbauer gegen die Signa-Holding nun als Gläubiger 6,3 Millionen Euro Forderungen angemeldet hat. Gusenbauers Gesellschaft mit 2 Mitarbeitern, so berichtete der „Kurier“ jüngst, soll überdies allein 2022 einen Nettogewinn von 2,33 Mio. Euro gemacht haben, inklusive des Gewinnvortrages der Vorjahre belaufe sich der Gesamtgewinn sogar auf 20,04 Millionen Euro.<BR /><BR /><BR />In der SPÖ regt sich nun gewaltiger Unmut: Aus dem Burgenland des mächtigen Landeskaisers Hans-Peter Doskozil schallt es am lautesten. „Im Burgenland würden wir das nicht tolerieren und einen Ausschluss einleiten, weil so ein Verhalten mit sozialdemokratischen Werten nicht vereinbar ist“, sagte der Doskozil-Vertraute Roland Fürst. Tirols Landesvize Georg Dornauer legte Gusenbauer nahe, die Parteimitgliedschaft ruhend zu stellen, bis die Vorwürfe geklärt seien. Oberösterreichs SPÖ-Chef Michael Lindner sieht in Gusenbauer „eine schwere Hypothek für die SPÖ“. <BR /><BR /><BR />SPÖ-Chef Andreas Babler ist in der Bredouille: Seine Rückendeckung in der SPÖ ist noch zu schwach für einen Kraftakt gegen Gusenbauer. Gleichzeitig regnet ihm die Affäre um den Ex-Parteichef in das Wahljahr, in das der neue Parteichef mit einem prononcierten Linkskurs geht. Die Signa-Affäre und Gusenbauers Geschäftsbeziehungen zu René Benko schmerzten ihn und seien „moralisch verwerflich“, sagte er nun. Babler will aber von einem Parteiausschlussverfahren nichts wissen, so lange Gusenbauers Signa-Engagement nichts Strafrechtliches ergebe und er seinen SPÖ-Mitgliedsbeitrag zahle. Außerdem repräsentiere „Gusi“, wie der Bonvivant (Genussmensch) früher liebevoll genannt wurde, nicht die Partei.<BR /><BR /><BR />Das Liebevolle ist jedenfalls Geschichte. Das Tauziehen um Gusenbauers Parteimitgliedschaft hat aber erst begonnen.<BR /><BR /><BR />