Dienstag, 17. Mai 2016

SVP und/oder Grüne: „Caramaschi fährt Slalom“

Renzo Caramaschi übt den Drahtseilakt. Auf der einen Seite die SVP. Auf der anderen die Grünen. Mittendrin er, der Kandidat von Mitte-Links, der Bürgermeister von Bozen werden will und für die alles entscheidende Stichwahl am Sonntag um die Unterstützung von beiden Seiten buhlt.

Norbert Lantschner, Bürgermeister-Kandidat der Grünen: "Ich bin überzeugt, dass Bozen auf unsere Kompetenzen nicht verzichten kann."
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Norbert Lantschner, Bürgermeister-Kandidat der Grünen: "Ich bin überzeugt, dass Bozen auf unsere Kompetenzen nicht verzichten kann."

Nach der SVP werden sich am Dienstagabend wohl auch die Grünen dafür entscheiden, Caramaschi am Sonntag den Rücken zu stärken. Ein Vorab-Gespräch mit Norbert Lantschner.

Südtirol Online: Herr Lantschner, die Grünen haben sich heute mit Renzo Caramaschi getroffen. Wie bewerten Sie das Treffen?
Norbert Lantschner, Bürgermeister-Kandidat der Grünen: Wir haben uns über die Programme der Liste Caramaschi und der Grünen unterhalten. Teilweise sind wir dabei sehr in Detail gegangen. Quintessenz davon: Wir haben sehr viele Schnittpunkte und Übereinstimmungen feststellen können. Es gibt keine unüberwindbaren Hürden.

STOL: Ob man Caramaschi in der Stichwahl unterstützt und wenn ja, wie genau, diese Entscheidung werden die Grünen heute Abend treffen.
Lantschner: Heute Abend um 18 Uhr gibt’s ein Treffen mit der gesamten Gruppe. Dann werden wir eine Entscheidung fällen.

STOL: Ihren Worten von eben nach zu schließen ist sich Renzo Caramaschi der Grünen-Unterstützung bereits sicher.
Lantschner: Wie gesagt: Inhaltlich gibt es viele Übereinstimmungen. Und was wäre die Alternative? Ein schwarzes Bozen für die nächsten fünf Jahre.

STOL: Schwarz im Sinne von Rechts?
Lantschner: Genau. Ein schwarzes Bozen deshalb, weil es von Rechtskräften geleitet würde und dort Programmpunkte angesiedelt sind, die von uns nicht geteilt werden können – sowohl im sozialen als auch im Umwelt-Bereich.

STOL: Was sagt Caramaschi, wenn Sie nach einer Koalition fragen?
Lantschner: Er ist der Meinung, dass er die Grünen dabei haben will. Das hat er auch mehrfach bekundet. Allerdings gibt er sich zugeknöpft, wenn es um das Wie geht – immerhin liegt ein Veto von Seiten der SVP vor (wie berichtet, will das Edelweiß die Grünen keineswegs in einer Regierungskoalition sehen – hier das gesamte Interview mit Stadtobmann Dieter Steger).

STOL: Tanzt Caramaschi auf zwei Hochzeiten? Immerhin scheint er zur SVP, was die Regierungsbeteiligung der Grünen anbelangt, das genaue Gegenteil gesagt zu haben.
Lantschner: Ich denke, Caramaschi ist momentan im Auftrag unterwegs, Bürgermeister zu werden. Er muss eine Mannschaft zusammenstellen, mit der er Bozen regieren kann. Dieses Ziel verfolgt er – und fährt derzeit Slalom. Auf der einen Seite, will er die SVP nicht vergraulen. Auf der anderen, sendet er Signale aus, dass er sich eine Zusammenarbeit mit den Grünen sehr wohl vorstellen kann. Wenn er eine Mehrheit von 25 Gemeinderäten erreichen will, braucht er die Grünen.

STOL: Also kein Wort davon, dass man die Grünen nicht in einer Koalition haben möchte – im Gegenteil.
Lantschner: Er hat sich dahingehend nicht geäußert. Was die SVP angemerkt hat, hat er zu Kenntnis genommen. Doch seiner Vorstellung nach, sind wir Grünen mit dabei. Das ist ein wandelnder Widerspruch – da haben Sie Recht. Aber wahrscheinlich ist das auf dem politischen Parkett so üblich.

STOL: Herr Lantschner, ein kurzes Wort noch zur SVP, die die Grünen in den vergangenen Tagen doch sehr scharf angegriffen hat.
Lantschner: Ich denke, wir Grünen sind mit einem klaren Programm und einem klaren Profil angetreten. Wir haben unumstritten Kompetenzen, Themen konstruktiv anzugehen. Ich bin überzeugt, dass Bozen darauf nicht gut darauf verzichten kann, wenn sich die Stadt nachhaltig entwickeln will. Die Töne von der Brennerstraße, die derzeit ein bestimmtes Format haben, werden vielleicht noch reifen und sich in einem anderen Klima ändern.

Interview: Petra Gasslitter

stol