Die Behörden hätten die Entscheidung zur Aufhebung bereits getroffen, sagte Präsidentenberaterin Bussaina Schaban am Sonntag. Staatschef Bashar al-Assad werde sich „sehr bald“ an sein Volk wenden, kündigte sie an. In der Rede wolle er die Lage im Land „erklären“ und die angekündigten Reformen konkretisieren.Die syrische Führung sieht sich seit knapp zwei Wochen Protesten von noch nie dagewesenem Ausmaß ausgesetzt. Angesichts der Demonstrationen hatte Damaskus Reformen angekündigt, aber keinen Zeitrahmen zur Umsetzung genannt. In dem Zusammenhang versprach die Regierung auch, das seit 1963 geltende Notstandsgesetz zu prüfen. Auch die Einführung eines Mehrparteiensystems wurde in Aussicht gestellt.Offenbar zur Beruhigung der Lage ließ die Führung in den vergangenen Tagen 260 politische Gefangene und 17 festgenommene Demonstranten frei. Seit Beginn der Demonstrationen wurden nach offiziellen Angaben mehr als 30 Menschen getötet; Aktivisten sprechen von mehr als 120 Toten.In der Hafenstadt Latakia richteten Heckenschützen am gestrigen Samstag ein Blutbad an, als sie von Dächern aus auf unbewaffnete Demonstranten schossen. Einer Meldung der Nachrichtenagentur SANA kamen dabei zwölf Menschen ums Leben. Demnach habe „eine bewaffnete Gruppe“ von Hausdächern aus auf „Passanten“ geschossen, um Unfrieden im Land zu stiften. Die Opposition gab dem Regime die Schuld an dem Blutbad. Aus Protest riefen Aktivisten der Bürgerrechtsbewegung für Sonntag zu einem Generalstreik auf. Es war aber zunächst unklar, in welchem Maße der Aufruf befolgt wurde.In Latakia selbst herrschte am Sonntag – einen Tag nach dem Blutbad – gespannte Ruhe. Das Regime von Präsident Assad verlegte eine große Zahl von Armeesoldaten in die Stadt, berichteten Augenzeugen. Es wurde vor allem an jenen Stellen patrouilliert, von denen aus die Heckenschützen geschossen hatten.In der Hauptstadt Damaskus demonstrierten in der Nacht auf Sonntag mehrere tausend Menschen, um ihre Unterstützung für das Regime von Präsident Bashar al-Assad zu zeigen, berichtete der arabische Nachrichtensender Al Jazeera. Am Freitag und Samstag hatten Tausende Menschen gegen das Regime protestiert. In der südlichen Provinz Daraa (Deraa) wurde nach Oppositionsangaben das Regionalbüro der herrschenden Baath-Partei niedergebrannt. Darüber hinaus liefen in Daraa stationierte Armee-Offiziere zu den Regimegegnern über. Durch andere Quellen konnten diese Angaben zunächst nicht bestätigt werden.Das Regime in Damaskus verschwieg die blutigen Unruhen weitestgehend. Journalisten wurde der Zugang zu den Orten der Demonstrationen verwehrt. Die staatliche Nachrichtenagentur SANA berichtete am Samstag lediglich, dass am Vortag „bewaffnete Gruppen“ eine Offiziersmesse in Homs und ein Armeehauptquartier in Al-Sanamien bei Daraa angegriffen hätten. In Homs sei eine Person, in Al-Sanamien seien „mehrere Bewaffnete“ getötet worden. Die Proteste waren am 18. März in Daraa (Deraa) im Süden des Landes ausgebrochen und breiteten sich auf die Städte Salamein, Daael, Duma, Banias, Hama sowie auf die Hauptstadt Damaskus aus. apa/afp/dpa