Samstag, 24. September 2016

Tagung auf Maretsch: "Die Welt in Bewegung"

Was sind die Ursachen für die weltweite Flüchtlingsbewegung? Vor welche Herausforderungen ist die Entwicklungszusammenarbeit gestellt? Welche Rolle spielt der faire Handel in der Textilindustrie? Diese und andere Fragen beschäftigen seit Dienstag die Teilnehmer der internationalen Tagung "Die Welt in Bewegung" auf Schloss Maretsch.

Dicht gedrängt lauschen die Teilnehmer der Tagung auf Schloss Maretsch den Ausführungen der Referenten. - Foto: Organisationskomitee
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Dicht gedrängt lauschen die Teilnehmer der Tagung auf Schloss Maretsch den Ausführungen der Referenten. - Foto: Organisationskomitee

"Ich glaube, dass wir mit der Tagung ein bisschen Licht in Fragen rund um Flüchtlingswellen, Entwicklungshilfe und Kinderarbeit gebracht haben", sagt Simona Stoppa, Mitorganisatorin der Veranstaltungsreihe auf Schloss Maretsch. Positive, aber auch negative, Aspekte habe man beleuchten und mit weltweit anerkannten Experten erläutern können, ist Stoppa überzeugt. 

"In jeder Phase nachhaltig vorgehen"

Zu den internationalen Referenten gehörten unter anderem Laila Tyabji, die mit tausenden Arbeitskräften in der indischen Textilindustrie arbeitet, und die dafür plädierte, dass "Entwicklungshilfe in jeder Phase nachhaltig vorgehen müsse."

Auch der Vortrag des indischen Modedesigners Sonam Dubal, dessen Mode auch in einer kleinen Modeschau präsentiert wurde (zu sehen im Facebook-Post unten), fesselte die Zuhörer mit der Botschaft, dass Haute Couture und fairer Handel vereinbar seien.

Für Mitorganisatorin Stoppa war besonders das Referat des Journalisten Gabriele Zagni, der als Produzent für den TV-Sender LA7 arbeitet, bemerkenswert. "Zagni beschreibt in seinem Dokumentarfilm, den wir auf Schloss Maretsch auch vorgeführt haben, die furchtbare Situation von syrischen Flüchtlingskindern in der Türkei. Diese werden gezwungen in Textil- und Schuhfabriken zu arbeiten", erzählt sie.

Mentalität ändern und auf Missstände aufmerksam machen

Vor allem als Europäer, sagt Stoppa weiter, seien diese Bilder erschreckend, wenn man bedenke, dass die EU der Türkei Milliardenbeträge zur Verfügung gestellt habe, um eine menschenwürdige Unterbringung und Versorgung der zurückgeschickten syrischen Flüchtlinge zu garantieren.

"Wir Europäer machen es uns gemütlich, überweisen ein bisschen Geld und übersehen völlig, was mir damit anrichten", bedauert die Organisatorin. Die Mentalität ändern, auf Missstände aufmerksam machen und vielleicht sogar Bewegungen für eine bessere Welt fördern, sei, so Stoppa, eines der Hauptziele der Tagung auf Maretsch gewesen.

Organisatoren zufrieden

Und dieses Ziel habe man, hofft Stoppa, auch erfüllt. "Die Veranstaltungen und Podiumsdiskussionen waren gut besucht. Die Kapazitäten in den Tagungsräumen wurden voll ausgenützt", sagt Stoppa.

Die Tagung wurden von der Entwicklungszusammenarbeit der Südtiroler Landesverwaltung, von der Organisation für Eine solidarische Welt, vom Netzwerk der Südtiroler Weltläden und der youngCaritas organisiert. Am Samstagabend wird sie mit einer fingierten Gerichtsverhandlung gegen die gängige Praxis der Entwicklungszusammenarbeit beendet.

stol

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