„Die Taliban haben mehrere Gebäude angegriffen“, berichtete Regierungssprecher Salmai Ayoubi aus einem Schutzraum innerhalb des Anwesens des Gouverneurs. Bei den Kämpfen seien mindestens zwölf Menschen verwundet worden, hieß es aus dem größten Spital der Stadt. Einige der Verletzten seien in den Geheimdienstbüros angeschossen worden, andere seien in der Nähe des Gouverneurssitzes ins Kreuzfeuer geraten.Die Taliban erklärten, ihre Kämpfer seien bis auf das Gelände des Gouverneursanwesens vorgedrungen und es habe Tote gegeben. „Viele Menschen wurden getötet“, sagte Taliban-Sprecher Kari Yousef Ahmadi. Die Angaben konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden.Die Gefechte in Kandahar dauerten über Stunden an. Ein Reporter berichtete von mindestens zwei schweren Explosionen in der Nähe des Gouverneurssitzes. Während die Kämpfe andauerten, riegelte die Polizei das Gelände ab. Über der Stadt kreisten Militärhelikopter.Die Provinz Kandahar galt einst als Hochburg der radikalislamischen Taliban, wird nun aber von der NATO und den afghanischen Streitkräften kontrolliert.Am Freitag hatten die Taliban erklärt, die Tötung des Al-Kaida-Führers Osama bin Laden werde die Moral der Aufständischen nur weiter stärken.„Das Martyrium von Scheich Osama bin Laden verleiht dem heiligen Krieg gegen die Eindringlinge neuen Antrieb“, hieß es in der Stellungnahme.Der Angriff vom Samstag sei jedoch keine direkte Reaktion auf den US-Einsatz gegen Bin Laden gewesen, sondern Teil der angekündigten Frühjahrsoffensive der Taliban. „Die Operation war bereits seit einem oder zwei Monaten geplant“, sagte Taliban-Sprecher Ahmadi.Mitte April waren der Polizeichef von Kandahar sowie zwei seiner Leibwächter bei einem Selbstmordattentat ums Leben gekommen. Zu dem Anschlag im Polizeihauptquartier der Provinzhauptstadt bekannten sich die radikalislamischen Taliban. Kandahar ist eine Hochburg der Taliban und regelmäßig Schauplatz von Anschlägen. Nach der Tötung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden durch ein US-Kommando in Pakistan hatten die Taliban am Freitag erklärt, Bin Ladens Tod gebe ihrem Kampf gegen die afghanischen und internationalen Truppen am Hindukusch „neuen Antrieb“. Der Gouverneur von Kandahar, Toryalai Wesa, hatte in den vergangenen Monaten mehrere Anschläge überlebt.apa/sda/afp