Das Kloster und die Kirche der Tertiarschwestern in Kaltern-Mitterdorf gehen auf die Jahre zwischen 1730 und 1734 zurück. Es zählt zu den ersten Niederlassungen des von Maria Hueber in Brixen gegründeten Ordens, der sich vor allem der Bildung und Betreuung von Schulkindern widmete. <BR /><BR />Die eigentliche Klostergründung erfolgte bereits 1714, die offizielle Anerkennung als klösterliche Tertiarinnen rund zehn Jahre später. Der Bau wurde durch Spenden Kalterer Bürger ermöglicht. Zwischen 1841 und 1868 lebte dort zudem die Mystikerin Maria von Mörl. Wie viele andere Ordensgemeinschaften kämpfen auch die Tertiarschwestern seit Jahren mit Nachwuchsmangel. Derzeit leben nur noch wenige Schwestern im Kloster.<BR /><BR />Das Areal in unmittelbarer Zentrumsnähe gilt als echtes Juwel – entsprechend groß ist das Interesse daran, sowohl aus wirtschaftlicher Sicht als auch innerhalb der Dorfgemeinschaft. Für die Tertiarschwestern und Provinzoberin Klara Rieder stand allerdings von Beginn an fest, dass die historischen Gemäuer weiterhin einem sozialen Zweck dienen sollten und nicht etwa zu einem Hotel umgebaut werden dürfen. Deshalb stieß das Interesse der Vinzenzgemeinschaft, in Kaltern ein Haus der Solidarität nach dem Vorbild von Milland zu errichten, auf offene Ohren.<BR /><h3> Gemeinde überrascht – zumindest offiziell</h3>Als die Unterzeichnung des Vorverkaufs bekannt wurde, reagierte die Kalterer Gemeindeverwaltung überrascht – zumindest offiziell. Ihren Unmut ließ sie über eine Aussendung der SVP-Mehrheitsfraktion verbreiten. Darin hieß es wörtlich: „Und dies ohne vorherige Miteinbeziehung der Kalterer Gemeindeverwaltung und Bevölkerung – eine Tatsache, die uns als Mehrheitsfraktion erstaunt und auch verärgert zurückließ.“<BR /><BR />Inzwischen wird jedoch deutlich, dass die Gemeinde sehr wohl Kenntnis von den Überlegungen hatte. Bereits Anfang 2025 fand im Kloster ein Treffen mit der AEB (Aktive Eltern von Menschen mit Behinderung) statt. Mit dabei war auch Christoph Pillon, damals noch Gemeindereferent. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar, dass die Tertiarschwestern das Kloster abgeben wollten.<h3> AEB zeigte sich verwundert, dass Gemeinde offenbar nicht mehr hinter Idee steht</h3>Bei dem Treffen wurde die Idee eines „Hauses der Vielfalt“ vorgestellt. Hintergrund war der dringende Bedarf an Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung in Kaltern und Umgebung. Einige Monate später zeigte sich die AEB in einem Schreiben an den inzwischen zum Bürgermeister gewählten Christoph Pillon verwundert darüber, dass das Projekt nicht weiterverfolgt werde und „dass die Gemeinde Kaltern offenbar nicht mehr hinter dieser Idee steht“. Laut AEB seien zu diesem Zeitpunkt sogar bereits Mittel für eine Machbarkeitsstudie organisiert gewesen.<BR /><BR />Passiert sei danach allerdings nichts mehr – bis Mitte April dieses Jahres, als der Verkauf an die Vinzenzgemeinschaft öffentlich wurde und in Kaltern für heftige Diskussionen sorgte. Zunächst geriet dabei das Land ins Kreuzfeuer der Kritik. Der Landesverwaltung wurde Untätigkeit und die Nichtausübung eines möglichen Vorkaufsrechts vorgeworfen. Auch der Kalterer Landtagsabgeordnete Jürgen Wirth Anderlan griff das Thema mit einem Beschlussantrag auf, zog diesen später jedoch zurück, nachdem sich herausgestellt hatte, dass die Ausübung eines Vorkaufsrechts für das Land rechtlich schwierig gewesen wäre.<BR /><BR />Damit rückte die Gemeinde selbst stärker in den Fokus. Denn auch sie hätte ein Vorkaufsrecht geltend machen können – obwohl sie offiziell erklärt hatte, von den Verkaufsplänen nichts gewusst zu haben.<BR /><BR />Nun soll offenbar doch noch eine Lösung gefunden werden, um im Tertiarkloster Wohnungen für Menschen mit Behinderung sowie für einheimische Familien zu schaffen. Dazu findet am morgigen Dienstag ein Treffen im Kloster statt. Mit am Tisch sitzen neben den Tertiarschwestern unter anderem die Vinzenzgemeinschaft, Landesrätin Ulli Mair sowie Vertreter der Gemeindeverwaltung.