Mittwoch, 30. März 2022

Thomas Widmann verlässt Regierung nicht: Ball liegt beim Landeshauptmann

Landesrat Thomas Widmann sagte am Mittwochvormittag, er nehme zur Kenntnis, dass der Landeshauptmann ihm seine Kompetenzen entzogen habe. Der Ball liege nun bei Arno Kompatscher – die Regierung umzubilden und dafür eine Mehrheit im Landtag zu finden.

Thomas Widmann: „Ich habe einen Wählerauftrag, den ich so gut wie möglich erfüllen muss und will.“ - Video: stol

„Wie Sie wissen, habe ich dann Anfang 2019 mit der Sanität den Bereich übernommen, der in der Wahrnehmung der Bevölkerung, der Medien und der Politik am negativsten besetzt war. Dieser Bereich wurde mir auch in dem Bewusstsein zugeteilt, dass ich erfahrungsgemäß imstande bin, komplexe Situationen zu schultern“, sagte Widmann. „Wir haben ein System gefunden, um dem Ärztemangel abzuhelfen, die Kleinspitäler wurden aufgewertet und abgesichert, zentrale, lange vor sich hergeschobene Themen wie Wartezeiten und Notaufnahme sind in den Fokus gerückt.“

„Wenn das zum Standard wird, verfallen wir in Barbarei“

Zur Abhör-Affäre sagte er: „Ich habe vor über 3 Jahren eine Aussage getätigt. Diese ist in einem Telefongespräch unter 4 Augen gefallen, das nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war.“ Der eigentliche Skandal sei, dass solche Gespräche, „deren Inhalt für die Ermittlungen völlig irrelevant war“, beschafft und gezielt weitergegeben wurden. Das werde „von einigen sich kritisch gebenden Medien totgeschwiegen“: „Wenn das zum neuen Standard in zwischenmenschlichen Beziehungen wird, dann verfallen wir in Barbarei“, sagte Widmann.

Landeshauptmann wusste seit einem Jahr alles, aber kein Versuch der Klärung

Seine Aussage, „die nichts mit dem Skandal zu tun hat“, sei „unschön“ gewesen, das gebe er zu, „dafür habe ich mich mehrfach entschuldigt: In der Fraktion – der Parteiobmann hat bestätigt, dass meine Position geklärt ist.“ Widmann weiter: „Die Kommission, der auch der Landeshauptmann angehört, hat es daher nicht für nötig erachtet, mich in die Kommission vorzuladen. Ich habe mich auch beim Landeshauptmann persönlich entschuldigt“, vor Erscheinen des Buches, wie Widmann betonte. „Obwohl dem Landeshauptmann die Inhalte der Abhörungen seit einem Jahr bekannt waren, hat er von sich aus noch nie einen Versuch zur Klärung gemacht.“

Trotzdem hätten sie in der Zwischenzeit weitergearbeitet „– professionell – und dabei gute Arbeit geleistet, wie auch der Landeshauptmann anerkannt hat. Ich bin grundsätzlich ein kritischer Mensch und hinterfrage viel, dennoch bin ich ein Teamplayer. Ich habe die Landesregierung auch dann unterstützt, wenn eine Entscheidung die Mehrheit hatte, ich aber nicht derselben Meinung war.“ Es habe ihn daher schon einigermaßen verwundert, dass „trotz 3 Jahre professioneller Zusammenarbeit“ das Vertrauen genau jetzt plötzlich nicht mehr da sei – „obwohl alles, was mit diesem Buch veröffentlich wurde, auch dem Landeshauptmann längst bekannt war.“

Widmann: „Ein Komplott sieht anders aus“

Erst am Montag habe ihn der Landeshauptmann aufgefordert, zurückzutreten. „Ich habe das abgelehnt, nicht leichtfertig, sondern aus gut überlegten Gründen: Ich war in dieses Strafverfahren zu keinem Zeitpunkt involviert. Nur ganz wenige Seiten der Abhörprotokolle betreffen mich. Insgesamt geht es darin um 7 Telefonate, die ich Ende 2018 im Laufe von 4 Monaten getätigt habe – also vor 3 Jahren: Ein Komplott sieht anders aus.“

Es gehe hier um ein persönliches Problem, „das der Landeshauptmann mit mir hat – daher musste der Landeshauptmann diesen Schritt setzen und für ihn die Verantwortung übernehmen, nicht ich“, sagte Widmann. „Es liegt daher an ihm auch die nächsten Schritte zu setzen – also dem Landtag eine neue Zusammensetzung der Regierung vorzuschlagen und zur Abstimmung zu bringen.“

Dies sollte, so Widmann, möglichst schnell geschehen. „Falls er dies nicht tun sollte, werden wir die Vorgehensweise in der Partei und gegebenenfalls im Landtag klären.“ Daher halte er es nicht für im Interesse der Sache, „dass ich diese 1,5 Jahre nicht zu Ende bringen kann. Wenn das aber der Landeshauptmann anders sieht, dann muss ich das zur Kenntnis nehmen. Ich werde dann meine politische Arbeit nicht mehr als Regierungsmitglied fortführen können, sehr wohl aber als Mandatar im Landtag. Ich habe nämlich einen Wählerauftrag, den ich so gut wie möglich erfüllen muss und will.“

stol

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Hermann Zanier
31. März 2022 07:34
Warum gerade Herr Widmann gehen muss, verstehe ich nicht.