Grundlage ist der Europäische Verbund für territoriale Zusammenarbeit (EVTZ) aus dem Jahr 2006. Die Euregio besitzt damit seit heute, Dienstag, eine eigene Rechtspersönlichkeit. Erster Präsident ist für 24 Monate der Südtiroler Landeshauptmann Luis Durnwalder. Sitz des gemeinsamen Büros ist Bozen.Gegen die Gründung des EVTZ gab es bis zuletzt Widerstände Roms. Die drei Länder bildeten bis 1918 die „Gefürstete Grafschaft Tirol“.Es gehe nicht um Nostalgie, betonte der Trentiner Landeshauptmann Lorenzo Dellai (PDI) vor Journalisten. Man habe eine gemeinsame Geschichte und viel Trennendes erlebt, jetzt aber „das Gefühl, eine gemeinsame Zukunft zu haben“. Die Euregio sei vor allem für die Jugend gedacht in einer Welt, die sich immer schneller ändere. Das 26.255 Quadratkilometer große Gebiet der Euregio müsse „sichtbar werden in Europa“.Durnwalder bedauerte, dass das Madrider Abkommen nicht zur Gänze umgesetzt habe werden können. Deswegen habe man nun diesen Schritt gewählt. Es gehe nicht um ein souveränes neues Staatengebilde, sondern darum, „machbare Lösungen zu suchen und umzusetzen“. Die rund 1,7 Millionen Einwohner müssten einen Vorteil aus dieser Zusammenarbeit haben.Für den Tiroler Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) ist es „auch ein Erfolg der EU, wenn eine derartige Zusammenarbeit funktioniert“. Er sah einen „Turbo für gemeinsame Projekte“ und ein Symbol nach außen, „dass wir zusammen gehören“. Beim Thema Verkehr werde es nun darum gehen, einzelne Maßnahmen gemeinsam zu koordinieren. So dürfe etwa die Erhöhung der Lkw-Maut nicht einseitig im Bundesland Tirol realisiert werden, sondern im Gleichklang im gesamten Brennerkorridor kommen. Brenner als „Grüner Korridor“ Zusammen gearbeitet werden soll nach dem am Dienstag beschlossenen Programm unter anderem in Energiefragen. Über den Brenner soll wieder eine gemeinsame Stromversorgung entstehen, die seit den 60-iger Jahren des 20. Jahrhunderts unterbrochen ist. Der Brenner selbst soll zu einem „Grünen Korridor“ werden, verkehrsverlagernde Maßnahmen sollen Teil einer abgestimmten Transitpolitik werden.Im Gesundheitsbereich soll in der Krebsforschung stärker zusammengearbeitet werden. Für die Krankenanstalten der Länder könnte es in Zukunft einen gemeinsamen Ankauf der Medizintechnik und Wartung medizintechnischer Geräte geben. Die einzelnen Studienstandorte und Universitäten sollen zudem noch enger als bisher zusammenarbeiten, der Austausch von Lehrern und Schülern verstärkt werden, eine „Medical School“ zur gemeinsamen Ärzteausbildung realisiert werden. Der Wirtschaftsstandort in der Euregio soll sich als „Brückenfunktion zwischen italienischem und süddeutschen Wirtschaftsraum“ profilieren, wie es in dem im Trentino verabschiedeten Arbeitspapier hieß.apa