Freitag, 03. März 2017

Toponomastik: Jetzt protestieren Senatoren

Die Ortsnamenfrage gehört zu den heißeren Eisen der Südtiroler Landespolitik. Aber auch in Rom blickt man gerade interessiert nach Bozen.

102 Senatoren haben eine Petition gegen die Abschaffung italienischer Namen in Südtirol unterschrieben.
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102 Senatoren haben eine Petition gegen die Abschaffung italienischer Namen in Südtirol unterschrieben. - Foto: © LaPresse

Besonders italienische Senatoren schauen sich zurzeit genau an, was denn da im Norden vor sich geht. 102 von ihnen haben eine Petition gegen die Abschaffung italienischer Namen in Südtirol unterschrieben.

„Es grenzt fast an ein Wunder“, haben sich vor 2 Wochen die Senatoren Karl Zeller und Francesco Palermo überrascht gezeigt. Ihre Freude galt der Entscheidung der Sechserkommission, die sich am 22. Februar in Rom auf eine neue Durchführungsbestimmung zur Toponomastik geeinigt hatte.

Demnach sollte es künftig vom Gebrauch abhängen, ob ein Flurname einsprachig deutsch oder zweisprachig deutsch/italienisch geführt werde. Den Gebrauch, so der Vorschlag, solle eine Kommission aus Wissenschaftlern feststellen.

Gerade von wissenschaftlicher Seite wird aber seit Herbst vergangenen Jahres für den Erhalt italienischer Orts- und Flurnamen appelliert. Staatspräsident Sergio Mattarella erhielt im Oktober eine an der Accademia della Crusca verfasste Petition, die 48 Akademiker unterschrieben hatten. Die Forderung: Man möge die Zweisprachigkeit in Südtirol respektieren.

Mitte Februar dann die zweite schriftliche Aufforderung. 50 in- und ausländische Wissenschaftler sprachen sich gegen eine politische Lösung der Frage aus. Sie befürchten eine Demütigung der italienischen Kultur und Sprache: "Wo liegt das Problem, wenn es in Italien neben deutschen auch italienische Namen gibt?", fragen die Autoren.

Ihr Vorschlag: Abwarten bis das Verfassungsgericht über das Landesgesetz 2012 - das Ortsnamengesetz - entschieden hat. Doppelte Ortsbezeichnungen, so die Unterzeichner, seien schließlich keine Ware, um die man wie auf einem Basar feilsche.  

Ein Aufruf, den nun auch 102 Senatoren aller politischen Lager mit ihrer Unterschrift unterstützen, wie die Tageszeitung Alto Adige berichtet. Eine stattliche Summe bei insgesamt 315 Mandataren. Das parteiübergreifende Ziel: die Blockade der neuen Durchführungsbestimmung.

Zu den Adressaten des Akademiker-Appells gehören unter anderem: Staatspräsident Sergio Mattarella, der Präsident des italienischen Verfassungsgerichtshofs Paolo Grossi, alle Verfassungsrichter - und die Sechserkommission.

stol/aw

stol