Mittwoch, 22. April 2020

Tracking-App Immuni sorgt für hitzige Debatten

In Italien ist eine Debatte über Pläne der Regierung entbrannt, im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie eine Tracking-App namens Immuni einzusetzen. Die Anwendung soll, wie berichtet, auf freiwilliger Basis heruntergeladen und zunächst in mehreren italienischen Regionen getestet werden.

Die Anwendung der Immuni-App soll auf freiwilliger Basis und anonymisiert erfolgen.
Badge Local
Die Anwendung der Immuni-App soll auf freiwilliger Basis und anonymisiert erfolgen. - Foto: © shutterstock
Ministerpräsident Giuseppe Conte versicherte, dass die Anwendung der App nur auf freiwilliger Basis erfolgen wird. Auch Landeshauptmann Arno Kompatscher sprach in der Medienkonferenz am Dienstag über die Immuni-App, die in Südtirol auch in einer deutschen Version zur Verfügung stehen wird.


„Wir werden dafür sorgen, dass Bürgern, die die App nicht herunterladen wollen, daraus keine Einschränkungen oder Benachteiligungen entstehen werden“, versicherte Ministerpräsident Conte vor dem Parlament. Bis zur Entwicklung eines Impfstoffes müsse soziale Distanzierung eingehalten werden, daher könne die App zu einem nützlichen Instrument gegen die Seuche werden, so Conte.

Die vom Mailänder Unternehmens „Bending Spoons“ entwickelte App „Immuni“ basiert auf Bluetooth und nicht auf Geolokalisierung. Der Nutzer soll dabei die Kontrolle über seine Daten behalten. Erst wenn er feststellt, dass er sich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert hat, sendet er seine Daten an einen Server. Über Bluetooth werden dann alle seine zurückliegenden Kontakte ermittelt und gewarnt.

App entspricht Datenschutzbestimmungen

Die App entspricht den Angaben zufolge den europäischen Datenschutzbestimmungen. Das Unternehmen hat der Regierung die Nutzungsrechte und künftige Aktualisierungen kostenlos überlassen. Doch diese Garantien entkräften nicht die Bedenken von Datenschützern.
Auch in der Regierungskoalition gibt es kritische Stimmen. „Mit der App 'Immuni' wird in Italien erstmals ein System zum Tracking individueller Kontakte eingeführt, dessen Auswirkungen auf Freiheit und Datenschutz genau unter die Lupe genommen werden müssen“, meinte die Fünf-Sterne-Bewegung, Italiens stärkste Regierungspartei. „Es ist zwar nützlich, neue Technologien gegen das Virus einzusetzen, doch die Bürger brauchen Garantien in Sachen Datenschutz“, warnte auch der Chef der oppositionellen Lega, Matteo Salvini.

Tracking App bald verfügbar

Die Tracking-App soll schon bald verfügbar sein und in bestimmten Modellregionen getestet werden. Sie soll der „Phase 2“, dem Neustart des öffentlichen Lebens, nach dem 3. Mai helfen, die Verbreitung des Coronavirus unter Kontrolle zu halten. Allerdings bringt die App nur dann einen Nutzen, wenn mindestens 60 Prozent der Bürger sie auch richtig nutzen. Diese relativ große Anzahl bezeichnet der Sonderkommissar für Covid-19, Domenico Arcuri, als größte Schwierigkeit.

Contes Regierung lässt sich beim Fahrplan für die Lockerungen von einem Beratergremium aus Ökonomen, Juristen, Soziologen und anderen Experten beraten, das von dem früheren Vodafone-Chef Vittorio Colao geleitet wird. Erwartet wird, dass die Regierung bis Freitag eine Lockerung der seit dem 11. März landesweit geltenden Ausgangssperre ankündigt. Vorerst gilt die Ausgangssperre bis zum 3. Mai.

apa/stol