Mittwoch, 11. Dezember 2019

Trinkwasser in Südtirol wird teurer

Trinkwasser ist in Südtirol ein billiges Gut. Auf Vorschlag von Landesrat Giuliano Vettorato hebt die Landesregierung am Mittwoch aber die Deckelung auf, wonach die Kosten für den Abnehmer nur um 4,5 Prozent im Jahr steigen dürfen.

Die Deckelung für Trinkwasser soll aufgehoben werden.
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Die Deckelung für Trinkwasser soll aufgehoben werden. - Foto: © APA (dpa) / Patrick Pleul

Als Folge steigen die Tarife vor allem in Gemeinden, die bislang sehr wenig für das kühle Nass verlangten. „Bei uns von 20 auf 30 Cent pro Kubikmeter“, sagt Joachim Reinalter, Bürgermeister von Percha.

Landesrat Giuliano Vettorato will der Landesregierung nicht vorgreifen: „Grundsätzlich gilt, dass wer Wasser verbraucht, dafür zahlen muss“, sagt er. Der Beschluss am Mittwoch sei deshalb ein Beschluss hin zu „mehr Kostenwahrheit und Transparenz.“

Laut Gesetz müssen die Gemeinden 90 Prozent ihrer Kosten bei Müll, Abwasser und Trinkwasser auf die Verbraucher umlegen. Seit 2017 sind sämtliche Investitionen und Amortisierungen bei der Berechnung der Trinkwasserpreises einzubeziehen. Ziel ist eine schrittweise Angleichung der Trinkwassertarife. „Diese klaffen in Südtirol weit auseinander. Manche Gemeinden verlangen gerade 20 Cent, andere fast einen Euro pro Kubikmeter“, sagt Gemeinden-Präsident Andreas Schatzer. Der Schnitt liege bei 50 bis 55 Cent pro Kubikmeter. Um einen schlagartigen Anstieg der Preise für die Konsumenten zu vermeiden, führte die Landesregierung aber eine Deckelung ein: Amortisierungen seien schrittweise einzubauen. Die Tarife dürfen nicht um mehr als 4,5 Prozent pro Jahr steigen.



Damit allerdings soll nun Schluss sein. Landesrat Vettorato legt der Landesregierung eine Aufhebung der Preissperre vor. Und zwar so lange, bis Amortisierungen zur Gänze abgeschrieben seien. Der Wunsch kam angeblich von den Gemeinden selbst. Mit Preissteigerungen von maximal 4,5 Prozent sei es vor allem für Gemeinden mit sehr niederen Wassertarifen unmöglich, sämtliche Kosten innerhalb von 4 Jahren einzubeziehen und an die Verbraucher weiterzugeben. Bei Tarifen von 20 Cent pro Kubikmeter machen 4,5 Prozent nicht einmal einen Cent aus.

Und genau in diesen Gemeinden ist jetzt auch mit satten Preisanstiegen zu rechnen. „Mit 20 Cent hatten wir einen historisch niederen Trinkwasserpreis“, sagt der Bürgermeister von Percha, Joachim Reinalter. Die Preissperre sei schwierig zu handhaben. „Jetzt haben wir eine Neuberechnung ohne sie angestellt, die sämtliche Investitionen in die Leitungen mit einbezieht“, so Reinalter. Ergebnis: Die Trinkwasserpreise in Percha steigen von 20 auf 30 Cent.

Preisanstiege, so prognostiziert Reinalter, werde es aber nicht nur in Gemeinden mit bislang niederen Tarifen geben. „Sondern auch in Gemeinden, die bisher wenig in ihr Trinkwassernetz investiert haben und jetzt vor Ausgaben stehen, die sie zu 100 Prozent an die Bürger weitergeben müssen.“ Für Bürgermeister Gustav Mattivi stellt sich dabei die Frage, wie mit dem Sturmtief Vaja umzugehen ist. Dieses hat in Altrei weite Teile des Trinkwassernetzes zerstört. „In die Instandsetzung haben wir 1,5 Millionen Euro investiert, die vom Zivilschutz kamen. Wenn wir diese Summe auf unsere wenigen Abnehmer umlegen müssen, dann gute Nacht“, sagt Mattivi.

Landeshauptmann Arno Kompatscher beruhigt. Eine Überarbeitung des Tarifsystems sei in Ausarbeitung.

bv

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