<b>von Janos I. Szirtes</b><BR /><BR />Die rasante Verbreitung der Drogenabhängigkeit in den USA wurde für Präsident Donald Trump ein Wahlschlager. Just im Amt, begann er einen Krieg – im Ausland. Die Lieferanten wurden zum Hauptfeind und zu Kriegsgegnern hochstilisiert. <BR /><BR />Dabei ist die Sucht in den USA selbst gemacht. In den neunziger Jahren kam es zur Erweiterung der Vitalparameter und des weit gefassten Schmerzes, zu dem auch Ängste, Befürchtungen, Überförderung von Personen, Stress und dessen Auswirkungen gezählt werden. Er erhielt als sechster Faktor die gleiche Stellung wie Blutdruck, Puls, Temperatur, Atmungsfrequenz und Sauerstoffsättigung. <BR /><BR />Gegenmittel gegen den so definierten Schmerz wurden damit ins Protokoll der Medizin aufgenommen, und die Ärzte begannen im großen Stil Arzneimittel mit Opiatgehalt zu verschreiben.<BR /><BR /> Während zu Ende der Neunzigerjahre fünf bis acht Prozent der Amerikaner zu Suchtgiften griffen, ist es gegenwärtig ein Drittel der Bevölkerung. Auch mit Versicherung kosten Oxycodon um die 20 Dollar, Morphin um neun Dollar. Für abhängige Süchtige: Die illegal verkauften Drogen, z. B. die weit verbreitetste und gefährlichste, Fentanyl, kosten um die zwei bis drei Dollar pro Dosis. Heroin mit der 50-mal geringeren Wirkung kostet dagegen dreimal mehr. Von den 48,5 Millionen Suchtabhängigen der USA (17,1 Prozent der Bevölkerung) sind 27,2 Millionen drogenabhängig, davon 42 Prozent unter 25 Jahren. Da die Dosierung von Fentanyl sehr schwierig ist, sind die meisten der 107.000 Todesopfer dieser Droge erlegen.<h3> Trumps „Drogenkrieg“ als Vorwand</h3>Trumps deklariertes Vorgehen ist, die Einfuhr zu unterbinden. Damit wird die Zahl der Süchtigen zwar nicht geringer, aber die physische und preisliche Erreichbarkeit ist erschwert. Statt die Sucht an der allein möglichen Wurzel zu packen, also die Abhängigkeit durch medizinische Mittel abnehmen zu lassen und damit die Nachfrage ernsthaft zu senken, wurde der „Krieg“ gegen die Vertreiber ausgerufen. Dabei verursacht dieser Krieg das Mehrfache der Kosten, die ein medizinisches Vorgehen haben würde.<BR /><BR />Venezuela geriet ebenfalls ins Zentrum des Krieges gegen die Sucht, allerdings ohne jede Grundlage. Venezuela ist für Narkotika ein Transitland, ihr Anteil ist unter zehn Prozent, und das Land war bereit, darüber mit den USA zu verhandeln.<BR /><BR /> Washington ging es aber nicht darum. Präsident Nicolás Maduro sollte wegen seiner US-unfreundlichen Politik gestürzt werden, und die reichsten Ölvorkommen der Welt sollten an Amerika übergehen. Die Begnadigung des ehemaligen honduranischen Präsidenten Juan Orlando Hernández, der wegen Teilnahme am Drogenschmuggel in den USA seine Haftstrafe verbüßte, durch Trump zeigt, dass es nicht um Drogen, sondern um politischen Einfluss und wirtschaftliche Vorteile geht.<BR /><BR />Der Angriff auf Venezuela, sowohl völkerrechtswidrig als auch im Widerspruch zu den Gesetzen der USA, wird die politisch-wirtschaftlichen Ziele erreichen, an der Narkotikfront wird dies jedoch unerheblich bleiben.