Der Vorwurf sei den griechischen Behörden sowie den Ministerien für Bürgerschutz und Auswärtige Angelegenheiten bekannt, hieß es in Folge in Athen. Der Bau des Grenzzauns werde aber fortgesetzt. Die Regierung des konservativen griechischen Premiers Kyriakos Mitsotakis begründet dies mit der Notwendigkeit des Schutzes der EU-Außengrenzen angesichts der Migrationsproblematik.<BR /><BR />Die Errichtung des Zauns im zentralen Abschnitt des Evros begann 2023 und wurde Anfang 2025 weitgehend abgeschlossen. An mindestens sieben Stellen entlang des rund 35 Kilometer langen Bauabschnitts war der Zaun jedoch zunächst nicht errichtet worden, obwohl dies ursprünglich vorgesehen war. Als Grund wurden unter anderem schwer zugängliche Bereiche entlang der Grenze genannt, die besondere technische Maßnahmen erfordert hätten.<BR /><BR />Nach Angaben aus griechischen Sicherheitskreisen ist die Situation jedoch komplizierter. Aufgrund von Veränderungen des Flussbetts des Evros, das in diesem Abschnitt die Grenze zwischen Griechenland und der Türkei bildet, kam es zu unterschiedlichen Auffassungen über den genauen Verlauf der Staatsgrenze.<BR /><BR />An sieben Stellen entlang des zentralen Evros, die sich überwiegend in der Nähe von Soufli und teilweise bei Didymoticho befinden, weisen die Karten des griechischen Militärgeografischen Dienstes die Gebiete als Teil des griechischen Staatsgebiets aus. Die Türkei betrachtet dieselben Flächen hingegen als türkisches Hoheitsgebiet.<BR /><BR />Nach Angaben von Polizeikreisen wurde der Bau des Zauns an diesen insgesamt rund fünf Kilometer langen Abschnitten zunächst aus taktischen und diplomatischen Gründen nicht fortgesetzt. Zeitweise wurde erwogen, dort anstelle eines dauerhaft verankerten Zauns mit Fundamenten und Pfosten ein bewegliches künstliches Hindernis zu errichten, das bei Bedarf wieder versetzt werden könnte.<BR /><BR />Diplomatische Quellen berichten, dass ein Teil des Problems im Jahr 2024 entstand, als die griechischen Behörden mit einer digitalen Darstellung des Grenzverlaufs begannen. Bis dahin hatten sich die verfügbaren Karten weitgehend auf analoge Vermessungen aus dem Jahr 1926 gestützt.<BR /><BR />Dabei seien geringfügige Abweichungen zwischen der analogen und der digitalen Darstellung festgestellt worden. Die technischen Dienste beider Länder müssten sich auf eine gemeinsame Darstellung des Grenzverlaufs verständigen, zitierte „Kathimerini“ eine diplomatische Quelle. Ein ähnliches Problem zwischen Griechenland und der Türkei war demnach bereits 2024 aufgetreten.<BR /><BR />Vor etwa fünf Monaten entschieden die griechischen Behörden schließlich, die Arbeiten am Grenzzaun im zentralen Evros abzuschließen. Die neuen Abschnitte werden auf Grundlage der griechischen Karten errichtet.<BR /><BR />Dabei kommt ein Verfahren mit Pfahlgründung zum Einsatz, bei dem die Fundamente direkt im Boden verankert werden. Die zuvor erwogene Lösung eines beweglichen Hindernisses wurde damit aufgegeben.<BR /><BR />Die Entscheidung löste eine Reaktion der türkischen Seite aus. Ankara legte über die Kontaktstelle ein formelles Protestschreiben - eine diplomatische Note - ein. Diese Kontaktstelle wird von Griechenland, der Türkei und Bulgarien am Grenzübergang Kapıkule-Kapitan Andreevo gemeinsam unterhalten. Die griechischen Behörden halten unterdessen an der Fortsetzung der Bauarbeiten fest.<BR /><BR />Zwischen den NATO-Partnern Griechenland und der Türkei gibt es seit Jahrzehnten Spannungen. Konflikte bestehen insbesondere über Seegrenzen, Luftraumkontrolle, Meeresschutzzonen und Energiequellen im östlichen Mittelmeer. Jüngst sorgte die in der Türkei geplante Verabschiedung eines Gesetzes zur sogenannten „Blauen Heimat“ (Türkisch: Mavi Vatan) in Athen für Aufregung und Besorgnis. Es handelt sich um einen von Ankara geplanten Rechtsrahmen, der die maritime Expansions- und Sicherheitsdoktrin des Landes festschreiben soll. Die Strategie beansprucht große Teile des Schwarzen Meeres, der Ägäis und des östlichen Mittelmeers.<BR /><BR />Ein prägendes Ereignis war die Zypernkrise 1974, die die Beziehungen dauerhaft belastete. Seitdem kommt es immer wieder zu Spannungen und militärischen Drohgebärden, insbesondere in der Ägäis. In den vergangenen Jahren haben beide Länder ihre Verteidigungsausgaben erhöht und ihre Streitkräfte modernisiert, was die gegenseitige Wahrnehmung von Bedrohung verstärkt.