Freitag, 11. Oktober 2019

Türkei in Syrien: Zehntausende auf der Flucht

Als Folge der Eskalation im Syrienkonflikt sind Zehntausende Menschen auf der Flucht.

Das türkische Bombardement wurde fortgesetzt.
Das türkische Bombardement wurde fortgesetzt. - Foto: © APA (AFP) / BULENT KILIC

In den ersten 36 Stunden seit Beginn einer türkischen Offensive gegen Kurdenmilizen in Nordsyrien seien mindestens 60.000 Menschen vertrieben worden, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Donnerstag. Die UNO sprach von „Zehntausenden“ Vertriebenen.



Das türkische Militär setzte seine Offensive am Donnerstag fort und nahm dabei mehrere Grenzorte unter Beschuss.
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan verwahrte sich gegen Kritik an dem Militäreinsatz - vor allem aus der EU. „Hey, Europäische Union. Reißt Euch zusammen. Seht, ich sage es noch einmal: Wenn ihr versucht, unsere aktuelle Operation als Besatzung zu bezeichnen, dann haben wir leichtes Spiel. Dann öffnen wir die Türen und schicken euch (die) 3,6 Millionen Flüchtlinge“, sagte Erdogan in einer Rede vor Angehörigen seiner Regierungspartei AKP.
Die Syrische Beobachtungsstelle erklärte, türkische Truppen hätten innerhalb von 24 Stunden sieben syrische Dörfer eingenommen. Die Grenzstädte Ras al-Ain und Al-Darbasija seien fast komplett verlassen, nachdem die Anwohner geflüchtet seien.
Ziel der seit Mittwoch laufenden türkischen Offensive ist die Kurdenmiliz YPG, die auf syrischer Seite der Grenze ein großes Gebiet kontrolliert.
Die Türkei sieht in ihr einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK in der Türkei und damit eine Terrororganisation. Die Türkei will entlang der Grenze eine sogenannte Sicherheitszone einrichten und dort auch syrische Flüchtlinge ansiedeln, die derzeit in der Türkei leben.
Die syrische Regierung kritisierte Erdogan scharf. „Er spricht davon, dass er sich dem Schutz des syrischen Volkes verpflichtet, ist dabei aber ein leichtsinniger, blutgetränkter Killer dieses Volkes“, zitierte die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana eine Quelle im Außenministerium.

Bereits mehrere Tote, darunter ein Baby

Seit Beginn der Offensive wurden laut Aktivisten mindestens 15 Zivilisten getötet. Erdogan sagte in Ankara, dass bei der Offensive bisher 109 „Terroristen“ getötet worden seien. Mit „Terroristen“ sind die Kämpfer der YPG-Miliz gemeint. Auch die Türkei meldete erste Opfer. Vier Menschen, darunter ein neun Monate altes syrisches Baby, seien gestorben, als Mörsergranaten und Raketen in türkischen Bezirken einschlugen, wie aus offiziellen Stellungnahmen hervorging. 70 Menschen seien verletzt worden.

apa