Freitag, 04. Januar 2019

Türkei: Razzien gegen mutmaßliche Gülen-Anhänger

Die türkische Polizei ist am Freitag mit neuen Großrazzien gegen mutmaßliche Anhänger der Gülen-Bewegung vorgegangen, die von Ankara für den gescheiterten Militärputsch von Juli 2016 verantwortlich gemacht wird. Die Staatsanwaltschaften in Istanbul, Konya und Ankara stellten im Zuge verschiedener Ermittlungen Haftbefehle gegen 137 Verdächtige aus.

Allein 2018 wurden nach neuen Zahlen aus dem Innenministerium von Ende Dezember rund 52.000 Menschen wegen angeblicher Verbindungen zu den Putschisten festgenommen (Symbolbild).
Allein 2018 wurden nach neuen Zahlen aus dem Innenministerium von Ende Dezember rund 52.000 Menschen wegen angeblicher Verbindungen zu den Putschisten festgenommen (Symbolbild). - Foto: © shutterstock

Dies berichteten die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu und der Nachrichtensender NTV. Die Razzien fanden demnach in 30 Provinzen statt und richteten sich unter anderem gegen die vermutete „Infiltrierung” des Militärs durch die Gülen-Bewegung. So wurden in der zentralanatolischen Provinz Konya 60 Verdächtige gesucht, die eine führende Stellung in der islamischen Bruderschaft gehabt haben sollen und im Kontakt mit aktiven Soldaten gewesen sein sollen. In Ankara wurden laut Anadolu 35 aktive und frühere Marinesoldaten gesucht. Die restlichen 42 Haftbefehle habe die Staatsanwaltschaft Istanbul ausgestellt.

Unter den Gesuchten seien zum Beispiel Nutzer der Kommunikations-App Bylock, die nach Ansicht türkischer Behörden vor allem für „geheime Absprachen” unter Gülenisten genutzt wird. Außerdem suchten die Behörden nach Steuerberatern, Lehrern und Ingenieuren. Bis zum späten Vormittag wurden laut Anadolu in Konya bereits 22 Personen festgenommen.

Die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan wirft der Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen vor, Militär, Polizei, Justiz und Verwaltung unterwandert zu haben, um die Macht im Staat zu übernehmen. Seit dem Putschversuch wurden daher Zehntausende mutmaßliche Gülen-Anhänger aus dem Staatsdienst entlassen oder inhaftiert. Auch mehr als zweieinhalb Jahre danach gibt es praktisch jede Woche neue Razzien.

Allein 2018 wurden nach neuen Zahlen aus dem Innenministerium von Ende Dezember rund 52.000 Menschen wegen angeblicher Verbindungen zu den Putschisten festgenommen. Wie viele dieser Betroffenen verurteilt wurden oder noch in Untersuchungshaft sitzen, ist unklar. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr rund 75.200 Menschen wegen mutmaßlicher Terrorverbindungen festgenommen.

apa/ag./dpa

stol