Mittwoch, 18. September 2019

Türkischer Karikaturist kritisiert Einschränkung der Pressefreiheit

Der bekannte türkische Karikaturist Musa Kart hat die Einschränkung der Pressefreiheit unter der Regierung von Recep Tayyip Erdogan kritisiert. „Ich habe mehr als 40 Jahre Karikaturen gezeichnet. Ich habe es unter anderen politischen Führern getan, doch nie war ich Gegenstand eines Gerichtsprozesses“, sagte der kürzlich aus der Haft entlassene Kart der Nachrichtenagentur AFP.

Kart zeichnete den damaligen Ministerpräsidenten Erdogan als Katze, die sich in einem Wollknäuel verheddert hatte.
Kart zeichnete den damaligen Ministerpräsidenten Erdogan als Katze, die sich in einem Wollknäuel verheddert hatte. - Foto: © APA/AFP

„Die Grenzen der Toleranz sind heute enger“, sagte Kart, der gemeinsam mit mehreren „Cumhuriyet“-Journalisten im Gefängnis gesessen war. „Heute gehen die Vorwürfe des Terrorismus weit über jedes realistische Maß hinaus.“ Wer seine Karikaturen betrachte, sehe, dass er Terrorgruppen stets scharf kritisiert habe, sagt Kart, dem Kontakte zur Gülen-Bewegung vorgeworfen werden, die Erdogan für den fehlgeschlagenen Militärputsch vom Juli 2016 verantwortlich macht.

Karikatur von Erdogan als Katze brachte Kart erstmals vor Gericht

Unter der Regierung Erdogans seien Gerichte und Gefängnisse für ihn zur „zweiten Heimat“ geworden, sagt der bekannte Zeichner. „Ich habe fast so viel Zeit in den Korridoren der Gerichte verbracht wie in der Zeitung. Das ist sehr bedauerlich.“ Kart musste sich erstmals 2005 vor Gericht verantworten, nachdem er den damaligen Ministerpräsidenten Erdogan als Katze gezeichnet hatte, die sich in einem Wollknäuel verheddert hatte.

2016 wurde er dann mit anderen „Cumhuriyet“-Mitarbeitern festgenommen und im April 2018 der Unterstützung einer Terrororganisation schuldig gesprochen. Nachdem das Urteil rechtskräftig geworden war, trat Kart im April diesen Jahres seine Haftstrafe von 3 Jahren und 9 Monaten an. Vergangenen Donnerstag ordnete jedoch ein Berufungsgericht die Freilassung von Kart und 4 weiteren Journalisten an.

Zum Ausgang des Prozesses will Kart keine Prognose abgeben. „Alle wissen, dass ein politischer Schatten auf unserem Fall lastet“, sagt er. Einschüchtern lassen will er sich aber nicht. Zeichnen sei eine „starke Sprache“, die ihm auch unter Druck erlaube, seine Meinung zu äußern. „Wenn du glaubst, dass deine Haltung richtig ist, wenn du im Frieden mit deinen Taten bist, dann ist es nicht schwierig, die Verhältnisse im Gefängnis auszuhalten.“

apa/afp

stol