Freitag, 23. April 2021

Über 100 Geflüchtete sterben bei Bootsunglück im Mittelmeer

Die Hilfsorganisation SOS Mediterranee hat den Tod von rund 130 Migranten bei einem Bootsunglück im Mittelmeer bestätigt. „Wir haben lediglich 10 Leichen geborgen. Das Meer ist rau, es ist unmöglich, dass es Überlebende gibt“, betonte Francesco Creazzo, Sprecher von SOS Mediterranee, laut italienischen Medienangaben.

Im Mittelmeer vor der libyschen Küste hat sich eine Flüchtlingstragödie ereignet. Ein Schlauchboot mit angeblich 137 Menschen an Bord ist am Mittwoch gekentert. Die Rettungsorganisation SOS Mediterranee befürchtet über 100 Tote. - Foto: © stol
Sea Watch macht die EU und die EU-Grenzschutzbehörde Frontex für das neue Bootsunglück im Mittelmeer verantwortlich.

„EU-Behörden und Frontex wussten von dem Boot, verweigerten aber Rettung“, so die Hilfsorganisation. Am Ort des Unglücks seien nur noch zehn Leichen entdeckt worden.

„Unsere Crew auf dem Rettungsschiff Sea-Watch 4 legte eine Schweigeminute ein, um der Opfer dieses schrecklichen Vorfalls zu gedenken“, betonte die Hilfsorganisation.

Vor der Küste Libyens sind nach Angaben der Hilfsorganisation SOS Mediterranee Dutzende Bootsmigranten im Mittelmeer ertrunken. Das Rettungsschiff „Ocean Viking“ sei nach stundenlanger Suche am Donnerstag an der Unglücksstelle nordöstlich von Tripolis eingetroffen, teilte die Organisation in der Nacht zu Freitag mit. An Bord des Schlauchbootes sollen demnach rund 130 Flüchtlinge gewesen sein.

Mehrere Notrufe

In den vergangenen Tagen hatte SOS Mediterranee nach eigenen Angaben mehrere Notrufe zu in Seenot geratenen Booten erhalten, die jedoch mehrere Stunden entfernt lagen.

Ein Schlauchboot mit 40 Personen an Bord konnte nicht lokalisiert werden. Ein weiteres Schlauchboot mit 100 Personen sei umgekippt. Ein drittes Boot mit 120 Personen an Bord wurde von der libyschen Küstenwache nach Libyen zurückgeführt. An Bord befanden sich die Leichen einer Mutter und ihres Kindes.

Safa Msheli, UNO-Sprecherin für Migration, bemängelte, dass sich die Staaten geweigert hätten, 100 Personen in Not zu retten. „Die Menschen haben zwei Tage lang um Hilfe gebeten, bevor sie im Mittelmeer ertrunken sind. Ist das Europas Erbe?“, twitterte Msheli.

Zuletzt waren in der vergangenen Woche bei einem Schiffsunglück mit einem Migrantenboot vor der tunesischen Küste mindestens 41 Menschen ums Leben gekommen. Im Zentralen Mittelmeer sind in diesem Jahr nach UNO-Angaben bisher knapp 360 Menschen gestorben. Viele Flüchtlinge versuchen mit der Fahrt in kleinen Booten über das Mittelmeer Italien zu erreichen. Die privaten Rettungsaktionen sind politisch umstritten.

apa/stol

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