Samstag, 17. November 2018

Über 2.000 Migranten aus Zentralamerika erreichen US-Grenze

Die Zahl der Migranten aus Zentralamerika in der mexikanischen Stadt Tijuana an der Grenze zu den USA ist am Freitag auf mehr als 2.000 gestiegen. Der Empfang dort war zum Teil alles andere als freundlich.

Kein freundlicher Empfang für Migranten in Tijuana. - Foto: APA (AFP)
Kein freundlicher Empfang für Migranten in Tijuana. - Foto: APA (AFP)

Der Bürgermeister von Tijuana, Juan Manuel Gastelum, von der rechtskonservativen Partei der Nationalen Aktion (PAN) sagte, die „Horde” der Migranten seien Teil eines „aggressiven Plans”. Er forderte die mexikanische Regierung auf, die Flüchtlinge umgehend abzuschieben.

Proteste gegen Migranten

Am Mittwochabend protestierten Einwohner in einem Wohngebiet von Tijuana gegen die Neuankömmlinge. Unter den Augen der Polizei riefen sie fremdenfeindliche Parolen und warfen Steine in Richtung der Migranten und - in einigen Fällen - deren Kinder. Dabei sangen sie die Nationalhymne. In den sozialen Medien mehren sich unterdessen die Anfeindungen gegen die Migranten.

Hilfsorganisationen protestierten unterdessen dagegen, dass die Bundespolizei im Teilstaat Sonora die Insassen zweier Busse festnahmen, die nach Tijuana unterwegs waren. Dort verbrachten 2.000 Migranten die Nacht auf Freitag in einer Sportanlage. Nach Angaben des mexikanischen Innenministeriums sind derzeit etwa 8.000 Migranten in verschiedenen „Karawanen” unterwegs.

Hauptflüchtlingszug startete vor rund einem Monat

Der Hauptflüchtlingszug startete am 13. Oktober in San Pedro Sula in Honduras. Die mehr als 4.300 Kilometer lange Strecke nach Tijuana im mexikanischen Teilstaat Baja California legten die Migranten größtenteils zu Fuß und per Anhalter zurück. Tijuana liegt der kalifornischen Stadt San Diego gegenüber.

Jenseits der Grenze errichteten fast 6.000 US-Soldaten auf Geheiß von Präsident Donald Trump Sperren aus Beton und rasiermesserscharfem NATO-Draht.

Ziel der Migranten: Anerkennung als Flüchtlinge

Ziel der Migranten ist es, in den USA als Flüchtlinge anerkannt zu werden, die vor der extremen Gewalt und Armut in ihren Heimatländern Honduras, El Salvador und Guatemala fliehen. Doch Trump hat mehrfach vor einer „Invasion von Kriminellen” gewarnt. Um diese zurückzudrängen, will er insgesamt bis zu 9.000 Soldaten an die südliche Landesgrenze verlegen.

Eine von Trump vergangene Woche erlassene Anordnung sieht vor, dass Migranten, die über die „grüne Grenze” in die USA gehen statt an offiziellen Grenzübergängen kein Asyl beantragen dürfen und sofort abgeschoben werden.

Besorgnis über die jüngsten Migrationsströme 

Die Staats- und Regierungschef beim Iberoamerika-Gipfel in Guatemala zeigten sich unterdessen angesichts von Millionen Flüchtlingen aus Venezuela und Tausenden Mittelamerikanern auf dem Weg in die USA besorgt über die jüngsten Migrationsströme in der Region.

„Wir können nicht weiter über Grenzmauern sprechen, sondern müssen über Vorhaben beraten, damit die Menschen sich nicht mehr gezwungen sehen, auszuwandern”, sagte der guatemaltekische Präsident Jimmy Morales am Freitag bei dem Treffen in der Kolonialstadt Antigua.

„Schwere Migrationskrise von globalem Ausmaß”

Boliviens Staatschef Evo Morales sprach von einer „schweren Migrationskrise von globalem Ausmaß”. Er rief die Staaten der Region dazu auf, ihre Einwanderungspolitik an den Menschenrechten auszurichten. „Die Migranten können nicht als illegal eingestuft werden, denn es gibt keine illegalen Menschen”, sagte er.

Der mexikanische Präsident Enrique Pena Nieto betonte, dass die Migranten neben Rechten auch Pflichten hätten und sich an die Regeln der Transit- und Aufnahmeländer zu halten hätten. Spaniens Regierungschef Pedro Sanchez forderte einen Rechtsrahmen für eine geordnete Migration und eine koordinierte Einwanderungspolitik.

Tausende Mittelamerikaner waren zuletzt vor Elend und Gewalt in ihren Heimatländern geflohen und ziehen derzeit durch Mexiko Richtung USA. Aus Venezuela haben sich mittlerweile wegen der dramatischen wirtschaftlichen und politischen Krise sogar rund drei Millionen Menschen ins Ausland abgesetzt.

apa/ag.

stol