Nach dem Ende der formellen trilateralen Beratungen in Genf traf sich Medinski zu einem zweistündigen Gespräch hinter verschlossenen Türen mit Vertretern der Ukraine, meldete die staatliche russische Nachrichtenagentur RIA. Es habe Fortschritte gegeben und eine Reihe von Fragen sei geklärt worden, sagte der ukrainische Chefunterhändler Rustem Umjerow. Das Ziel der Ukraine bleibe ein gerechter und dauerhafter Frieden. Die gestrigen Treffen in Genf seien schwierig gewesen, schrieb Selenskyj auf der Plattform X. „Russland versucht, die Gespräche in die Länge zu ziehen, die bereits in der Endphase sein könnten.“ Selenskyj warf zuvor auch den USA vor, unverhältnismäßigen Druck auf Kiew auszuüben, um den seit vier Jahren andauernden Krieg zu beenden.<BR /><BR />Diskutiert werde in getrennten Gruppen zu politischen und militärischen Fragen, schrieb der ukrainische Verhandlungsführer Rustem Umjerow zu Beginn der Gespräche auf Telegram. Die russische Delegation wird von Ex-Kulturminister Medinski geleitet, der jetzt Berater von Kremlchef Wladimir Putin ist. Die USA mit dem Sondergesandten Steve Witkoff sehen sich als Vermittler.<BR /><BR />US-Präsident Donald Trump hatte die Ukraine in den vergangenen Tagen mehrfach öffentlich aufgefordert, Schritte für einen Erfolg der Verhandlungen zu unternehmen. Witkoff berichtete in den frühen Morgenstunden auf der Plattform X von „bedeutenden Fortschritten“. Beide Seiten hätten vereinbart, ihre Regierungen zu informieren und weiter an einer Einigung zu arbeiten.<BR /><BR />Umjerow erklärte, der erste Tag habe sich auf „praktische Fragen und die Mechanik möglicher Entscheidungen“ konzentriert. Aus russischen Kreisen verlautete dagegen, die sechsstündigen Gespräche in verschiedenen Formaten seien am Dienstag „sehr angespannt“ gewesen. Eine offizielle Stellungnahme der russischen Delegation lag zunächst nicht vor.<BR /><BR />Selenskyj kritisierte die Ergebnisse der Verhandlungsrunde als unzureichend. „Die Ukraine ist an einem Resultat interessiert. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir nicht sagen, dass das Ergebnis ausreichend ist“, sagte Selenskyj in seiner in Kiew verbreiteten abendlichen Videobotschaft. Schon vorher hatte er den Russen eine Verzögerungstaktik bei den Verhandlungen unter US-Vermittlung vorgeworfen.<BR /><BR />„Die Militärs haben einige Fragen ernsthaft und inhaltlich diskutiert. Sensitive politische Fragen, Fragen zu möglichen Kompromissen und das notwendige Treffen der Staatschefs sind noch nicht ausreichend erörtert worden“, sagte Selenskyj. Er hatte gefordert, dass in Genf über ein Treffen zwischen ihm und Kremlchef Wladimir Putin gesprochen werde. Putin hat solche direkten Gespräche zwar angeboten - aber nur in Moskau, was Selenskyj ablehnt.<BR /><BR />Selenskyj lobte, dass die Europäer bei den Gesprächen in Genf anwesend waren - neben Gastgeber Schweiz waren demnach Vertreter aus Frankreich, Großbritannien, Deutschland und Italien dabei. „Gerade wir in der Ukraine vertreten immer die Position, dass Europa an diesem Prozess beteiligt sein muss“, sagte Selenskyj. „Ich möchte den Vereinigten Staaten von Amerika dafür danken, dass sie diese Position gehört haben.“<BR /><BR />Dem US-Nachrichtenportal „Axios“ gegenüber zeigte sich Selenskyj offen für ein Referendum über das Einfrieren des Konflikts an der aktuellen Frontlinie. Einen von Russland geforderten Abzug der ukrainischen Truppen aus den noch von ihnen gehaltenen Teilen der östlichen Gebiete Luhansk und Donezk lehnte er aber weiter ab. „Emotional werden die Menschen das niemals verzeihen. Niemals“, sagte er. Seine Landsleute würden nicht verstehen, warum sie zusätzliche Gebiete abgeben sollen. Selenskyj zufolge hat seine Regierung mit den Amerikanern vereinbart, dass jedes Abkommen eine Zustimmung der ukrainischen Bevölkerung per Referendum erfordert.<BR /><BR />Trump hatte am Montag vor Journalisten gemahnt, die Ukraine solle „besser schnell an den Tisch kommen“. Selenskyj merkte im Axios-Interview an, dass seine Gespräche mit den US-Vermittlern Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner nicht von derselben Art von Druck geprägt seien wie die öffentlichen Einlassungen des Präsidenten.<BR /><BR />Das einzige direkte Aufeinandertreffen Selenskyjs mit Putin fand bei deutsch-französisch vermittelten Verhandlungen 2019 in Paris statt. Die Beziehungen waren damals schon belastet durch die russische Annexion der ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim im Jahr 2014 und die als Separatismus getarnte Moskauer Militärintervention in der Ostukraine.