„Die Südtiroler Politik wird nicht umhinkommen, sich diesem Thema zu stellen“, betonte Knoll am Montag. Die Meinungsumfrage, die im Spätherbst 2010 vom Institut für Sozialforschung und Demoskopie „apollis“ telefonisch durchgeführt wurde, unterstreiche die Notwendigkeit, sich mit Selbstbestimmung auseinanderzusetzen, so Knoll.Die StudieVon insgesamt rund 506.500 Südtirolern wurden im Zuge der Meinungsumfrage 500 Personen „quer durch die Bevölkerung“ befragt, wie Knoll erklärt. „Das klingt zwar wenig, ist aber durchaus repräsentativ“, so der Politiker der Südtiroler Freiheit gegenüber STOL.Auf die Fragestellung „Wenn es in Südtirol zur Durchführung des Selbstbestimmungsrechtes kommen würde und Sie die Wahl hätten, wofür würden Sie sich entscheiden: Zugehörigkeit zu Italien oder Unabhängigkeit, also eigener Staat bzw. Wiedervereinigung?“ antworteten 90 Prozent der Befragten. Dabei sprachen sich 56 Prozent der Deutsch- und Ladinischsprachigen für die Unabhängigkeit, 44 Prozent für den Verbleib bei Italien aus.Nach Geschlechtern differenziert, stimmten 60 Prozent der befragten Männer und 51 der befragten Frauen für die Unabhängigkeit. Größten Zuspruch gab es in der Altersgruppe über 65 Jahre (62 Prozent für die Unabhängigkeit). Mit sinkendem Alter nimmt der Zuspruch ab (51 Prozent bei den 18 bis 34-Jährigen). Die Stadtgemeinden haben sich mehrheitlich für einen Verbleib bei Italien (58 Prozent) ausgesprochen, die Landgemeinden für die Unabhängigkeit (59 Prozent).Betrachtet man die einzelnen Bezirksgemeinschaften getrennt voneinander, haben Bozen (65 Prozent) und Salten-Schlern (54 Prozent) mehrheitlich für eine Zugehörigkeit zu Italien gestimmt. Die übrigen Bezirksgemeinschaften, allen voran der Vinschgau (67 Prozent), das Eisacktal (66 Prozent) und das Wipptal (64 Prozent) sprachen sich überwiegend für die Selbstbestimmung aus.Befragte der italienischen Sprachgruppe sprachen sich zu 100 Prozent gegen die Selbstbestimmung aus, solche der deutschen und ladinischen waren zu 65 Prozent für die Selbstbestimmung. „Ein Zukunftsthema“„Es erfüllt uns mit Genugtuung, dass der Anteil jener, die für die Selbstbestimmung sind, mehr als die Hälfte ausmacht“, meint Knoll. Mit der Umfrage bezwecke man einerseits, der Südtiroler Politik einen Spiegel vorzuhalten. Zum anderen wolle man die öffentliche Diskussion anregen.„Das Thema Selbstbestimmung muss weg von einem Konfliktthema und mehr zu einem Zukunftsthema werden“, unterstrich Knoll. „Autonomie wird fallen“Die „Arbeitsgruppe für Selbstbestimmung“ ist überzeugt, dass man bald handeln müsse. „Wir müssen schauen, uns sobald als möglich vorzubereiten“, meint Eva Klotz von der Bewegung Südtiroler Freiheit. „So etwas geht nicht von heute auf morgen, es braucht einen Diskussionsprozess.“ Glaube man den Statistiken, so müsse man 2020 mit 75.000 bis 80.000 Ausländern rechnen. Diese würden zu 80 Prozent italienisch wählen. „Dann wird die Autonomie fallen“, ist Klotz überzeugt. „Das ist keine Schwarzmalerei, kein Pessimismus, wir müssen damit rechnen.“„Autonomie war gute Übergangslösung“In dieselbe Kerbe schlug Sepp Mitterhofer, Vositzender der Arbeitsgruppe und ehemaliger Heimatbund-Obmann: „Wenn es nicht in den nächsten zehn Jahren zu einer Abstimmung über die Selbstbestimmung kommt, dann ist es zu spät.“ Es gebe nämlich in Südtirol immer mehr eine Verschiebung in Richtung Italien, in Richtung italienische Mentalität, so Mitterhofer.Die Gefahr sei groß, dass die Autonomie schwach werde. „Deshalb versuchen wir, eine Abstimmung zu erreichen.“ Die Autonomie sei eine gute Übergangslösung gewesen, nun müsse man weiterschauen.Aufklärung als nächstes Ziel„Wichtig ist derzeit die Aufklärung, vor allem die der Italiener“, meint Sven Knoll. „Viele Italiener sind nämlich verunsichert.“Der Wunsch nach Selbstbestimmung richte sich nicht gegen die Italiener, sondern gegen Italien. „Sollte Südtirol nicht mehr zu Italien gehören, würden die Italiener in Südtirol dieselben Rechte genießen wie die Südtiroler derzeit in Italien“, so Knoll. Dies müsse kommuniziert werden.Schließlich wünsche man sich eine Abstimmung. „Der Landtag könnte ein Referendum zur Selbstbestimmung abhalten“, so Knoll. Dabei dürfte jeder Südtiroler abstimmen. Auf eine Form der Selbstbestimmung – ob Freistaat, wie ihn die Freiheitlichen propagieren, oder eine Rückkehr zu Österreich – will sich die Arbeitsgruppe derzeit nicht festlegen.ba