In Bozen schließt das Ex-Alimarket. 76 Männer, die alle einen Job haben, landen auf der Straße. Es ist einer von vielen Hilferufen der Stadt, nicht alles allein stemmen zu müssen. Ein anderer soll erhört werden: 94 Gemeinden sollen ab Schulschluss Mitte Juni 94 Flüchtlingsfamilien aufnehmen, die derzeit in Bozen – getrennt von den Ehemännern – in Hotels untergebracht sind.<h3> Umfrage der Süd-Tiroler Freiheit</h3>Doch das Fell des Bären wurde verkauft, ohne den Bären erlegt zu haben. Viele Gemeinden finden keine Wohnungen. Stimmung macht die Süd-Tiroler Freiheit mit einer Umfrage gegen „Gratis-Wohnungen“. Es sei klar, dass die betroffenen Personen gar nicht in der Lage seien, Mieten von 800 Euro und mehr selbst zu stemmen. Die, so die STF, zahle der Steuerzahler. Auch Landesrätin Mair kriegt ihr Fett ab. Es gebe nun doch Wobi-Wohnungen für diese Familien.<BR /><BR />Letzteres stimmt nicht. Klassische Wobi-Wohnungen, auf die andere in einer Rangordnung warten, wird es nicht geben. Mair hatte indes vom Start weg auf Wobi-Wohnungen ohne Rangordnung verwiesen, die seit Jahren leer stehen. Die gibt es freilich nur in zehn Gemeinden: Gsies, Percha, Prettau, Rodeneck, St. Martin in Thurn, Terenten, Villanders, Graun, Martell, Schnals und Stilfs.<h3> Berechnungen noch nicht abgeschlossen</h3> „Es stimmt auch nicht, dass Flüchtlingsfamilien Wohnungen gratis erhalten“, sagt Landesrätin Rosmarie Pamer. Wohnnebenkosten wie Gas und Strom sowie eine „Tarifbeteiligung für Wohnen und Integration“ seien von den Familien selbst zu bezahlen. Es werde eine Mindest – und eine Höchstbeteiligung geben. Wie hoch diese ausfallen werden? Fehlanzeige. Pamer weiß es nicht. Das Amt habe die Berechnungen nicht abgeschlossen, die Landesregierung die Kriterien für das Projekt noch nicht erlassen. Dabei sollten diese – möchte man meinen- vor Beginn der Suche in fast 100 Gemeinden klar sein.<BR /><BR />Fest steht nur, dass die Gemeinden nicht auf ihren Kosten sitzen bleiben. Für das Anmieten der Wohnungen sollen sie über die Gemeindenfinanzierung mit einem „Pauschalbetrag“ entschädigt werden. Wie hoch er ausfällt? Wieder Fehlanzeige. Die Rede ist vom Landesmietzins plus 20 Prozent, weil Wohnungen auch auf dem Privatmarkt angemietet werden müssen. Fix ist aber noch nichts. Statt Daten zu liefern, verweist man auf Arbeitsgruppen. Pamer sprach gestern in Interviews von einem üblen Spiel mit Halb- und Unwahrheiten. Ohne Daten haben Sven Knoll & Co. leichtes Spiel, gegen eine „Mogelpackung auf Kosten der Steuerzahler“ zu wettern.