Bis zum Freitagnachmittag - und damit bis kurz vor Ablauf einer Erklärungsfrist - gab es noch keine offizielle Antwort auf einen in dieser Woche vorgelegten Vorschlag für einen Kompromiss zur Urananreicherung. Das iranische Staatsfernsehen berichtete allerdings schon von einem Platzen des Deals: Statt eigenes Uran zur kontrollierten Anreicherung ins Ausland zu schaffen, wolle die islamische Republik einfach hoch angereicherten Brennstoff neu kaufen. Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner reagierte auf die Nachrichten aus Teheran mit den Worten: „Die Signale, die wir heute Morgen aus Wien bekommen haben, waren nicht sehr positiv.“Moskau, Washington und Paris hätten am Freitagnachmittag einem Vorschlag der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA zur weiteren Anreicherung iranischen Urans in Russland zugestimmt, hieß es aus diplomatischen Kreisen in Wien.Mit der Unterzeichnung des IAEA- Entwurfs würde sich Teheran bereiterklären, den Großteil des schwach angereicherten Urans seiner Atomanlagen nach Russland zu bringen, statt dies selbst zu übernehmen. Das Land braucht den Brennstoff dringend für einen Forschungsreaktor zu medizinischen Zwecken. Eine Einigung in dieser Frage wäre ein wichtiger vertrauensbildender Schritt und könnte die seit Jahren verfahrenen Atomverhandlungen wieder in Gang bringen. Auf dieses Vorgehen hatte sich das Land mit den fünf ständigen UN-Sicherheitsratsmitgliedern plus Deutschland (5+1) Anfang des Monats in Genf grundsätzlich geeinigt. Bei Gesprächen zu technischen Details Anfang der Woche in Wien war ein IAEA-Entwurf zu einem Deal entstanden. Dieser sieht vor, dass der Iran 1200 Kilogramm an niedrig angereichertem Uran (3,5 Prozent) bis Jahresende nach Russland zur höheren Anreicherung auf 20 Prozent bringt. Die USA hätten der IAEA am Freitag ihr Ja zu dem Entwurf mitgeteilt, der auf der in Genf getroffenen Vereinbarung basiere, sagte der Sprecher des nationalen US-Sicherheitsrates, Mike Hammer. „Jetzt erwarten wir die Antwort des Irans.“ Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte nach Angaben der Agentur Interfax in Moskau: „Wir sind mit diesen Vorschlägen einverstanden und hoffen, dass nicht nur der Iran, sondern auch alle anderen Teilnehmer an den Verhandlungen ihre Bereitschaft zur Umsetzung des geplanten Vorgehens bestätigen.“ Am Donnerstag hatte die islamische Republik erneut ihre Position bekräftigt, wonach Frankreich dabei nicht direkt beteiligt sein soll. „Wir haben erklärt, dass wir (...) mit Russland zusammenarbeiten wollen. Frankreich und die USA können mitmachen, aber nur indirekt“, sagte der iranische Botschafter bei der IAEA, Ali Asghar Soltanieh, den Nachrichtenagenturen Fars und ISNA. Israel lehnt weiter jeden Kompromiss im Streit um das iranische Atomprogramm ab. Verteidigungsminister Ehud Barak bekräftigte am Donnerstag die Position seiner Regierung, Teheran müsse jegliche Anreicherung von Uran beenden. „Die Urananreicherung im Iran muss aufhören“, sagte er in Jerusalem. Viele Länder der Welt verdächtigen den Iran seit Jahren, unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms an einer Atombombe zu bauen. Der Iran bestreitet das und beharrt trotz Sanktionen auf der Urananreicherung.dpa