Mittwoch, 30. September 2020

UNO fordert Ende der Kämpfe in Berg-Karabach

Der UNO-Sicherheitsrat fordert ein sofortiges Ende der Kämpfe in der Unruheregion Berg-Karabach. Die 15 Mitglieder unterstützten nach ihrer Sitzung am Dienstag in New York Generalsekretär António Guterres bei seiner Forderung nach einer Waffenruhe und sofortiger Wiederaufnahme von Verhandlungen. Unterdessen weiten sich die Gefechte zwischen Armenien und Aserbaidschan zur schwersten Eskalation seit Jahrzehnten aus. Die Türkei sicherte Aserbaidschan Unterstützung zu.

Der Konflikt spitzt sich zu. - Foto: © APA (Armenian Defence Ministry) / HANDOUT
Beide Seiten warfen einander am Dienstag vor, auch Gebiete deutlich jenseits der umkämpften Region Berg-Karabach unter Beschuss zu nehmen. Armenien warf zuletzt der Türkei den Abschuss eines ihrer Kampfflugzeuge vor. Armenien, das mit Russland verbündet ist, hatte der Türkei wiederholt direkte Einmischung in den Konflikt mit dem Nachbarland Aserbaidschan um die Provinz Bergkarabach vorgeworfen.

Das Militär in Aserbaidschan dementierte die Angaben umgehend und bezeichnete die Vorwürfe als Lüge. Auch der Kommunikationsdirektor des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, Fahrettin Altun, sagte, dass es sich dabei um „billige Propagandatricks“ handle.

Militärische Hilfe durch die Türkei

In dem neu aufgeflammten Konflikt um die Kaukasus-Region Berg-Karabach sicherte die Türkei Aserbaidschan offiziell militärische Unterstützung zu. Die Türkei werde bei einem Hilfegesuch Aserbaidschans „tun, was notwendig ist“, sagte Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Mittwoch auf eine entsprechende Frage von Journalisten der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu.

Territoriale Unversehrtheit wiederherstellen

Der aserbaidschanische Präsident Ilham Aliyev bekräftigte die Absicht, das Gebiet Berg-Karabach zurückzuerobern und die territoriale Unversehrtheit seines Landes wiederherzustellen. Er warf der internationalen Gemeinschaft „zu viel Geduld“ mit Armenien vor. Seit 30 Jahren reagiere Armenien nicht auf Resolutionen der Vereinten Nationen, sich aus dem besetzten Gebiet Aserbaidschans zurückzuziehen, sagte er in Baku.

Russland als Schutzmacht

Die von Armenien kontrollierte Region Berg-Karabach gehört völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan. In einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in den 90er Jahren verlor Aserbaidschan die Kontrolle über das Gebiet. Es wird heute von christlichen Karabach-Armeniern bewohnt.

Armenien setzt auf Russland als Schutzmacht, die dort Tausende Soldaten sowie viele Waffen stationiert hat. Das öl- und gasreiche sowie militärisch hochgerüstete Aserbaidschan hat die Türkei als Verbündeten.

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Regelmäßige Angriffe rund um Bergkarabach

Zwar schlossen das mehrheitlich christliche Armenien und das mehrheitlich muslimische Aserbaidschan 1994 einen Waffenstillstand. Dennoch melden beide Seiten regelmäßig Angriffe rund um Bergkarabach mit seinen etwa 150.000 Einwohnern und entlang der gemeinsamen Grenze. Die jetzt wieder aufgeflammten Gefechte sind die schwersten seit 2016. Die Kämpfe schüren Sorgen um die Stabilität des Südkaukasus, wo wichtige Gas- und Ölpipelines entlanglaufen.

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) will so bald wie möglich wieder Beobachter in Berg-Karabach einsetzen.

apa