Freitag, 17. Juli 2020

UNO fordert zusätzliche 3,6 Milliarden Dollar an Coronahilfen

Die Vereinten Nationen haben zusätzliche 3,6 Milliarden Dollar (3,15 Mrd. Euro) an Hilfen im Kampf gegen die Corona-Pandemie gefordert und reichen Ländern mangelnde Unterstützung armer Weltregionen vorgeworfen.

Vor allem die wohlhabenden Nationen müssen sich laut UNO im Bereich der finanziellen Hilfen viel mehr einbringen.
Vor allem die wohlhabenden Nationen müssen sich laut UNO im Bereich der finanziellen Hilfen viel mehr einbringen. - Foto: © shutterstock
„Es besteht die ernste Gefahr von mehrfachen Hungersnöten im Laufe dieses Jahres und zu Beginn des kommenden Jahres. Wir müssen jetzt investieren, um das zu verhindern“, sagte UNO-Nothilfekoordinator Mark Lowcock am Donnerstag (Ortszeit) bei einer Pressekonferenz in New York.

„Die bisherige Reaktion der wohlhabenden Nationen auf die Lage in anderen Ländern war völlig unzureichend“, kritisierte Lowcock. Mit der neuen Forderung und dem damit dritten Spendenaufruf der Vereinten Nationen erhöht sich die Gesamtsumme der geforderten Coronahilfen auf 10,3 Milliarden Dollar. Seit der Vorstellung des Krisenplans im März sind nach UNO-Angaben jedoch bisher nur 1,7 Milliarden Dollar bereitgestellt worden.

Neben der Bekämpfung der Hungersnöte, die sich durch die von der Pandemie ausgelöste Wirtschaftskrise verschärft haben, sollen mit den zusätzlichen Mitteln etwa medizinische Ausrüstung, Informationskampagnen sowie Hilfslieferungen nach Afrika, Asien und Lateinamerika finanziert werden.

1,67 Millionen Menschenleben auf dem Spiel

Neben Somalia, dem Südsudan, dem Jemen und Nigeria, die bereits von Nahrungsmittelknappheit betroffen seien, äußerte sich Lowcock zunehmend besorgt über die Lage im Sudan, in Simbabwe sowie in Haiti. Die UNO rechnet in den kommenden Monaten mit einem Höhepunkt der Pandemie in den ärmsten Ländern der Welt. Wenn das Virus nicht unter Kontrolle gebracht werde, könnten nach UNO-Prognosen 1,67 Millionen Menschen in 30 einkommensschwachen Ländern sterben.

Die internationale Kinderhilfsorganisation World Vision unterstützte die Forderung nach einer Aufstockung der Hilfsgelder. „Wir sehen jetzt schon einen drastischen Anstieg bei der Zahl hungernder Kinder aufgrund der wirtschaftlichen Auswirkungen von Covid-19. Insgesamt könnten bis zu 110 Millionen Kinder von Hunger bedroht werden“, erklärte Isabel Gomes, Leiterin der globalen Hilfseinsätze von World Vision.

Die Organisation forderte, die Mittel des globalen Hilfsplans für die ärmsten Länder müssten praxisnah, transparent und gerecht an UNO-Organisationen und Nichtregierungsorganisationen verteilt werden. Bisher seien nur 5 Prozent der erhaltenen Mittel an nicht-staatliche Hilfsorganisationen gegangen.

deb