Donnerstag, 07. Juli 2016

„Uns ist es zu verdanken, dass am Brenner kein Zaun steht“

Der Landeshauptmann hatte nur eine Bitte an die Presse: festes Schuhwerk anziehen. Zu seiner Halbzeit-Pressekonferenz lud Arno Kompatscher in die Franzensfeste. Eine Festung, die für so vieles in Südtirol stehe. Transitland, Grenze, Bindeglied. „Dass am Brenner jetzt kein Zaun steht“, sagt Kompatscher, „ist uns zu verdanken.“

Landeshauptmann Arno Kompatscher hat in der Franzensfeste seine Pressekonferenz zur Halbzeit seiner Amtszeit gehalten. - Foto: DLife
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Landeshauptmann Arno Kompatscher hat in der Franzensfeste seine Pressekonferenz zur Halbzeit seiner Amtszeit gehalten. - Foto: DLife

Am 23. April dieses Jahres spitzte sich die Lage in Europa und am Brenner zu. Der österreichische Innenminister Wolfgang Sobotka hatte eben erst sein Amt von Johanna Mikl-Leitner übernommen, es war ein Samstag. „Am Mittwoch darauf sollte am Brenner der Zaun errichtet werden“, sagt Kompatscher.

Lässig sitzt er auf einem Stuhl in einem der staubigen Gemäuer der Franzensfeste, es ist fast Mittag. Eineinhalb Stunden hat Kompatscher bereits durch die Anlage geführt, war mal hier, mal da stehen geblieben, hat auf zweieinhalb Jahre Amtszeit zurück- und vorausgeblickt. Ein „wunderbarer Ort“, meint Kompatscher, so eine Festungsanlage, die im 19. Jahrhundert zum Kampfe erbaut und dann doch nie in Betrieb genommen wurde.

„200 Soldaten sollten Ende April an den Brenner ziehen“, erzählt der Landeshauptmann weiter, so hätte es die österreichische Regierung vereinbart. Dass es dazu nicht kam, heute am Brenner eben kein Zaun stehe – und hoffentlich nie stehen werde – „ist uns zu verdanken“, sagt er. Südtirol – genauer gesagt er selbst – habe die österreichischen und italienischen Entscheidungsträger zusammengeführt, habe zwischen den beiden Parteien vermittelt. Südtirol in seiner besten Rolle: als Bindeglied, als Vernetzer, als Mediator. „Das Zaun-Material war schon angeliefert“, sagt Kompatscher. „Es liegt noch heute ungenutzt am Brenner.“

Kompatscher wünscht sich mehr Wir-Gefühl

Die Episode nutzt Kompatscher bei seiner Halbzeitpressekonferenz am Donnerstag auf mehrere Weisen: Sie soll den großen Zusammenhang verdeutlichen. Die Brenner-Episode steht für das offene und vernetzte Südtirol, das er, Kompatscher, sich für die kommenden 2,5 Jahre seiner Amtszeit wünsche. Die Beziehungen zur Euregio, zu Rom, Wien und Brüssel seien optimal.

Dies sei wiederum wichtig für eine Weiterentwicklung der Autonomie. Südtirol soll weitestgehend unabhängig werden von Entscheidung anderer, meint der LH. Nicht, ohne dabei auf die anstehende Verfassungsreform samt Schutzklausel und den Finanzpakt zu verweisen. Dank letzterem habe der Staat sämtliche Rekurse gegen Südtirol vor dem Verfassungsgericht zurückziehen müssen oder verloren.

Foto: DLife/lo

 

Und was die Bürger anbelange, so sollten sie sich als „Südtiroler“ fühlen, ein Gemeinschaftsgefühl entwickeln, ganz ohne jede Arroganz. „Es muss um das große Ganze gehen“, sagt Kompatscher. „Wir sollten nicht fragen: Was bringt mir eine Entscheidung? Sondern: Was bringt sie uns?“

„Werden auch unpopuläre Entscheidungen treffen“

Wie in den 2,5 vergangenen Jahren seiner Amtszeit will Kompatscher auch die restliche Zeit seine Regierungsarbeit auf vier Säulen aufbauen: Teilhabe, Freiraum, Verantwortung und Glaubwürdigkeit. Jeder könne seine Meinung, seinen Wunsch äußern. „Doch Partizipation bedeutet nicht, dass jeder individuelle Wunsch erfüllt wird“, sagt der LH und verweist auf die Gesundheitsreform. Auch die kommenden Jahre werde man auch schwierige und unpopuläre Entscheidungen treffen. Und dann dazu stehen, was man vereinbart habe, sagt er und nennt den Flughafen als Beispiel. Das sei Glaubwürdigkeit.

Foto: DLife/lo

 

Ob er nach diesen 2,5 restlichen Jahren weitermacht, lässt Kompatscher am Donnerstag offen. Heute ist nicht der richtige Tag, um über solche Entscheidungen zu sprechen. „Zur Halbzeit spricht man nicht über die nächste Kandidatur“, meint er. „Es gibt noch eine Menge zu tun.“

stol/pg

stol