Die Chefs in den Rathäusern von Klausen und Welsberg-Taisten erzählen, wie sie das wichtige Amt erleben. <BR /><BR /><BR /><BR /><i>Von Alexander Zingerle</i><BR /><BR /><BR /><BR />Seinen 30. Geburtstag hat <b>Peter Gasser</b> erst Mitte März gefeiert, und wäre dieser nicht mitten in die Corona-Pandemie gefallen, so hätte es wohl ein großes Fest gegeben. Denn der junge Familienvater, der das bäuerliche Gasthaus Huber im kleinen Weiler Pardell führt, ist ein überaus geselliger Mensch, der gerne bis tief in die Nacht debattiert und Meinungen austauscht. So aber fiel die Geburtstagsfeier bescheiden aus, und genauso vermisst er derzeit auch den direkten persönlichen Kontakt zu den Bürgern. <BR /><BR />Gasser sagt: „Wenn man in einer Bar oder in den Gassen der Stadt mit den Leuten ins Gespräch kommt, kann man sofort Stimmungen aufspüren, Sachverhalte erklären und natürlich auch Fehler eingestehen. Momentan findet dieser Austausch kaum statt und so schaukelt sich leider vieles in den Echokammern hoch. Ich sehne mich so richtig nach einer Öffnung.“ Seit der Bildung des neuen Ausschusses Anfang Oktober mussten alle Sitzungen virtuell abgehalten werden – allerdings konnten sich Interessierte bequem zu den Zoom-Besprechungen zuschalten.<BR /><BR /><embed id="dtext86-48676668_quote" /><BR /><BR /> Welchen frischen Wind will er seiner Stadt bescheren, für welche Art von Neuerung steht der zweitjüngste Bürgermeister Südtirols? Auf diese Frage kommen erstaunlich bodenständige, ja beinahe etwas antiquiert anmutende Werte: gemeinsames Anpacken, frische Motivation und vor allem Zusammenhalt. <BR /><BR />Wird man denn als Jungspund von den alten Hasen in den städtischen Gremien nicht mitunter belächelt oder zumindest unterschätzt? „Im Gegenteil, wir gehen alle sehr respektvoll miteinander um. Ich lerne jede Woche dazu, natürlich, aber mein junges Alter ist eher ein Vorteil“, meint Gasser dazu. Als Junger sei man besonders flexibel, technisch auf dem neuesten Stand und gut vernetzt. Passend dazu verschickt er die Gemeindeverordnungen im Sinne einer schnellen Kommunikation gerne an all seine WhatsApp-Kontakte. <BR /><BR />So ist wohl weniger das Erneuerungsversprechen der Jugend Gassers größter Trumpf in der Gemeindepolitik, sondern sein mannigfaltiges Wirken in mehreren Vereinen und Gruppierungen. Neben seiner Tätigkeit als Gastwirt mitsamt Landwirtschaft hilft er, wann immer es geht, beim Weißen Kreuz, bei der Feuerwehr und sogar bei der Notfallseelsorge. Zudem ist er in diversen Orts- und Bezirksausschüssen dabei. All das prägt, all das bringt ihm Sympathien und Anerkennung ein. „Ich bin eben ein Multitasking-Typ, und wenn ich mal den Kopf freibekommen möchte, dann gehe ich einfach zum Mähen auf die Wiese“, meint er lachend. Als Notfallseelsorger oder bei so manchem Feuerwehreinsatz werden einem unweigerlich die Augen geöffnet, man sehe „wie schnell das Schicksal oder sogar der Tod zuschlagen kann“. So lerne man das Leben umso mehr zu schätzen. <BR /><BR /><b>Wenn die Kritik kommt</b><BR /><BR />Die positive Aufbruchstimmung, mit der Gasser seinen politischen Auftrag wahrnimmt, ist erstaunlich, vor allem angesichts des schwindenden Prestiges des Bürgermeister-Amtes: Jede Entscheidung zieht unweigerlich Kritik nach sich, der Gestaltungsraum ist überschaubar, ebenso die Honorierung – größere Stadtgemeinden einmal ausgenommen. Gasser weiß, dass ihm auch in Klausen, wo er bisher einen „großen Geist des Zusammenhalts“ vernommen hat, irgendwann mal der Gegenwind um die Ohren pfeifen wird. <BR /><BR />„Ehrliche Kritik schätze ich, zuwider sind mir hingegen falsche Leute, die nur auf ihren Vorteil bedacht sind“, sagt er klipp und klar. Politiker jeglicher Gattung sind vermehrt zur Zielscheibe von pauschalem Zorn geworden, auch dazu hat er eine klare Meinung: „Wer Einblick in die Tätigkeiten und Entscheidungsprozesse hat, urteilt nicht so leichtfertig darüber, und wer mich kennt, weiß, dass ich ein grundehrlicher Mensch bin.“ <BR />Die Corona-Krise hat natürlich auch beim Gastwirt Gasser ihre Spuren hinterlassen, zudem musste auch er sich mit einer milden Infektion herumschlagen. Mit Stolz verweist er auf die „sehr gute Akzeptanz und Organisation der Testläufe“ in Klausen. Strebt ein derart junger und bestens vernetzter Bürgermeister nach Höherem? „Nein, ich bin hier voll und ganz ausgelastet und brauche sicherlich nicht noch mehr“, winkt er ab.<BR /><BR /><BR /><b>Was sagt der Amtskollege in Welsberg-Taisten?</b><BR /><BR /><BR /><BR />Was charakterisiert das Politikverständnis der jüngsten Entscheidungsträger im Lande? Hört man ihnen zu, so rütteln sie weniger an den Sachverhalten, sondern verweisen auf Stilfragen. So äußere sich auch der frische Wind in der Gemeindestube von Welsberg-Taisten vor allem in den Bemühungen, alle Referenten und Gremien einzubinden. „Partizipation“, erklärt <Fett>Dominik Oberstaller</Fett>, „bedeutet für mich, zeitgemäße Arbeitsprozesse zu begünstigen, und das kommt auch gut an.“ Der Teamgedanke wird zum Leitprinzip, wobei der Austausch durch Corona erschwert wurde. Klar ist aber auch, dass bei aller Liebe zu basisdemokratischen Willensbildungen ein stringentes Handeln und konsequente Entscheidungen gefragt sind.<BR /><BR />Vor allem ein Jungspund muss seine Führungsstärke unter Beweis stellen und aufzeigen, dass er überhaupt das Zeug zum Bürgermeister hat. Dazu meint Oberstaller, der erst am 13. April seinen 30. Geburtstag feierte: „Man muss fit sein in der Thematik, sich gut in die Dinge einarbeiten und einen Standpunkt überzeugend vertreten. Genau deshalb ist es wichtig, die Leute in die Phase der Entscheidungsfindung einzubinden. Je besser das gelingt, umso geringer werden danach die Widerstände ausfallen.“ Die Autorität will eben nach und nach durch Taten erarbeitet werden. <BR /><BR />Oberstaller mag zwar jung sein, aber gewiss nicht grün hinter den Ohren – im sprichwörtlichen Sinn. Bereits vor 5 Jahren wurde er in den Gemeinderat gewählt, Ende März 2019 zudem zum neuen Chef der Jungen Generation der SVP und obendrein vor wenigen Wochen zum Vize im Rat der Gemeinden. Mit seinem umfassenden Pensum nicht mehr vereinbar war der Job als persönlicher Referent des Landtagsabgeordneten Manfred Vallazza. „Es lässt sich alles gut miteinander verbinden, wobei man schon eine gute Einteilung und viel Selbstdisziplin braucht“, gibt er zu bedenken.<BR /><BR /><embed id="dtext86-48676871_quote" /><BR /><BR /> Bei all den Verpflichtungen, Sitzungen und Terminen beginnen die Tage früh und enden spät. Durch die Unterstützung der etablierten Mitstreiter in der Gemeindestube und dank seiner bisherigen Erfahrungen sei er schnell reingewachsen ins neue Amt. „Nein, es fühlt sich wirklich nicht so an, als sei ich in diesem halben Jahr um Jahre gealtert“, meint er schmunzelnd. <BR /><BR />Anzupacken gibt es aber allerhand. Das verdeutlichen allein die über 20 Projekte, die bei der jüngsten Sitzung der Baukommission auf der Agenda standen. Es sei wichtig, dass es „da zügig weitergeht“. Er will die Dinge trotz so manchem Fragezeichen, die das neue Raumordnungsgesetz mit sich gebracht hat, beschleunigen. Deshalb sei es ratsam, sich mit den Einreichern und Projektanten an einen Tisch zu setzen und die Projekte von der Stadel-Erweiterung bis hin zur Aufstockung einer Wohnbauzone gemeinsam auf alle Details abzuklopfen. Durch aktive Beteiligung habe man viele Ideen für die Gemeinde sammeln können, etwa ein erneuertes Mobilitätskonzept mitsamt Radweg, Strukturen für betreutes Wohnen, Rahmenbedingungen für Handel und Tourismus sowie die Aufwertung des Dorfzentrums in Taisten mitsamt Neubau eines Musikpavillons. <BR /><BR /><b>Viel gelernt in der Gastronomie</b><BR /><BR />Sehr wohl sei dem neuen Ausschuss die Arbeit der Vorgänger zugutegekommen, zudem stehen ihm 3 von 4 bisherigen Ausschussmitgliedern weiterhin zur Seite, darunter auch die erfahrene Vizebürgermeisterin Paula Mittermair. Ein Zeichen für Kontinuität. Oberstaller entspricht dem Typus eines smarten, zielorientierten und pragmatischen Gemeindeverwalters, dem auch die nötige Bodenständigkeit nicht abgesprochen werden kann. <BR /><BR />Für eine Saison hat er als Geschäftsführer des Gastlokals „Pizzeria Hitte“ in Taisten Steak- und Fischabende organisiert und so das Dorfleben angekurbelt. Das war eine super Lebensschule, sagt der älteste der 4 Oberstaller-Geschwister aus Taisten. Vater Eugen war Kommandant der Forststation Welsberg, Mutter Christa unterrichtete Gitarre an der Schule. <BR /><BR />Was stuft er als die zähesten Herausforderungen ein? „Corona hat den Austausch von Angesicht zu Angesicht leider auf ein Mindestmaß beschränkt“, meint er. Außerdem wird man oft gezwungenermaßen Zeuge von innerfamiliären Streitereien, etwa wegen Erbschaftsangelegenheiten. Das seien bedauerliche Sachen, bei denen oftmals vermittelt werden muss. Umso erfreulicher seien Zusammenhalt und die konstruktiven Kräfte zu werten. Und umso mehr verdienen Bürgermeister und ganz generell die Referenten Respekt. Denn Gemeindepolitik ist und bleibt ein Knochenjob.<BR /><BR />