Mittwoch, 06. Mai 2015

Unterkünfte dringend gesucht

Menschenunwürdige Zustände mitten in Bozen? Die Grünen sorgen sich um die Unterbringung der Flüchtlinge in Südtirol. Landesrätin Martha Stocker beschwichtigt: Man versuche bereits das Bestmögliche zu erreichen. Und gibt zu: Immer gelingt das nicht.

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Foto: © APA/Reuters

80 junge Männer, auf kleinstem Platz zusammengepfercht, in stinkenden Container: Grünen-Abgeordnete Brigitte Foppa zeichnete am Mittwoch im Landtag ein düsteres Bild von den Zuständen in der Ex-Gorio-Kaserne in Bozen.

Seit Jahren werden dort Flüchtlinge untergebracht. 420 werden derzeit in Südtirol gezählt, weniger als beim nördlichen Nachbarn: Nordtirol nimmt 2300 Flüchtlinge auf.

Den Grünen stößt das sauer auf: Sie sind der Meinung, das Land müsse mehr tun. Medizinische Versorgung gewährleisten, Sprachkenntnisse vermitteln, die lokale Bevölkerung informieren.

„Integrationsmaßnahmen für diese Flüchtlinge sind nicht zweckdienlich“, meint hingegen Ulli Mair. „Sie wollen eh nicht hier bleiben“, sagte die Freiheitliche am Mittwoch im Landtag. Und auch ihr Parteikollege Pius Leitner betonte: „Eine Rundum-Betreuung, die besser ist als jene für die eigenen Leute, ist nicht vertretbar.“

Land will „das Bestmögliche erreichen“

Man sei ja an der Sache dran, versuchte Martha Stocker, Soziallandesrätin, zu besänftigen. „Die Landesregierung ist mit allen zuständigen Stellen und den Freiwilligenorganisationen ständig in Verbindung, um zumindest das Bestmögliche zu erreichen. Was, zugegebenermaßen auch nicht immer gelingt.“

Doch: Drei Leute vom Weißen Kreuz seien jeden Tag am Bahnhof, und sprachliche Hilfestellungen seien auch vorhanden. Plus: Landeshauptmann Arno Kompatscher habe Premier Renzi auf das Problem, dass Flüchtlinge am Brenner wieder retour geschickt werden, aufmerksam gemacht.

Auch private Angebote

„Wir bereiten nun weitere Aufnahmezentren im Land vor, auch um das Bozner Zentrum zu entlasten“, kündigte Stocker an. Derzeit rede man mit den Bezirksgemeinschaften und prüfe auch private Unterkunftsangebote. „Die Aufnahmezentren erhalten 30 Euro pro Flüchtling. Dafür müssen diese Nahrung, Unterkunft und medizinische Versorgung bieten.“

stol

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