Donnerstag, 20. Februar 2020

US-Wahl: Mike Bloomberg steigt in die TV-Debatten ein

Jeder gegen jeden, alle gegen Bloomberg: So lautete das Motto der Fernsehdebatte in Las Vegas in der Nacht zu Donnerstag.

Mike Bloomberg hatte in seiner ersten TV-Debatte einen schweren Stand.
Mike Bloomberg hatte in seiner ersten TV-Debatte einen schweren Stand. - Foto: © APA/getty / MARIO TAMA
Bloomberg polarisiert in dem Bewerberfeld: Der Gründer des nach ihm benannten Finanz- und Medienunternehmen ist einer der reichsten Menschen der Welt. Er war erst Ende November und damit sehr spät in das Präsidentschafts-Rennen eingestiegen. In nationalen Umfragen liegt er aber inzwischen auf Rang drei. Durch Umfrageergebnisse hatte er sich erstmals für die TV-Debatte qualifiziert. Bloombergs rasanter Aufstieg und seine quasi unerschöpflichen finanziellen Wahlkampfressourcen machen die Konkurrenz sichtlich nervös.

Deshalb ist es nicht verwunderlich,dass die anderen 5 demokratischen US-Präsidentschaftsbewerber ihren aufstrebenden Konkurrenten mit harten Attacken überzogen haben.

Bei ihrer bislang konfrontativsten Fernsehdebatte in Las Vegas in der Nacht zu Donnerstag galten die Angriffe der anderen 5 Demokraten von der ersten Minute an vor allem ihm – und Bloomberg hatte Mühe, sich zur Wehr zu setzen.

Neben Bloomberg standen die Senatoren Bernie Sanders, Elizabeth Warren und Amy Klobuchar sowie der frühere US-Vizepräsident Joe Biden und der Ex-Bürgermeister Pete Buttigieg auf der Bühne.

Alle gegen Bloomberg

Warren sagte mit Blick auf Bloomberg und den republikanischen Präsidenten Donald Trump, es mache keinen Sinn, „einen arroganten Milliardär durch einen anderen zu ersetzen“. Vor allem setzte sie ihm mit Blick auf Vorwürfe zu, er habe sich in seinem Unternehmen wiederkehrend sexistisch gegenüber weiblichen Angestellten geäußert und die Betroffenen mit Vertraulichkeitsvereinbarungen zum Schweigen gebracht.

Buttigieg warf Bloomberg vor, er wolle die demokratische Partei kaufen. Sanders nannte Bloombergs Reichtum unmoralisch. Angekreidet wurde dem Milliardär auch, dass er seine Steuererklärungen nicht offen lege und sich die Nominierung der Demokraten für die Präsidentschaftswahl erkaufen wolle.

Bloomberg bemühte sich nach Kräften, die Vorwürfe abzuwehren. In der Bilanz der US-Medien kam er nicht gut weg. Trump nannte Bloombergs Debüt die schlechteste Debatten-Performance jemals. „Er stolperte, war unbeholfen und extrem inkompetent“, schrieb er auf Twitter.

Jeder gegen jeden

Diverse Attacken bekam bei der TV-Debatte auch Sanders ab. Seine Mitstreiter warfen ihm unter anderem vor, seine Pläne für eine staatliche Krankenversicherung für alle seien vollkommen unbezahlbar und im US-Kongress nicht mehrheitsfähig.

Klobuchar wiederum, die bei der jüngsten Vorwahl in New Hampshire überraschend den 3. Platz erreicht hatte, war einigem Spott dafür ausgesetzt, dass sie kürzlich in einem Interview nicht in der Lage gewesen war, den Namen des mexikanischen Präsidenten Andrés Manuel López Obrador zu nennen.

Die harten Auseinandersetzungen zeigen, wie umkämpft das Rennen ist. Im US-Bundesstaat Nevada, wo die Demokraten debattierten, steht am Samstag die nächste Vorwahl an. Am 3. März steht dann eine richtig große Wegmarke an: der „Super Tuesday“ mit Vorwahlen in mehr als einem Dutzend Bundesstaaten. Auf sie setzt Bloomberg alle Kraft – die ersten Vorwahl-Staaten hat er bei seiner Wahlkampagne ausgespart.

dpa