Er behielt recht und Clinton warf 1992 George Bush senior aus dem Weißen Haus. 2012 könnte es wieder so weit sein: Hohe Arbeitslosigkeitsraten haben sich immer als Klotz am Bein wahlkämpfender US-Präsidenten erwiesen – und Barack Obama schleppt einen Mühlstein mit sich.Der Hoffnungsträger von 2008 steckt in der Folge der schwersten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg nach wie vor in massiven Arbeitsmarktproblemen: Trotz Milliardeninvestitionen und Millionen neu geschaffener Jobs bleibt die Arbeitslosenrate seit mehr als drei Jahren bei über 8 Prozent und auch im kommenden Jahr ist keine Trendwende in Sicht – damit hat seit dem Zweiten Weltkrieg kein US-Präsident der jüngeren Geschichte politisch überlebt: Jimmy Carter und George Bush senior wurden bei Arbeitslosenraten unter acht Prozent abgewählt, der republikanische Säulenheilige Ronald Reagan schaffte 1984 bei einer Quote von 7,2 Prozent – allerdings mit fallender Tendenz – gerade noch die Kurve.Irak hin, Afghanistan her, weder das iranische Atomprogramm noch der Nahostkonflikt beschäftigt die Amerikaner annähernd so wie der Zustand der nach wie vor größten Volkswirtschaft der Welt, vor allem seit die US-Immobilienblase vor rund fünf Jahren platzte und in der Folge die gesamte Weltwirtschaft ins Trudeln brachte.Kein Wunder, dass sowohl der republikanische Herausforderer Obamas, Mitt Romney, als auch der Präsident selbst das ökonomische Wohlergehen des Landes und seiner Einwohner in den Mittelpunkt ihrer Wahlkampf-Strategie rücken.Die Rezepte der Kontrahenten könnten nicht unterschiedlicher sein Bei ihren jeweiligen Rezepten prallen allerdings Welten aufeinander. Der demokratische Amtsinhaber plädiert für einen starken und fürsorglichen Staat, der für Gerechtigkeit sorgt, Modernisierung anstößt, Umweltschutz auch gegen Industrieinteressen fördert – und dafür auch dann Abermilliarden Dollar in die Hand nimmt, wenn das die ohnehin hohen Staatsschulden bis an die Schmerzgrenze treibt.Der den Reichen ans Portemonnaie will, um im Gegenzug den „kleinen Mann“ zu begünstigen. Der Regeln aufstellt, wenn das freie Spiel des Marktes – wie in der Finanzkrise 2007/08 – eine ökonomische Katastrophe ausgelöst hat.Und der die USA, weltweiter Energieverbraucher Nummer Eins, zum Vorreiter in Sachen „grüne Energien“ machen will.Diametral gegenüber der Herausforderer, der Obama Regelungswut und Gängelei vorwirft und das Ende Amerikas als freier Wirtschaftsnation prophezeit.Der ausdrücklich an die Rezepte des konservativen Über-Präsidenten Ronald Reagan und des Obama-Vorgängers Bush junior anknüpfen will.Das bedeutet aus Romneys Sicht: Der Staat soll sich weitgehend heraushalten, schlanker werden, und die Privatwirtschaft machen lassen. In Romneys Wahlprogramm heißt es kurz und bündig, nahezu sämtliche Maßnahmen der Obama-Regierung würden gestoppt und zurückgedreht.Das gilt vor allem für die Wall-Street-Reformen der Obama-Ära. Das gilt für – bisher im Kongress blockierte – Steuererhöhungen zulasten von Spitzenverdienern. Zudem sieht das Wahlprogramm drastische Senkungen der Unternehmenssteuern vor.Rezession zwar überwunden, nachhaltiger Wirtschaftsaufschwung aber nicht in Sicht Faktum ist, dass die Rezession zwar seit Mitte 2009 überwunden gilt, lichte Höhen des Wirtschaftsaufschwungs aber nach wie vor nicht in Sicht sind: Mehr als ein mageres Wachstum von zwei Prozent erwartet der Internationale Währungsfonds (IWF) in seiner jüngsten Schätzung für 2012 nicht.Das horrende Budgetdefizit, das Obama von seinem Vorgänger George W. Bush geerbt hat, zeigt zwar dezent sinkende Tendenz, dafür überholte der nationale Schuldenstand im Vorjahr erstmals das Bruttoinlandsprodukt.Ob Obama mit diesem Rucksack eine zweite Amtszeit schafft oder Romney auf der Welle der Unzufriedenheit ins Weiße Haus reitet – das Licht am Ende des Tunnels könnte für jeden der beiden noch längere Zeit jenes des Zuges sein, der ihm entgegendonnert. apa/dpa/sda