Mittwoch, 21. April 2021

USA drängen Deutschland zu Eilabzug aus Afghanistan

Die Deutsche Bundeswehr bereitet auf Drängen der US-Regierung einen deutlich rascheren Abzug ihrer Soldaten aus Afghanistan vor. Das deutsche Verteidigungsministerium informierte Mittwoch die Fachpolitiker im Bundestag, dass die Kräfte der NATO-Mission „Resolute Support“ das Land bereits bis 4. Juli verlassen könnten. Wegen des de facto um 2 Monate vorgezogenen Termins könne es Engpässe im Rücktransport von Material geben, das notfalls zurückgelassen werden müsse, hieß es.

Amerika drängt.
Amerika drängt. - Foto: © APA/afp / JOHANNES EISELE
Die USA als größter Truppensteller hatten sich bisher auf einen Abzug bis zum 11. September festgelegt, dem 20. Jahrestag der Terroranschläge des islamistischen Netzwerks Al-Kaida in den USA. Die deutsche Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hatte Mitte August als Termin für den Abzug der Bundeswehr genannt, der von den zuletzt abrückenden US-Kräften geschützt werde. Aus den USA wurde signalisiert, dass der 11. September die falsche Symbolik beinhalte.

„Zurzeit gehen die Überlegungen im Hauptquartier Resolute Support in Kabul in die Richtung, den Abzugszeitraum zu verkürzen. Es wird der 4. Juli als Abzugsdatum erwogen“, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch. „Die beteiligten Nationen prüfen zurzeit die daraus resultierenden Herausforderungen und Folgen.“ Es gebe noch keine endgültige Entscheidung.

Nach Berichten über den möglichen früheren Abzug der internationalen Truppen hieß es aus Kabul, die afghanische Regierung werde die Abzugsentscheidungen respektieren. Das teilte ein Sprecher des Präsidentenpalastes in Kabul am Mittwoch mit. Man wisse über alle Abzugsentscheidungen Bescheid und werde in allen Phasen kooperieren.

Für den Abzug der österreichischen Soldaten gibt es noch kein konkretes Datum. „Unsere Planungen laufen derzeit und das geschieht natürlich in enger Abstimmung mit unserem Bündnispartner Deutschland“, sagte Bundesheer-Sprecher Michael Bauer am Mittwoch auf APA-Anfrage. Nähere Details könne er noch keine nennen. Derzeit ist das Bundesheer mit 16 Soldaten an der NATO-geführten „Resolute Support Mission“ (RSM) in Afghanistan beteiligt. Das Bundesheer ist dabei logistisch insbesondere von der mit 1000 Soldaten in Afghanistan präsenten Bundeswehr abhängig.

Aus NATO-Kreisen in Brüssel hieß es, der Fahrplan für den Abzug werde derzeit von den Militärplanern ausgearbeitet. Er solle so schnell wie möglich, aber auch so geordnet wie möglich erfolgen, um unnötige Risiken für die Soldaten auszuschließen. Leitlinie für die Planungen sei weiterhin die Ansage von US-Präsident Joe Biden, dass der Abzug bis zum 11. September abgeschlossen werden sollte.

apa/dpa

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