Mittwoch, 07. August 2019

USA wollen türkische Militäroffensive in Syrien verhindern

US-Verteidigungsminister Mark Esper hat die Türkei eindringlich vor einer einseitigen Militäroffensive in Nordsyrien gewarnt. Ein solches Vorgehen wäre „inakzeptabel” und die USA seien bereit, einen „einseitigen Einmarsch” zu verhindern, der die US-Verbündeten in Syrien gefährden würde, sagte der Minister am Dienstag auf einem Flug nach Tokio.

Verteidigungsminister Akar: Die Planungen sind abgeschlossen Foto: APA (AFP)
Verteidigungsminister Akar: Die Planungen sind abgeschlossen Foto: APA (AFP)

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Dienstag erneut mit einer Militäroffensive gedroht. „Es ist unsere höchste Priorität, den Terror-Sumpf in Nordsyrien auszutrocknen”, sagte er. Der Prozess, der mit zwei vorherigen türkischen Offensiven in Nordsyrien begonnen habe, werde „sehr bald” in eine „neue Phase” gehen.

Ein Gebiet an der türkischen Grenze wird von der Kurdenmiliz YPG kontrolliert. Die Türkei fordert daher dort schon seit Jahren eine von Kurdenmilizen befreite Pufferzone, hatte aber jüngst ihre Rhetorik verschärft.

Verbündete gegen die Terrormiliz 

Die USA betrachten die YPG als Verbündete gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat” (IS) - zum Unmut der Regierung in Ankara, die die YPG wegen ihrer Nähe zur Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) als „Terrororganisation” einstuft. Die Türkei ist seit 2016 bereits zwei Mal gegen die YPG vorgegangen.

Minister Esper erklärte, die Gespräche zwischen Washington und Ankara in dieser Sache dauerten weiter an. Man bemühe sich, eine Lösung zu finden, mit der die türkischen Sicherheitsbedenken adressiert werden könnten, sagte Esper.

Experten des US-Verteidigungsministeriums warnten zudem vor einem Wiedererstarken der Jihadistenmiliz „Islamischer Staat” (IS) in Syrien und im Irak. In Syrien nutze die Miliz nach dem Abzug von US-Soldaten die Schwäche einheimischer Sicherheitskräfte aus, heißt es in einem am Dienstag vorgelegten Bericht des Pentagon-Generalinspektors.

Der US-Abzug sei erfolgt, obwohl die von den USA unterstützen Syrischen Demokratischen Kräfte deutlich gemacht hätten, dass sie mehr Training und Ausrüstung für Anti-Terror-Maßnahmen benötigten.

US-Präsident Donald Trump hatte im vergangenen Jahr einen Sieg über den IS in Syrien verkündet und einen Abzug der US-Streitkräfte aus dem Bürgerkriegsland angeordnet. Der Schritt wurde international, aber auch in den USA als verfrüht kritisiert. Der damalige US-Verteidigungsminister Jim Mattis trat aus Protest gegen die Entscheidung des Präsidenten zurück.

apa/dpa

stol