Dienstag, 08. Juni 2021

Van der Bellen in Rom bei Draghi und Südtiroler Abgeordneten

Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen schließt am Dienstag seinen Besuch in Rom mit Terminen bei Premier Mario Draghi und Südtiroler Abgeordneten ab.

Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen ist derzeit zu Besuch in Rom.
Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen ist derzeit zu Besuch in Rom. - Foto: © APA/HELMUT FOHRINGER / HELMUT FOHRINGER
Bereits am Montag hatte der Bundespräsident mit Staatspräsident Sergio Mattarella Post-Covid-Strategien erörtert und festgestellt, dass mit der seit Februar amtierenden Regierung von Draghi die EU-Wiederaufbaukonzepte in Italien umgesetzt werden sollten. Draghi war von 2011 bis 2019 Chef der Europäischen Zentralbank (EZB).

Begnadigung: „Sind auf gutem Weg“

Beim Thema Südtirol ist weiter die Frage einer generellen Amnestie der noch lebenden Südtiroler Aktivisten, der 3 sogenannten „Pusterer Buam“, offen. Van der Bellen erklärte dazu am Montag nach dem Gespräch mit Mattarella gegenüber Journalisten, man sei „seit Jahren“ mit Italien über dieses Thema im Gespräch. „Ich möchte nichts verschreien, aber ich denke, wir sind auf einem guten Weg“, sagte Van der Bellen und bezeichnete Mattarella als „ausgesprochenen Freund Südtirols“.

In Südtirol wurden vom 20. September 1956 bis zum 30. Oktober 1988 361 Anschläge verübt, die insgesamt 21 Tote, davon 15 Angehörige der Ordnungskräfte, und 57 Verletzte zur Folge hatten.

60 Jahre Feuernacht

Wegen der Anschläge in der „Feuernacht“ vom 11. auf den 12. Juni 1961, bei der rund 40 Strommasten gesprengt worden waren, und weiterer Attentate erhielten der 1941 geborene Heinrich Oberleiter und die anderen „Pusterer Buam“ langjährige Haftstrafen. Oberleiter wurde auch ein Mord an einem Carabiniere vorgeworfen. Deswegen konnte der nach Österreich und dann nach Deutschland geflohene Oberleiter nicht mehr nach Südtirol einreisen.

Für eine generelle Amnestie der noch lebenden Südtiroler Attentäter hatte sich der Landeshauptmann des Bundeslands Tirol Günther Platter (ÖVP) 2019 bei einer Gedenksitzung des Tiroler Landtags anlässlich des 100. Jahrestages des Friedensvertrages von Saint-Germain und der damit verbundenen Abtrennung Südtirols von Österreich stark gemacht. Es gehe um mehr als um „den Seelenfrieden dieser 3 alten Männer“, sondern „auch um eine Symbolik, dass man in Italien ein Zeichen der Versöhnung setzt“, hatte Platter bei dieser Gelegenheit gesagt.

Ende 2018 hatten die Kinder Oberleiters ein Gnadengesuch an Mattarella gerichtet. Die Staatsanwaltschaft Brescia stimmte dem Gnadengesuch zu, die Entscheidung liegt aber beim Staatspräsidenten.

apa