Freitag, 20. Dezember 2019

Vatikan: 2019 etwa 1000 Missbrauchsfälle gemeldet

Die vatikanische Behörde, die sich mit Missbrauchsfällen befasst, hat in diesem Jahr eine Rekordzahl von Anzeigen erhalten. Die Anzeigen trafen aus der ganzen Welt ein, auch aus Ländern, in denen bisher keine Missbrauchsfälle gemeldet worden waren, sagte John Joseph Kennedy, Leiter des Disziplinarbüros der Glaubenskongregation der Nachrichtenagentur AP.

Die Zahl der gemeldeten Missbrauchsfälle sei 4 Mal höher als noch vor 10 Jahren.
Die Zahl der gemeldeten Missbrauchsfälle sei 4 Mal höher als noch vor 10 Jahren. - Foto: © APA (dpa) / Patrick Pleul

Die hohe Zahl von Anzeigen habe das Personal der Behörde „überwältigt“, sagte Kennedy. Diese Zahl sei um 4 Mal höher als noch vor 10 Jahren. Um mit all diesen Fällen umzugehen, müsste das Personal 7 Tage pro Woche arbeiten, meinte Kennedy.

Die meisten Missbrauchsanzeigen seien aus Argentinien, Mexiko, Chile, Italien, Polen und den USA eingetroffen. „Der Vatikan hat sich zur Bekämpfung von Kindermissbrauch verpflichtet und braucht Zeit, um alle Fälle zu prüfen“, sagte Kennedy.

Papst Franziskus hat am Dienstag die Möglichkeit abgeschafft, sich bei Fällen von sexuellem Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche auf Geheimhaltung zu berufen. Der Vatikan teilte am Dienstag mit, das sogenannte „päpstliche Geheimnis“ habe in Missbrauchsfällen keine Gültigkeit mehr.

Das „päpstliche Geheimnis“ soll im Vatikan grundsätzlich die Vertraulichkeit sensibler Informationen garantieren. Die Maßnahme führt dazu, dass Aussagen in Kirchenprozessen auch an zivile Behörden gehen.

apa