Freitag, 03. September 2021

Verkehrsgipfel zwischen der Stadt Bozen und dem Land Südtirol

Im Rathaus von Bozen fand am heutigen Freitagvormittag ein Treffen zwischen der Stadt Bozen und dem Land Südtirol statt. Informiert wurde dabei über den Stand der Umsetzung der Verkehrsmaßnahmen für die Stadt.

Vertreter des Landes Südtirol und der Stadt Bozen trafen sich im Bozner Rathaus zum Verkehrsgipfel.
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Vertreter des Landes Südtirol und der Stadt Bozen trafen sich im Bozner Rathaus zum Verkehrsgipfel. - Foto: © Stadt Bozen
Bei dem Treffen kamen Bürgermeister Renzo Caramaschi, Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider, Vizebürgermeister Luis Walcher, der Stadtrat für Mobilität, Stefano Fattor, und die Stadträtin für Tourismus und Wirtschaftstätigkeiten zusammen, um sich über den Stand der Umsetzung der Verkehrsmaßnahmen für die Stadt Bozen auszutauschen.

Die Verkehrsmaßnahmen und Verkehrsprojekte wurden von der Stadtgemeinde Bozen und dem Land Südtirol vereinbart und in der sogenannten „Agenda Bozen“ festgeschrieben, die im Herbst 2018 genehmigt wurde. Zu den wichtigsten Vorhaben zählt etwa der Hörtenbergtunnel, die Unterführung in der Einsteinstraße, der Ausbau der Grandistraße und die Unterführung in der Romstraße. Beim Verkehrsgipfel am Freitag wurden auch Maßnahmen und Projekte besprochen, die kurz-, mittel- und langfristig verwirklicht werden, um den Verkehr in der Stadt weiter zu verbessern.

„Wir haben unsere Entscheidungen aufeinander abgestimmt“, sagte Bürgermeister Caramaschi in der anschließenden Pressekonferenz.. „Gemeinsam mit dem Land haben wir zunächst überprüft, wie weit die Verkehrsprojekte, die für Bozen vorgesehen sind, bereits fortgeschritten sind. Anschließend haben wir unsere Zusage gegeben, an der digitalen Plattform für die Steuerung der Verkehrsflüsse teilnehmen zu wollen. Die Verkehrsflüsse müssen - und das möchte ich hier nochmals betonen - in erster Linie gemessen werden, sodass sie in einem zweiten Moment gesteuert werden können.“

„Für die Zukunft bedeutet das, dass je nach Verkehrssituation die Maßnahmen erlassen werden können, um den Verkehr wieder flüssiger zu gestalten. Neben den Baumaßnahmen, die in den kommenden Jahren verwirklicht werden, müssen wir auch ein Umdenken in der Bevölkerung bewirken und die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel mehr fördern. Dabei orientieren wir uns an Städten, die ähnlich gelagert sind wie die Stadt Bozen, wie Beispiele vor allem in Nordeuropa zeigen. Wir müssen so weit als möglich die Verwendung der Privatfahrzeuge beschränken - ich würde sogar sagen, dass wir das Privatauto nur mehr im Notfall nutzen sollten - und gleichzeitig als Alternative einen effizienten und günstigen öffentlichen Personennahverkehr anbieten“, so der Bürgermeister.

Alfreider: „Gute Zusammenarbeit mit Bozen

„Mit der Stadtgemeinde Bozen arbeiten wir sehr eng und gut zusammen“, unterstrich der Landesrat für Mobilität, Daniel Alfreider. „Ein Beispiel ist das Projekt für den Hörtenbergtunnel, der ein wichtiges Teilprojekt der Umfahrungsstraßen für Bozen darstellt. In den kommenden Wochen behandelt die Landesregierung den Beschluss für die Genehmigung dieses Straßenbauprojektes. Bozen ist ein zentraler Punkt bei den Verkehrsplanungen des Landes,“ sagte Alfreider weiter. Dabei gehe es vor allem um die Stärkung der Achse Nord-Süd.

„Bezüglich der Variante der SS12 müssen wir Gespräche mit den Staatsbahnen (RFI) und der Brennerautobahngesellschaft führen, denn dieses Vorhaben ist im Vergleich mit dem Hörtenbergtunnel viel komplexer, auch hinsichtlich der Finanzierung, da mehrere Betreiber von Verkehrsinfrastrukturen involviert sind. Das vordergründige Ziel bleibt aber auf jeden Fall, mit den Planungen zu beginnen, um die verschiedenen Projekte umsetzen zu können. Dafür braucht es natürlich genügend Zeit, aber es ist wichtig, so bald als möglich die komplizierten und langwierigen Verfahren in die Wege zu leiten“, erklärte Alfreider.

Die Mobilität der Menschen sei in den vergangenen Jahren sprungartig angestiegen und zu glauben, mit ein paar einzelnen Verkehrsprojekten die Probleme im Mobilitätsbereich zu lösen, sei zu kurz gedacht. „Der öffentliche Personennahverkehr und alternative Verkehrsmittel müssen attraktiver werden. Es gibt Maßnahmen, die sofort umgesetzt werden können, und in der Stadt Bozen ist dies bereits der Fall. Auch Bozen braucht eine Verkehrslösung - und das möchte ich nochmals betonen -, bei der man nicht mehr die ganze Stadt durchfahren muss, um ans andere Ende zu gelangen. Das gleiche gilt für die Erreichbarkeit der Stadt selbst. Digitalisierung und integrierte Mobilität sind für uns die Basis, um von einer Verbesserung des Verkehrs zu sprechen“, sagte Landesrat Alfreider abschließend.

Vizebürgermeister Luis Walcher und Mobilitätsstadtrat Stefano Fattor stellten anschließend noch einige Verkehrsprojekte vor, die in der Stadt Bozen geplant sind, und erläuterten die Maßnahmen für die Steuerung der Verkehrsteilnehmer, die ins Stadtzentrum möchten sowie der Verkehrsflüsse im Stadtgebiet im Allgemeinen.

Steuerung der Verkehrsflüsse anhand von Alternativen und Digitalisierung

Ein grundlegendes Thema sind die Zonen mit Verkehrsbeschränkungen, vor allem sobald es gute Alternativlösungen dazu geben wird, und bei diesem Thema werden Land und Gemeinde Bozen in Zukunft eng zusammenarbeiten. Es gehe dabei nicht so sehr um Verkehrsverbote, sondern um eine Steuerung der Verkehrsflüsse anhand von Alternativen und von Digitalisierung, um strukturierte und programmierte Angebote machen zu können.

„Das Verkehrsprojekt, das eine ringförmige Umfahrung der Stadt Bozen vorsieht, ist unbestritten ein gemeinsames Projekt, aber es ist auf einen Zeitraum von 10-12 Jahren ausgerichtet, bis es endgültig umgesetzt sein wird,“ sagte der Stadtrat für Mobilität, Stefano Fattor.

„Bis dahin müssen wir kurzfristige und mittelfristige Maßnahmen umsetzen. Vor einigen Tagen hatten wir eine Aussprache mit Vertretern der Stadt Mailand, um uns über die Stadtmaut zu informieren, die Mailand eingeführt hat. Wir haben gesehen, dass eine solche Maßnahme nicht von heute auf morgen umgesetzt werden kann, denn das Risiko zu scheitern ist groß. Zum Beispiel: Um den Verkehr auf die Seiser Alm zu steuern, gibt es 33.000 Ausnahmeregelungen. Wenn wir nun an Bozen denken, so stehen wir vor einem 10-fachen Verkehrsvolumen im Vergleich zur Seiser Alm. Und zudem müssen wir auch die Genehmigung der zuständigen Ministerien in Rom einholen. Es geht nun also vor allem darum, eine Datenanalyse durchzuführen, die über einen längeren Zeitraum ausgerichtet ist, und hier arbeiten die Stadt Bozen und das Land Südtirol eng zusammen“, so der Stadtrat.

Die Stadt Bozen habe beim Land 2 Anliegen vorgebracht, die in nächster Zeit umgesetzt werden sollen: Zum einen geht es um eine Änderung des Zeitplans in der Agenda Bozen für die Verkehrsprojekte in der Industriezone: Das Projekt, um die Eisackuferstraße sicherer zu machen, indem die vorhandenen Spurwechsel abgeschafft werden, soll vorgezogen werden. Das zweite Anliegen betrifft die Fläche am Bozner Boden, den sogennanten Parkplatz Sibirien, der künftig das ganze Jahr über zur Verfügung stehen soll und Platz für 5000 bis 7000 Fahrzeuge bietet. „Es hat sich nämlich schon erwiesen, dass diese Parkfläche von strategischer Bedeutung ist, um die Verkehrsflüsse in Richtung Altstadt besser steuern zu können“, erklärt Fattor.

Hinsichtlich des Fahrradverkehrs müssen im Stadtgebiet und in der Nähe des Bahnhofs Möglichkeiten vorgesehen werden, um schnell und problemlos auf andere Verkehrsmittel umsteigen zu können, und die Stadtgemeinde Bozen hat bereits einige sehr konkrete Vorschläge in Ausarbeitung.

stol

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