Die Daten von den Kameras an 24 Punkten auf den 4 Passstraßen rund um den Sellastock geben vor, wo die Verkehrsberuhigung ansetzen muss. <BR /><BR /><BR /><BR />Im Sommer wurden 2 Pilotprojekte in Corvara und in Sëlva/ Wolkenstein begonnen, die schon sichtbarer Ausdruck der geplanten umfassenden Maßnahmen sind: Mit neu eingerichteten Buslinien wurde den Urlaubern das Angebot gemacht, mit öffentlichen Verkehrsmitteln vom Hotel zu den Aufstiegsanlagen zu gelangen und so aufs Auto verzichten zu können, wie Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider erläutert. Schon im Hotel wurde dafür geworben.<BR /><BR /><b>Bau der Radspuren beginnt</b><BR /><BR />Im Herbst wird der Bau von bergaufwärts führenden Radspuren auf bestimmten Abschnitten am Sellajoch, Grödner Joch und Valparolapass beginnen. Damit sollen die Radfahrer mehr Sicherheit bekommen und den motorisierten Verkehrsteilnehmern ein langsames Hindernis abgenommen werden. <BR /><BR />Doch die eigentlich Arbeit läuft noch im Hintergrund ab. „Ziel ist eine verkehrsberuhigte, umweltgerechte Zone rund um den Sellastock“, umreißt Alfreider das Vorhaben. Dazu sind jedoch umfangreiche rechtliche Änderungen und politische Entscheidungen nötig, die noch eine ganze Zeitlang dauern werden. Immerhin aber sind sich die Anrainer – die Gemeinden rund um den Sellastock, die 3 Provinzen und die 2 Regionen – einig geworden, haben im Frühjahr ein Einvernehmensprotokoll unterzeichnet und ziehen erstmals an einem Strang. <BR /><BR /><embed id="dtext86-50571964_quote" /><BR /><BR /><BR />Das ist wichtig, denn Südtirol könnte theoretisch zwar selbst in einigen Bereichen tätig werden, was eine noch unter Ministerpräsident Renzi verabschiedete Durchführungsbestimmung zum Autonomiestatut ermöglichen würde: Danach kann Südtirol ökologisch sensiblen Gebieten auf Straßen, die in andere Provinzen führen, Maßnahmen zur Eindämmung des Verkehrs setzen. <BR /><BR />„Das war zwar ein Riesenschritt“, sagt Daniel Alfreider, aber alle Maßnahmen nützen nichts, wenn wenige Kilometer weiter nichts geschieht. Und grenzüberschreitend ist nur ein Teil der Südtiroler Passstraßen. Deshalb sei es so wichtig, zusammen mit Trentino und Belluno vorzugehen. <BR /><BR />Die Datensammlung mit den Kameras, die vor einiger Zeit an 24 Punkten auf den 4 Passstraßen rund um den Sellastock begonnen wurde, hat laut Alfreider zu einer wichtigen Erkenntnis geführt: „Wir müssen am Ursprung arbeiten!“ Das bedeutet, dass nicht der Verkehr auf den Pässen im Fokus stehen muss, sondern bereits der Verkehr in den Tälern, bevor er die Pässe erreicht: „Dort spürt man den Durchzugs- und den touristischen Verkehr“, sagt Alfreider: „Wir müssen erreichen, dass die Leute erst gar nicht ins Auto steigen, sondern mit emissionsfreien, kleineren Bussen und mit Aufstiegsanlagen in die Berge gelangen. Und wir müssen sie auch in andere Gebiete lenken als in immer dieselben Hotspots.“ <BR /><BR /><b>Aufstiegsanlagen mit einbauen</b><BR /><BR />Ein großes Problem ist noch die Integration der Aufstiegsanlagen in dieses Mobilitätskonzept, auch wegen der Kosten und der Abrechnung. Die Lifte sind für Alfreider aber ein wichtiger Stützpfeiler des Mobilitätskonzeptes: „Wir haben 360 Aufstiegsanlagen in Südtirol, und das ist ein Riesenpotenzial für die Mobilität: Wir müssen dahin gelangen, dass die Urlauber ohne Auto nach Südtirol kommen und mit der Seilbahn in die Berge gelangen.“<BR /><BR />Die Passstraßen einfach zu sperren oder Verkehrsströme zu lenken sei derzeit rechtlich noch nicht möglich. „Deshalb brauchen wir ein wissenschaftlich fundiertes und gut begründetes Konzept, was wir wollen, bevor wir damit nach Rom gehen“, sagt Alfreider. <BR /><BR /><embed id="dtext86-50571969_quote" /><BR /><BR /><BR />Die Monitoringsysteme, über die der Verkehr gesteuert werden könnte, werden gerade aufgebaut. Schon ab dem nächsten Jahr soll schrittweise die Digitalisierung von Parkplätzen in Betrieb gehen, so dass der Besucher schon in Bozen, Brixen und unten in Gröden sehen kann, ob am Sellajoch oder auf Plan de Gralba noch ein Parkplatz frei ist; in späterer Zeit soll der Parkplatz auch online buchbar sein. Sieht der Besucher, dass kein Parkplatz mehr frei ist, kann er auf die Öffis umsteigen oder sich ein anderes Ziel suchen – und merkt nicht erst am Sellajoch, dass eben kein Platz frei ist. Leitplanken und andere Maßnahmen sollen dann das wilde Parken verhindern, das derzeit noch ein großes Problem auf den Pässen ist. <BR /><BR />Eine tragende Rolle wird dabei die App suedtirol.info spielen: Schon heute kann man nicht nur die Fahrpläne von Bus und Bahn einsehen, sondern auch bei einigen Linien verfolgen, ob der Bus pünktlich sein wird. „Dort wird man später einmal auch sehen können, ob bestimmte Parkplätze voll oder frei sind, und das nicht nur in touristischen Gegenden, sondern auch bei Pendlerparkplätzen“, sagt Alfreider. <BR /><BR />Grundsätzlich gelte: „Nur wenn ich schnell, unkompliziert und übersichtlich die Information bekomme, wie ich mit den Öffis einen bestimmten Ort erreiche, werde ich – ob Pendler oder Urlauber – auf das Auto verzichten“, sagt Alfreider. <BR /><BR /><b>Im Oktober nach Rom</b><BR /><BR />An der Endfassung des Maßnahmenpakets wird noch gefeilt. Im Oktober wollen die Südtiroler, Trentiner und Belluneser Partner es der Regierung in Rom präsentieren. Es passe genau zu den Zielen des Recovery Funds, der auf Digitalisierung und ökologisch verträgliche Mobilität setzt, meint Alfreider, und deshalb hoffe man auf eine großzügige Finanzierungshilfe. Auch bei der EU soll um Beiträge angefragt werden. <BR /><BR />Dieses Konzept zur datenbasierten Verkehrslenkung soll keineswegs auf die Dolomiten beschränkt bleiben, sagt Alfreider: Auf allen großen Verkehrsadern soll es kommen. Am Stilfser Joch seien die Kameras bereits montiert, in Prags, dem Vorreiter auf diesem Gebiet, seien die Maßnahmen bereits umgesetzt.<BR />