Freitag, 17. April 2020

Verwirrung an der Schulfront – Achammer: „Das ist völlig inakzeptabel“

Nicht zum ersten Mal stiftete die italienische Unterrichtsministerin Lucia Azzolina für Verwirrung zum Thema Schulbetrieb. In einem Interview mit dem „Corriere della Sera“ sagte sie am Donnerstag, dass die Schulen aufgrund der immer noch hohen Anzahl der Todesfälle in Italien im Mai sicher nicht mehr öffnen. STOL hat diesbezüglich bei Landesrat Philipp Achammer nachgefragt. Der ist stinksauer: „Wir erfahren diese Neuigkeiten selbst nur aus den Interviews, die sie gibt. Die Situation ist einfach völlig inakzeptabel.“

Öffnen die Schulen erst im Herbst wieder? Klarheit gibt es derzeit noch nicht.
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Öffnen die Schulen erst im Herbst wieder? Klarheit gibt es derzeit noch nicht. - Foto: © shutterstock
Lucia Azzolina erklärte in besagtem Interview mit dem „Corriere della Sera“, dass die Voraussetzungen für eine Rückkehr in die Schulen im Mai nicht gegeben seien. Die Regierung müsse darüber aber in den kommenden Tagen entscheiden. Alle Schüler würden versetzt, so die Ministerin im Interview, aber es würden auch negative Noten vergeben. Betroffene Schüler müssten diese dann im Fall der Fälle im Herbst aufholen. Eine Matura werde es in sehr verschlankter Form in Form eines mündlichen Online-Prüfungsgespräches geben.

STOL wollte beim zuständigen Landesrat Philipp Achammer eine Bestätigung für diese Neuigkeiten einholen. Doch die konnte er uns nicht geben. Warum? Das lesen Sie hier.


STOL: Herr Landesrat, alle sind verwirrt. Letzte Woche hieß es aus Rom, es gäbe 2 Szenarien bezüglich Schulöffnung. Stichdatum war hier der 18. Mai. Und auch Sie haben das dann im Rahmen der virtuellen Pressekonferenz so bestätigt. Was sagen Sie nun zu den neuen Aussagen der Unterrichtsministerin, dass die Schulen sicher nicht mehr im Mai öffnen? Wurden Sie diesbezüglich von der Ministerin informiert?

Landesrat Philipp Achammer: Nein, ich muss wirklich sagen: Diese Situation ist wirklich inakzeptabel. Dass ich solche Informationen aus Interviews erfahre, und nicht intern, ist skandalös. Ich habe auf politischer Ebene keine Auskunft, aber schon überhaupt keine Auskunft, erhalten. Und so geht es nicht nur dem „kleinen“ Südtiroler Bildungslandesrat, sondern auch meinen Kollegen der größeren Regionen. Gerade in Zeiten wie diesen brauchen wir klare Aussagen. Und die liefert die Ministerin einfach nicht. Das ist einfach unprofessionell. Und dabei gab es schon vergangene Woche großen Aufruhr nach der virtuellen Konferenz mit der Ministerin, da hatten wir die gleiche Situation wie jetzt.

STOL: Sie fordern also endlich Klarheit aus Rom, um die nächsten Schritte planen zu können?

Achammer: Ja, unbedingt. Das ist eine Situation, die für Schüler, Eltern, Lehrer und auch uns einfach inakzeptabel und sehr schwierig ist. Wenn die Schulen geschlossen bleiben bis zum Herbst, dann soll das einfach klar gesagt werden. Wenn wir es endlich wüssten, wüssten wir, wie wir uns darauf vorbereiten können und man könnte mit der effektiven Planung beginnen, zum Beispiel auch einen außerordentlichen Plan für den Sommer ausarbeiten, um die Eltern zu unterstützen. Gerade das ist mir ein großes Anliegen. Wir brauchen endlich Gewissheit. Man kann nicht immer alles auf die letzte Minute verschieben.

STOL: Rechnen Sie heute noch mit einer offiziellen Bestätigung der Ministerin aus Rom?

Achammer: Nein, das glaube ich nicht. Ich habe bereits Anfang dieser Woche ein Schreiben an die Ministerin gerichtet und eingefordert, dass man endlich Klarheit möchte. Ich habe bis zum heutigen Tag keine Antwort erhalten. Und wie bereits erwähnt, sind alle Regionen, meine Kollegen und ich in derselben Situation. Die Aufruhr ist groß, wir hoffen weiter auf eine schnelle offizielle Mitteilung aus Rom, damit wir diese schwierige Situation in Angriff nehmen können.

Interview: Verena Stefenelli

Hier lesen Sie das Interview von Ministerin Lucia Azzolina mit dem „Corriere della Sera“.

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