Eltern in Südtirol wissen nur zu gut: Kinder und Beruf unter einen Hut zu bringen, ist eine logistische und organisatorische Herausforderung. Ohne Großeltern, die Müttern und Vätern den Rücken frei halten, ist es für viele kaum zu schaffen. Fehlt diese Unterstützung, geraten Familien schnell in Dauerstress und Überforderung. Dabei ginge es auch anders.<BR /><BR />Für Mittelstandsfamilien sind heute zwei Einkommen nötig, um in Südtirol zu leben. Die Kluft zwischen Kaufkraft und Wohnraumpreisen ist in den letzten Jahren deutlich größer geworden. Diesen Trend zu stoppen oder gar umzukehren, erfordert Zeit. <BR /><BR /><embed id="dtext86-68326912_quote" /><BR /><BR />Doch nicht nur finanzielle Zwänge im Hier und Jetzt motivieren Eltern, einer Arbeit nachzugehen. Viele möchten sich auch persönlich weiterentwickeln und über die Familienarbeit hinaus beruflich entfalten.<BR /><BR /> Arbeit ist außerdem das Basisrezept gegen Altersarmut, auch wenn im beitragsbezogenen Modell, das es seit nunmehr 30 Jahren gibt, kein Weg an der privaten Vorsorge vorbeiführt, um die zu erwartende Rentenlücke auszugleichen. <BR /><BR />Zusätzlich ist auch die Wirtschaft auf die wertvolle Ressource Väter und Mütter angewiesen. Der Fachkräftemangel ist spürbar, und die demografische Entwicklung wird die Lage weiter verschärfen. Jede Arbeitskraft wird gebraucht. Wohl deshalb zeigt sich auf Arbeitgeberseite seit einigen Jahren ein Umdenken: Flexible Arbeitszeiten und Arbeitsformen wie das Homeoffice sind in einigen Betrieben gang und gäbe. Viel hat sich getan; der Weg zur flächendeckend familienfreundlichen Arbeitswelt ist dennoch lang. <BR /><BR /><embed id="dtext86-68326918_quote" /><BR /><BR />Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist wie ein sensibles Uhrwerk mit vielen kleinen Rädchen: Kinderbetreuung, Arbeit, Haushalt und Termine greifen ineinander. Wenn ein Rädchen aber mal nicht ganz rund läuft, stockt gleich das ganze System. Diese Anfälligkeit wirft die Frage auf, wie das System verbessert werden könnte; so, dass es resilienter wird. Nachschrauben könnten vor allem unsere politischen Vertreter. Weitblick und eine klare Strategie, die die Bedürfnisse junger Familien umfassend berücksichtigt, fehlen. Die Wohnsituation ist dabei – wie beschrieben – nur ein Teil eines stabilen Rahmens. <BR /><BR />Viele Eltern fühlen sich von der Politik nicht entsprechend wahrgenommen, während sie sich tagtäglich nach der Decke strecken müssen. Auf eine lautstarke Lobby können sie nicht zählen (zuletzt gesehen bei der Diskussion um einheitliche Bildungszeiten). Derweil arrangieren sie sich – und alles was zu ihrem Alltag dazugehört. Doch der Unmut wächst. <BR /><BR />Vorkämpferin Christa Ladurner sprach vor wenigen Tagen gegenüber „STOL“ von einem „großen Volkszorn“ – und das verwundert nicht <a href="https://www.stol.it/video/media/ladurner-der-volkszorn-in-suedtirol-ist-gross" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">(Hier sehen Sie das gesamte Interview mit Christa Ladurner).</a> In kaum einem anderen Bereich klaffen Wahlversprechen und Wirklichkeit weiter auseinander.<BR /><BR />Jüngere Familien sind die Zukunft unserer Gesellschaft. Sie haben längst bewiesen, dass sie sich an tiefgreifende Veränderungen anpassen können. Es wird Zeit, dass sich auch die Politik an ihre Lebensrealitäten anpasst. <BR /><BR /> <a href="mailto:rainer.hilpold@athesia.it" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">rainer.hilpold@athesia.it</a>