Mittwoch, 19. Juni 2019

Vier Mordanklagen in den Niederlanden wegen MH17-Abschuss

Ein von den Niederlanden geleitetes internationales Ermittlerteam hat fünf Jahre nach dem Abschuss von Flug MH17 über der Ukraine vier Verdächtige genannt. Die Ermittler beschuldigten nach Angaben von Angehörigen am Mittwoch drei Russen und einen Ukrainer, in den Abschuss der Passagiermaschine von Malaysia-Airlines am 17. Juli 2014 mit einer Rakete verwickelt gewesen zu sein.

Das Flugzeug wurde am 17. Juli 2014 abgeschossen Foto: APA (AFP/Archiv)
Das Flugzeug wurde am 17. Juli 2014 abgeschossen Foto: APA (AFP/Archiv)

Gegen die Verdächtigen würden Haftbefehle erlassen. Der Prozess gegen vier Beschuldigte, darunter der prorussische Rebellenkommandant Igor G., werde am 9. März kommenden Jahres in den Niederlanden beginnen, teilte die Opferangehörige Silene Fredriksz am Mittwoch mit. Sie sei „glücklich, dass der Prozess endlich beginnen wird und dass, die Namen verkündet wurden”, sagte Fredriksz, deren Sohn und Schwiegertochter unter den Opfern waren. Sie machte den russischen Präsidenten Wladimir Putin persönlich für den Absturz verantwortlich. „Weil er dies möglich gemacht hat. Er hat die Situation geschaffen. Er ist der Hauptverantwortliche.”

Die Niederlande und Australien machen Russland für den Abschuss der Malaysia-Airlines-Maschine verantwortlich, bei dem alle 298 Insassen getötet worden waren. Das Flugzeug war am 17. Juli 2014 über der Ukraine abgeschossen worden. Unstrittig ist, dass es von einer Rakete des Typs BUK getroffen wurde. Das von den Niederlanden geleitete internationale Ermittlerteam will weitere Ergebnisse am Mittag offiziell verkünden.

Im Mai 2018 hatte das internationale Ermittlerteam einen Bericht vorgelegt und die eingesetzte Rakete erstmals einer russischen Militärbrigade zugeordnet. Die Regierung der Niederlande, woher die meisten der Opfer stammten, machte Russland daraufhin auch formell für den Abschuss verantwortlich.

Der Kreml wies dies verärgert zurück. Russland seinerseits machte von Anfang an ukrainische Kräfte für den Abschuss verantwortlich. Auch die von Russland unterstützten Separatisten wiesen erneut kategorisch zurück, dass Russland etwas mit dem Abschuss zu tun habe. Es habe nicht einmal die technische Möglichkeit gegeben, das Buk-System von Russland in den Donbass zu transportieren, sagte Andrej Purgin. Er bezeichnet sich als Vize-Regierungschef in der selbst ernannten Volksrepublik Donezk.

Das für den Abschuss benutzte Buk-System stamme vielmehr aus den Beständen der ukrainischen Streitkräfte. „In Donezk gab es einfach niemanden, der das hätte bedienen können”, sagte Purgin. Die Anschuldigungen seien daher absurd. Vielmehr habe die Ukraine das Personal gehabt, um das System zu bedienen. „In Russland werden die Anlagen praktisch schon nicht mehr benutzt”, sagte Purgin.

apa/dpa/ag.

stol