Klitschko zufolge war eines der Todesopfer ein Rettungssanitäter. Er sei bei einem Einsatz an einem von Drohnen getroffenen Wohnhaus getötet worden. Vier weitere Mitglieder seines Teams seien bei dem Vorfall verletzt worden. Seit mittlerweile fünf Stunden heulen in der ukrainischen Hauptstadt die Alarmsirenen.<BR /><BR />Vor der Attacke auf Kiew waren inmitten eines landesweiten Raketenalarms nahe der Stadt Lwiw im Westen mehrere Einschläge verzeichnet worden. Der Angriff passierte ungeachtet laufender Friedensbemühungen mit Russland. Eine schwere ballistische Rakete sei auf das Gebiet an der Grenze zu EU- und NATO-Gebiet abgefeuert worden. Es habe die Gefahr des Starts einer ballistischen Waffe vom russischen Testgelände Kapustin Jar bestanden.<BR /><BR />Ukrainische Militärblogs veröffentlichten angebliche Videos aus der Region, die sechs Einschläge hintereinander zeigen. Dies ähnelt dem Trefferbild von sechs Gefechtsköpfen der neuen russischen Mittelstreckenrakete Oreschnik (Haselstrauch).<BR /><BR />Offizielle Bestätigungen für den Einsatz dieser Rakete gab es nicht. „Ob das eine Oreschnik war, ist nicht bekannt“, teilte der Bürgermeister von Lwiw, Andrij Sadowyj, mit. Darüber müsse das Militär informieren. Bewohner der Region beschrieben die lauten Einschläge wie viele Erdbeben hintereinander. Angaben zum Ziel wurden nicht gemacht. Doch im Gebiet Lwiw liegt der unterirdische Gasspeicher von Stryj, der schon mehrfach Ziel russischer Angriffe war.<BR /><BR />Die nach russischen Angaben neue Mittelstreckenrakete Oreschnik war erstmals im November 2024 auf die südukrainische Großstadt Dnipro abgefeuert worden. Auch dieser Start erfolgte aus Kapustin Jar bei Astrachan in Südrussland. Die sechs Gefechtsköpfe enthielten damals nach ukrainischen Angaben keinen Sprengstoff. Kremlchef Wladimir Putin sprach von einem Test und drohte an, dass weitere folgen sollten.<BR /><BR />Westliche Militärs sehen die Oreschnik als Weiterentwicklung der russischen Interkontinentalrakete RS-26 Rubesch. Die Reichweite wird auf 2.000 bis 5.000 Kilometer geschätzt. Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko sagt, Russland habe die Oreschnik mittlerweile auch in seinem Land stationiert.<BR /><BR />Die Ukraine hatte einen schweren russischen Luftangriff erwartet. Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte in seiner Abendansprache davor: „Es gibt Informationen, dass es heute Nacht einen neuen massiven russischen Angriff geben könnte.“ Die Bürger sollten auf Luftalarm achten und sich in Schutzräume flüchten.