Montag, 09. November 2020

Vollständiger Lockdown ab Mittwoch?

Aussprechen will es noch niemand, aber über Südtirol baumelt das Damoklesschwert eines harten Lockdowns. Maßnahmen wie im Frühjahr sind – so die Verantwortlichen – nicht auszuschließen. Schon ab Mittwoch könnte es soweit sein.

Schließen am Mittwoch die Schulen?
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Schließen am Mittwoch die Schulen? - Foto: © shutterstock
„Jetzt ist Zeit zu handeln. Spätestens am Dienstag sind in der Landesregierung weitere, restriktivere Maßnahmen zu beschließen. Gleiche Maßnahmen wie im März sind nicht auszuschließen“, sagt Gesundheitslandesrat Thomas Widmann. Das Wort Lockdown bzw. harter Lockdown wie im Frühjahr nimmt er (noch) nicht in den Mund.



Ein Beispiel für die Dramatik im Gesundheitswesen: Bei einer Person wurde dieser Tage eine instabile Angina pectoris im Ruhezustand, eine Präinfarktangina, diagnostiziert. Es müsste dringend ein Herzkatheter gesetzt werden. Termin für eine Operation aber erst im Jänner. Jetzt hoffen die Angehörigen, dass der Termin vorgezogen wird. „Das ist das Schlimme in dieser Situation, dass viele Patienten betroffen sind, beispielsweise auch Diabetiker und andere chronisch Kranke und OPs, die nicht mehr machbar sind, weil das Gesundheitspersonal zum Auffangen der Covid-Patienten abgezogen werden muss“, sagt Widmann.

Das Infektionsgeschehen im Land sei dramatisch, deshalb müsse man noch restriktiver vorgehen. „Um zu verhindern, dass das Gesundheitswesen zusammenbricht mit Kollateralschäden, die nicht mehr gut zu machen sind“, sagt Widmann.

Er verstehe, dass die Leute „stuff sind“ von den vielen Auflagen und Einschränkungen. „Ich verstehe auch, dass alle, die keinen Verwandten wegen Covid im Spital haben, noch weniger Verständnis für die Maßnahmen haben. Aber alle die, die dafür zwar kein Verständnis haben, dann aber draufkommen, dass wir hätten wissen müssen, dass das Gesundheitssystem zusammenbrechen könnte, hätten auch dafür garantiert kein Verständnis. Deswegen ist jetzt Verantwortung zu übernehmen“, betont Widmann.

Keine Zeit verlieren

Dass keine Zeit mehr zu verlieren ist, ist auch aus der Einschätzung von Florian Zerzer, Generaldirektor des Sanitätsbetriebs herauszuhören. „Die Situation in den Spitälern ist sehr, sehr angespannt. Wir müssen weiterhin Betten freimachen, Leistungen in Abteilungen stark reduzieren und beschneiden. Wir haben nur das Personal, das wir haben“, so Zerzer.

„Der Druck auf die Covid-Normalstationen ist momentan noch größer als auf die Intensivstationen. Der Zustrom der Patienten über Notaufnahmen, über Zuweisungen der Hausärzte und aus Altersheimen wächst sehr, sehr schnell“, sagt Zerzer. Er hoffe, dass die Maßnahmen – Schulferien und Schließung von Bars und Restaurants – baldigst greifen.

stol/lu

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