Samstag, 03. Oktober 2015

Von damals, von heute

Schon vor 25 Jahren war klar: Der 3. Oktober 1990 ist ein historischer Tag. „Deutschland wiedervereinigt“, titelten damals die „Dolomiten“. STOL hat die denkwürdige Ausgabe aus dem Archiv geholt und Stimmen eingefangen. Von damals. Von heute.

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Damals, 1990. Acht ladinische Bürgermeister schicken einen Brief nach Rom. Sie fordern einen ladinischen Landesrat. „In dem Brief heißt es, die Angelegenheit ziehe sich nun schon über Jahre hin, ohne dass man dabei zu einem Ergebnis gekommen sei“, berichten dazu die „Dolomiten“.

Damals, 1990, fordert die Initiative „Rettet das Etschtal“ den Rücktritt von Umweltlandesrat Erich Achmüller. Dieser hatte dem Bau der Schnellstraße MeBo zugestimmt – „mit halbem Herzen“, wissen die „Dolomiten“.

Und bei der „Glücksgans“ gab es zwei Millionen Lire in Goldmünzen zu gewinnen. Damals, 1990.

Doch Schlagzeilen machte ein anderes Thema.

Die „Dolomiten“ berichteten damals auf acht Seiten. Auf drei davon kamen Stimmen aus Südtirol zu Wort. STOL hat sich, 25 Jahre später, auf Spurensuche begeben.

 

Pius Leitner

1990 Landeskommandant des Schützenbundes

Pius Leitner, heute freiheitlicher Fraktionssprecher im Landtag, war damals noch Landeskommandant des Südtiroler Schützenbundes. Als solcher meinte er: „Es hat sich einmal mehr gezeigt, dass man ein Volk auf Dauer nicht trennen kann, wenn es das Volk nicht selber will.“ Doch so sehr er sich auch über die Einheit Deutschlands freue, sagte er, so sehr schmerze ihn die fortwährende Trennung Tirols.

2015 Landtagsabgeordneter und Fraktionssprecher der Freiheitlichen

Ein Vierteljahrhundert später ist Südtirol noch immer ein Teil Italiens. Deshalb schreibt Leitner heute: Anders als in Deutschland habe man in Südtirol den Ruf der Bevölkerung noch immer nicht vernommen. „Dennoch bleiben die Ereignisse rund um die Deutsche Einheit in dauerhafter Erinnerung und geben Hoffnung, dass der Wille des Volkes irgendwann durchbricht“, hofft der Landtagsabgeordnete.

 

Luis Durnwalder

1990 seit einem Jahr Landeshauptmann

„Das Bild unseres Kontinents hat sich grundlegend geändert“, sagte der zum Zeitpunkt der Deutschen Einheit frisch gebackene Landeshauptmann Luis Durnwalder zu den „Dolomiten“. Warnte aber zugleich auch vor dem Unterschätzen der Herausforderungen einer Wiedervereinigung und prognostizierte einige soziale Herausforderungen.

2015 Altlandeshauptmann

25 Jahre später haben sich die Aussagen Durnwalders, inzwischen im wohlverdienten Ruhestand, bestätigt. Es war ein langer Weg hin zur wirklichen Einheit. Und doch habe es sich mehr als gelohnt, wie der Alt-Landeshauptmann im STOL-Gespräch betont.

 

Eva Klotz/Sven Knoll

1990 Klotz als Landtagsabgeordnete der Union für Südtirol

Für das Thema „Wiedervereinigung“ brennte damals, wie heute, die politische Bewegung rund um Eva Klotz. Damals war die 39-jährige Klotz noch in der „Union für Südtirol“ beheimatet, meinte allerdings schon damals: „Wenn die regierenden Politiker Tirols plötzlich mit einer so großen und neuen Macht wie ‚Wir sind das Volk‘  konfrontiert werden, würden sie dann nicht auch ‚eh schon immer für die Beendigung dieses unwürdigen politischen Zustandes‘ gewesen sein?“

2015 Knoll als Landtagsabgeordneter der Süd-Tiroler Freiheit

25 Jahre später hat sich Eva Klotz von der politischen Bühne verabschiedet. Im Dezember 2014 legte sie ihr Landtagsmandat aus familiären Gründen nieder. Ihr politischer Zögling Sven Knoll aber hält weiter die Fahne hoch: Jenen Politkern, die den Menschen einzureden versuchten, dass eine Wiedervereinigung mit Tirol nicht möglich sei, müsse man zurufen, „dass Unrechtsgrenzen nicht ewig bestehen“. 

Die Nacht auf den 3. Oktober hat für die "Dolomiten" unter anderem Fredi Wurzer, langjähriger Leiter des Ressorts Politik und Weltchronik, aufbereitet. An die deutsche Wiedervereinigung erinnert er sich so: "Wir wussten, dass etwas passieren muss, das hat sich abgezeichnet. Allerdings wussten wir nicht genau, was passiert. Wir haben alles über das ZDF live verfolgt. Viele hatten Angst, es hieß, es könnten Schüsse fallen. Heute können wir sagen: 'Da haben wir wirklich Historisches miterlebt.'"

stol

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