Sonntag, 11. Juli 2021

Von der Leyen besucht Ex-Durchgangslager Fossoli in Norditalien

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hat am Sonntag in Begleitung von EU-Parlamentspräsident David Sassoli das ehemalige Durchgangslager Fossoli nahe der norditalienischen Stadt Modena besucht. Anlass des Besuchs war der 77. Jahrestag des Massenmords von Cibeno. Deutsche SS-Truppen hatten während des Zweiten Weltkriegs 1944 dort mehr als 60 Menschen erschossen – als Vergeltungsaktion für einen Anschlag auf 7 deutsche Soldaten in Genua.

Von der Leyen und Sassoli besuchten gemeinsam die Gedenkstätte in Norditalien.
Von der Leyen und Sassoli besuchten gemeinsam die Gedenkstätte in Norditalien. - Foto: © APA/afp / FREDERICK FLORIN
„Heute ist es für mich besonders bewegend, als Europäerin mit deutscher Staatsangehörigkeit hier zu sein. Es war ein deutscher Soldat, der befahl, Ihre Eltern und Großeltern zu töten. Es ist eine schwere Schuld in der Geschichte meines Landes“, so von der Leyen. An der Gedenkzeremonie beteiligten sich mehrere Angehörige der Opfer des Massakers und der Ex-EU-Kommissionschef Romano Prodi, der zum ersten Mal von der Leyen traf.

Von der Leyen sprach die Problematik der Diskriminierung in der EU an. „Unsere Union ist alles andere als perfekt. Und wir müssen uns jeden Tag fragen, ob wir den Grundwerten Europas treu sind. Wir müssen handeln, wenn wir es nicht sind. Als Europäer können wir nicht akzeptieren, dass sich die europäischen Juden in ihren Häusern und Synagogen nicht sicher fühlen“, so von der Leyen.

„Wir können nicht tolerieren, dass die freie Presse und die Universitäten angegriffen werden. Wir können keine Diskriminierung akzeptieren. Wenn wir den Werten treu bleiben wollen, die Ihre Väter und Großväter, die Helden des Widerstands, inspiriert haben, dann müssen wir diesen Werten auch in der Gegenwart treu sein“, sagte von der Leyen.

„Das Lager Fossoli ist ein Symbol für den Horror des Zweiten Weltkriegs. 5000 Menschen wurden in dieses Lager gebracht, Gefangene wurden erschossen, weil sie dem Widerstand angehörten. Die Demokratie und unsere Institutionen müssen wachsam sein, denn was heute in Europa geschieht, ist besorgniserregend: Diskriminierung, Gewalt, Angriffe auf die Justiz und die Pressefreiheit. Für uns ist das alles unerträglich und mit unseren Werten nicht zu vereinbaren. Wir verfügen über neue Sanktionsinstrumente, und wir wollen sie nutzen“, sagte Sassoli.

apa